Keine Rückkehr ins neue Heim?

300 neue Wohnungen im Wennfelder Garten / Doch keine Garantie für Altbewohner?

Aus 144 maroden Nachkriegswohnungen im Wennfelder Garten werden bald 300 neue, die Einwohnerzahl verdoppelt sich. Doch von den bisherigen Bewohnern werden wohl nur die allerwenigsten wieder in ihr altes Quartier zurück ziehen. An der Miethöhe liege es nicht, betont die GWG.

01.12.2015

Von Volker Rekittke

Schöner wohnen im verdichteten Quartier: Links vom Bus stehen noch die alten, rechts schon die neuen Häuser im Wennfelder Garten. Bilder: Rekittke

Tübingen. Da war nichts mehr zu machen: Die nach dem Krieg im Wennfelder Garten errichteten Häuser der Tübinger GWG (38 Wohnungen) sowie der Sigmaringer GSW (106 Wohnungen) waren in so einem schlechten Zustand, dass die beiden Wohnungsgesellschaften sich vor fünf Jahren für Abriss und Neubau in Etappen entschieden. Am Ende sollen doppelt so viele Menschen wie zuvor im Quartier wohnen: In knapp 300 neuen Wohneinheiten werden dann 600 Menschen leben. Die bisherigen Bewohner erhielten eine Rückkehrgarantie in den Neubau – zu maximal 6,50 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter, so das damalige Versprechen. Neben geförderten werden frei finanzierte Miet- sowie Eigentumswohnungen errichtet.

Während in einigen alten Gebäuden bis zum Abriss etwa 50 Flüchtlinge wohnen, sind in den neuen GWG-Häusern an der Straße Wennfelder Garten bereits die ersten Mieter und Eigentümer eingezogen. Im Winter 2013/2014 hatte die GWG mit dem Bau der nun bezugsfertigen drei Häuser (mit 41 Eigentums- und 23 Sozialwohnungen) begonnen. Ein weiteres Gebäude wird von 2018 an gebaut. Bis zu 170 Menschen sollen einmal in allen vier Häusern leben.

Die GSW fing ein Jahr später an. Allein in die 55 Wohnungen der drei Häuser des ersten Bauabschnitts werden 2016 etwa 140 Menschen einziehen. In den nächsten zwei Etappen werden bis 2021 mehr als 150 Wohnungen für über 300 Menschen entstehen – teils als geförderte Mietwohnungen, teils zum Verkauf. Insgesamt wird die GSW dann 40 Millionen Euro investiert haben, die GWG deutlich mehr als 10 Millionen.

Obschon allen langjährigen GWG-Mietern der Rückzug angeboten worden sei, so GWG-Vizechef Paul Schmid, habe keiner zurück gewollt. Dies nicht wegen der Miethöhen im Sozialwohnungsbau (aus 6,50 wurden bis zu 7,47 Euro pro Quadratmeter), sondern weil die zur Zwischenmiete bereitgestellte Wohnung stets gepasst habe.

Für die GSW stellt deren Chef Roy Lilienthal klar: „Eine Rückkehr-Garantie gibt es nicht!“ Beide Gesellschaften wollten sich lediglich bemühen, rückkehrwillige Mieter wieder im Wennfelder Garten unterzubringen. Das hatte die Stadt stets anders dargestellt. Bislang jedoch gelte auch für die GSW, so Lilienthal: Keiner der mit Interims-Wohnraum versorgten Mieter habe den Wunsch geäußert, wieder in den Wennfelder Garten zurück zu wollen.

Nach Informationen von Südstadtpfarrer Harry Waßmann wird die GSW in Kürze eine Planung der Neubauten vorstellen, die es allen Altmietern grundsätzlich ermöglichen soll, auf Wunsch im Quartier wohnen zu bleiben.

Vermutlich von Baugerät zerstörte Wurzeln einer Sommerlinde im Neubaugebiet Wennfelder Garten.

BUND Tübingen: Auf Schutz von Bäumen und Natur in Neubaugebieten achten

Dass sie nichts gegen Nachverdichtung hat, will Barbara Lupp gleich klarstellen: „In Tübingen fehlt bezahlbarer Wohnraum, der Druck ist groß“, sagt die Geschäftsführerin des BUND Neckar-Alb. Allerdings, so Lupp, müsse man dabei „einen Mittelweg finden“ – zwischen Wohnungsneubau und dem Erhalt der Stadtnatur. Im Wennfelder Garten pocht sie darauf, dass alle alten Bäume, die in der Bebauungsplanung als erhaltenswert markiert sind, auch tatsächlich vor schwerem Baugerät geschützt werden. Ein Bretterzaun um den Stamm reiche nicht – der Radius der Wurzeln entspricht etwa dem der Baumkrone. Direkt neben dem Haus Wennfelder Garten 19 wurden die Wurzeln einer Sommerlinde geschädigt: „Der Baum wird zu kämpfen haben“, sagt Lupp. Eine Neu-Anwohnerin wünscht sich sehr, dass die Linde es schafft – so ein Baum ist Schattenspender und sorgt im Sommer wegen seiner Verdunstung für angenehme Kühle. Auch zwischen den neuen Häusern herrscht nach Lupps Ansicht teils „Monotonie“. Rollrasen auf einer Tiefgarage etwa sei „nur wenig besser als Kunstrasen“.

In Tübingen gibt es zwei Baukontrolleure, sagt Baubürgermeister Cord Soehlke. Jeden Baum überwachen könnten die nicht – dafür gibt es in der Stadt viel zu viele Baustellen. Gefragt ist der Bauträger, hier die GWG. Für die verspricht Vizechef Paul Schmid, auf den Baumbestand achtzugeben. Sollte das mal schiefgehen, werde nachgepflanzt.

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Erstellt:
1. Dezember 2015, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
1. Dezember 2015, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 1. Dezember 2015, 01:00 Uhr

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