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Video über das Prunkstück

450 Jahre Schloss in Kirchentellinsfurt

Mit seinem Schloss hat Kirchentellinsfurt ein echtes Prunkstück mitten in der Gemeinde. Vor 450 Jahren wurde es gebaut – von einem, der zwar Macht aber nicht viel Geld hatte.

18.11.2010
  • Sabine Lohr

Ritter zu Kirchem: Ein Schloss feiert 450 Jahre Bestehen

Videoplayer konnte nicht geladen werden.

© Ziehe 03:50 min

Kirchentellinsfurt. Im Rittersaal saßen am Dienstagabend gut 50 Gäste und erfuhren von Peter Maier vom Förderverein des Schlosses, wem in den vergangenen 450 Jahren Saal und Schloss gehört hatten und was es mit diesem Schloss auf sich hat.

Dass es überhaupt gebaut wurde, hat mit Beatus Widmann zu tun. Dem gehörte Kirchentellinsfurt im frühen 16. Jahrhundert. Ein Schloss baute er sich dort aber nicht, denn er hatte schon eins in Mühringen.

450 Jahre Schloss in Kirchentellinsfurt
Peter Maier zeigt auf die Jahreszahl 1560 am Kirchentellinsfurter Schloss. Am Dienstag hielt er einen Vortrag über die Geschichte des Gebäudes. Bild: Sommer

Beatus Widmanns ältester Sohn Hans-Jacob erbte das Dorf und baute 1560 zum Zeichen seiner Herrschaft das Schloss in Kirchentellinsfurt. Das damals noch etwas schlichter war als heute. Gleichwohl ließ Widmann das Haus hübsch ausmalen: Die Diamantmalerei neben der Tür im Rittersaal stammt aus dieser Zeit. Der Erbauer starb 1566 – „viel zu früh“, wie Maier anmerkte, denn Widmann hatte vier noch kleine Kinder. Nach seinem Tod kam es zu etlichen politischen Wirrnissen – und in der Familie Widmann zu erheblichen Geldproblemen.

Als 1594 Kirchentellinsfurt an Württemberg übergeben wurde, verkaufte die Familie auch das Haus an Herzog Friedrich. Der es wiederum zwölf Jahre später an seinen Freund und Ratgeber Peter Imhof veräußerte. Ein Glücksfall, denn Imhof hatte nicht nur Geld, er war auch ein Liebhaber solcher Immobilien. Er sanierte das Schloss, baute es aus, verschönerte es – etwa durch Türbögen mit Intarsien und schöne Holzdecken – und machte es zu einem repräsentativen Haus. Unter anderem richtete er den Rittersaal her.

Nach Imhofs Tod fiel das Schloss an dessen beide Söhne und wurde aufgeteilt. Teilweise etagenweise, teilweise längs, teilweise quer. Sogar der Rittersaal gehörte nun beiden, und das nicht einmal zu gleichen Teilen. Was dazu führte, dass sich Imhofs Nachfahren „in die Haare bekamen“, so Maier.

So sehr, dass sie offenbar nicht einmal mehr denselben Eingang benutzen wollten. Maier hat herausgefunden, dass das rechteckige Fenster des Rittersaals einst eine Tür war. Und dass die Inschrift darauf heißt: 1727 TM (für Tochtermann) IFI (für Jacob Friedrich Imhof). Die Streitereien führten dazu, dass das Gebäude schließlich 1777 an sechs Bürger verkauft wurde. Und von da an bis ins 20. Jahrhundert hinein von vielen Kirchentellinsfurtern bewohnt – und auch, wie Maier bedauerte, „heruntergewohnt“ wurde.

Einige ältere Kirchentellinsfurter im Publikum haben selbst noch in dem Haus gelebt und erzählten, dass die Wäsche oben auf dem Dachboden getrocknet und der Rittersaal als Holzlager genutzt wurde: „Der war in einzelne Kammern unterteilt“, sagte einer.

Einer der Bewohner war auch Walter Tiedemann. Der hatte nach und nach das Schloss gekauft und verstaute darin sein Sammelsurium. Tiedemann sammelte so ziemlich alles – von Tabakdosen über Uniformen bis hin zu Hirschgeweihen. Er hatte keinen Erben und schenkte deshalb im Alter Sammlung und Schloss der Gemeinde.

Bürgermeister Bernhard Knauss erinnert sich, dass es damals von vielen geheißen hat, man solle „das alte Glomp“ abreißen. So erbärmlich war der Zustand zuletzt. Der Erker etwa hatte sich vom Haus gelöst und drohte einzustürzen, Balken waren morsch, Böden kaputt, Wände durchlöchert. Für rund 1,5 Millionen Euro sanierte die Gemeinde das Schloss und setzte es in ungefähr den Zustand, in den Imhof es umgebaut hatte. Seither ist es Museum für die Tiedemannsche Sammlung.

Und der Rittersaal erlebt wieder Feste – und Gemeinderatssitzungen, was wie Maier fand, dem Schloss einen besonderen Status verleihe. Der aber mit dem Rathausanbau samt Sitzungssaal vorbei sein könnte.

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18.11.2010, 12:00 Uhr
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