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Streit mit "Bild" geht weiter

635 000 Euro Schmerzensgeld - Kachelmann und Springer in Berufung

2,25 Millionen wurden es nicht, doch immerhin 635 000 Euro. Soviel soll Jörg Kachelmann von "Bild" erhalten als Entschädigung für die Verletzung seines Persönlichkeitsrechts - beendet ist der Streit aber nicht.

01.10.2015
  • CHRISTOPH DRIESSEN, DPA, AFP

Köln Die "Bild"-Zeitung (Print und Online) ist zur Zahlung einer Rekordsumme von 635 000 Euro Entschädigung an Jörg Kachelmann (57) verurteilt worden. Das Landgericht Köln erkannte dies für insgesamt 38 Fälle schwerwiegender Persönlichkeitsrechtsverletzungen in verschiedenen Verlagstiteln des Springer-Konzerns zu. Kachelmann hatte weit mehr moniert.

Die bisherige Höchstsumme in einem solchen Verfahren in Deutschland lag bei 400 000 Euro in einem Rechtsstreit wegen Falschmeldungen über Schwedens Prinzessin Madeleine vor dem Oberlandesgericht Hamburg 2009. Das Kachelmann-Urteil ist noch nicht rechtskräftig - sowohl Springer als auch Kachelmann gehen in Berufung.

Fernsehmoderator Kachelmann war im März 2010 wegen des Vorwurfs der Vergewaltigung, den eine ehemalige Geliebte erhoben hatte, verhaftet worden. Über den Strafprozess hatten zahlreiche Medien intensiv berichtet. Im Mai 2011 wurde der Wettermoderator vom Landgericht Mannheim freigesprochen.

Er sieht sich durch die Prozess-Berichterstattung weiter Teile der Medien verleumdet. Für Berichte bei Springer forderte er insgesamt 2,25 Millionen Euro Entschädigung. Das Gericht verurteilte die Axel Springer SE nun zu einer Zahlung von 335 000 Euro und die Bild GmbH & Co. KG zu 300 000 Euro.

Das Landgericht teilte mit, Kachelmann sei "durch die Preisgabe von Informationen über sein Sexualleben, durch die teilweise wörtliche Veröffentlichung seines SMS- und E-Mail-Verkehrs und durch die Veröffentlichung von Fotos, die ihn zum Beispiel beim Hofgang im Gefängnis zeigten, in seiner Intimsphäre, seinem informellen Selbstbestimmungsrecht und dem Recht am eigenen Bild verletzt worden".

Das Gericht konnte hier kein berechtigtes Informationsinteresse der Allgemeinheit erkennen. Zudem sei es durch die Print- und Online-Berichte zu unzulässigen Vorverurteilungen gekommen. Durch die Berichterstattung werde Kachelmann auch in Zukunft als "frauenverachtender und gewaltbereiter Mensch" stigmatisiert.

Dagegen sah das Gericht "keine vom Kläger angeführte Pressekampagne mit anderen Verlagen", wie es im Urteil heißt. "Vor dem Hintergrund der grundsätzlich bestehenden Konkurrenz der einzelnen Verlage stellt allein das wechselseitige Zitieren der Berichterstattung kein hinreichendes Indiz für ein planmäßiges und auf die Schädigung des Klägers gerichtetes Zusammenarbeiten der Verlage dar."

Kachelmanns Anwalt Ralf Höcker sagte, das Urteil sei die Quittung für die "schlimmste Hetzkampagne der deutschen Presserechtsgeschichte". Es werde hoffentlich abschreckende Wirkung auf den Boulevard haben.

Die Axel Springer SE verwies dagegen darauf, dass das Gericht den Kampagnenvorwurf gerade nicht bestätigt habe. Claas-Hendrik Soehring, Leiter Medienrecht bei Springer, kündigte an: "Wir werden auf jeden Fall in Berufung gehen. Denn es liegt weder im Interesse einer freien Presse noch der Öffentlichkeit, dass Medien irrwitzige Geldentschädigungen zahlen müssen, wenn sie über aufsehenerregende Strafprozesse gegen bekannte Persönlichkeiten berichten."

635 000 Euro Schmerzensgeld - Kachelmann und Springer in Berufung
Jörg Kachelmann hatte 2,25 Millionen Euro gefordert. Er will nun in Berufung gehen. Foto: dpa

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01.10.2015, 12:00 Uhr
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