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Viele Firmen setzen Frauenquote nicht um

3500 Unternehmen aus der zweiten Reihe halten sich mit Zielvorgaben zurück

Was macht eigentlich die Frauenquote? Viel tut sich nicht in den Führungsetagen deutscher Unternehmen. Für 3500 von ihnen läuft in diesen Tagen eine Frist ab. Viele ignorieren diese einfach.

01.10.2015
  • DPA

Berlin Das Gesetz gilt als großer Sieg der SPD in der großen Koalition und als persönlicher Erfolg der Ministerin Manuela Schwesig. Als "historischer Schritt" wurde die Einführung der Frauenquote in Unternehmen gefeiert. Doch gut sechs Monate nach der Verabschiedung gibt es Zweifel an der Praktikabilität. Gestern lief eine wichtige Frist zur Umsetzung ab.

Dabei geht es um Stufe zwei des Gesetzes "für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen in der Privatwirtschaft und im öffentlichen Dienst". Kontrovers ist gar nicht so sehr die verbindliche Mindestquote von 30 Prozent Frauen in den Aufsichtsräten der etwa 100 größten börsennotierten und gleichzeitig mitbestimmungspflichtigen Unternehmen. Sondern es geht um die rund 3500 Unternehmen aus der zweiten Reihe, die intern selbst gesetzte Quotenziele (sogenannte Flexi-Quoten) für den Aufsichtsrat, Vorstand und darunter liegende Hierarchiestufen benennen müssen.

Nach einer Studie der Unternehmensberatung HKP hatten noch vor wenigen Wochen nicht einmal jedes vierte Unternehmen Zielquoten und Fristen definiert. Jedes fünfte Unternehmen äußerte die Sorge, es könne die Vorgaben des Gesetzgebers nicht fristgemäß einhalten. Nach Angaben aus der Industrie werden sich viele Unternehmen zunächst die "Zielgröße 0" setzen. Das kann man als Unterlaufen des Gesetzes interpretieren.

Schwesig gibt sich unbeirrt: "Mit dem Gesetz machen wir Druck", sagt sie. Deshalb sei es nicht verwunderlich, dass manche Firmen dem Projekt noch kritisch gegenüber stünden. "Ich erwarte von den Unternehmen, dass sie sich an das Gesetz halten, ihre Spielräume nutzen und mehr Frauen in die Führungsetagen holen. An qualifizierten Kandidatinnen mangelt es jedenfalls nicht." Die HKP-Studie bestätigt zwar, dass Frauen in Führungspositionen auf Vorstandsebene sowie auf den beiden darunter liegenden Hierarchiestufen in Unternehmen in Deutschland aktuell deutlich unterrepräsentiert sind. Das Gesetz gehe aber an der Realität vorbei. Und Schwesigs Kernaussage wird in Zweifel gezogen: "So gut gemeint und richtig die Intention des Gesetzes ist, so sehr basiert es jedoch auf einer fraglichen Annahme: Es setzt voraus, dass ausreichend Frauen in den Unternehmen zur Verfügung stehen und nur mit Nachdruck in die richtigen Positionen gebracht werden müssten."

Dies wird in Schwesigs Ministerium und bei der Organisation FidAR (Frauen in die Aufsichtsräte) eher für eine Ausrede gehalten. Mit Leitfäden und Workshops versucht das Frauenministerium, den Unternehmen praxisnahe Unterstützung bei den Anforderungen aus dem Gesetz sowie "best practice" für die wichtigsten unternehmerischen Handlungsfelder zu geben.

Der weltgrößten Chemiekonzern BASF beispielsweise will den Anteil der Frauen mit "disziplinarischer Führungsverantwortung" bis 2021 weltweit von 19 Prozent auf bis zu 24 Prozent steigern - das entspreche dem Frauenanteil der Belegschaft. Zudem soll der Anteil der nicht-deutschen Chefs auf den oberen vier Führungsebenen wachsen, der Ende 2014 bei 34 Prozent lag. Für Deutschland legte der Aufsichtsrat fest, dass es im Vorstand der BASF SE mindestens eine Frau geben soll, was bereits der Fall ist. Der Frauenanteil liegt damit bei 12,5 Prozent. Der Vorstand beschloss für die beiden Führungsebenen unter ihm einen Frauenanteil von 9,4 Prozent und 11,8 Prozent - was ebenfalls dem aktuellen Stand entspricht.

3500 Unternehmen aus der zweiten Reihe halten sich mit Zielvorgaben zurück
Frauen sind in Führungsgremien deutlich unterrepräsentiert. Foto: dpa

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01.10.2015, 12:00 Uhr
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