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Ryanair

250 Flüge fallen aus

Mitten in der Urlaubszeit spitzt sich beim irischen Billigflieger der Tarifkonflikt zu. Morgen streiken die Piloten, vor allem in Deutschland.

09.08.2018

Von ROLF OBERTREIS

Frankfurt. Zum ersten Mal werden die Ryanair-Piloten in Deutschland streiken. Nach Angaben der gewerkschaftlichen Pilotenvereinigung Cockpit (VC) sind alle bei ihr organisierten Piloten, die an den 13 Basen des irischen Billigfliegers stationiert sind, aufgerufen, von Freitagmorgen, 3 Uhr, bis Samstagmorgen, 3 Uhr, die Arbeit zu verweigern. Laut Ryanair fallen deshalb alle 250 Flüge mit deutscher Besatzung aus. Nur am Flughafen Karlsruhe/Baden-Baden sollen die Maschinen am Freitag starten. Dort wollten die Piloten arbeiten.

Tausende Passagiere sind betroffen, sagte gestern Ryanair-Manager Kenny Jacobs. Ihnen sei die kostenlose Umbuchung auf Flüge an anderen Tagen angeboten worden. Er hält der Gewerkschaft VC vor, viel zu kurzfristig zum Streik aufgerufen zu haben. Notwendig sei ein Vorlauf von sieben Tagen. Offenbar wolle VC vor allem Familien bei ihrem Flug in den Urlaub treffen.

„Bringt nichts“

Auch in Irland, Schweden und Belgien legen Ryanair-Piloten am Freitag die Arbeit nieder. Dadurch fallen rund 400 der etwa 2400 Flüge aus. 55 000 Passagiere sind europaweit betroffen. In Deutschland starten und landen Ryanair-Jets in Berlin-Schönefeld, Bremen, Düsseldorf, Dortmund, Frankfurt, Hahn im Hunsrück, Karlsruhe/Baden-Baden, Köln/Bonn, Leipzig/Halle, Memmingen, Nürnberg und in Weeze.

„Der Streik ist unnötig und unberechtigt und er bringt nichts“, sagte Ryanair-Manager Kenny Jacobs. VC benötige ihn wohl, so etwas gehöre offenbar zum „Drama“ von Tarifverhandlungen in Deutschland. Mit Drama hat das für VC-Präsident Martin Locher nichts zu tun. Es gehe darum, dass Ryanair endlich in „konstruktive“ Verhandlungen über die Vergütung und die Arbeitsbedingungen eintritt. Seit Jahresanfang habe es zwar mehrere Gespräche gegeben, zuletzt Ende Juli. Aber keine konkreten Verhandlungen. VC schließt weitere Streiks nicht aus, sollte sich das Management von Ryanair nicht bewegen, ergänzte Ingolf Schumacher, bei VC für Tarifpolitik zuständig. Bei Ryanair ist man überzeugt, dass es soweit nicht kommt. Man wolle, so Jacobs, einen Tarifvertrag erreichen. Wir sind sicher, dass es eine Vereinbarung geben wird – ohne Schlichter. Klar ist aber auch: An unserem Geschäftsmodell werden wir nichts ändern“. Jacobs deutete an, dass Ryanair bei weiteren Streiks kleinere Basen in Deutschland schließen und Maschinen abziehen könnte. Generell wolle Ryanair in Deutschland aber weiter wachsen.

VC-Chef Locher sieht das anders. Die Ryanair-Manager hätten sich seit Jahresanfang keinen Millimeter bewegt. „Ryanair hat jede Personalkosten-Anhebung kategorisch ausgeschlossen.“ Nach Angaben von VC-Tarifexperte Ingolf Schumacher hat Ryanair lediglich angeboten, die bestehenden Vergütungs- und Arbeitsstrukturen in Verträgen festzuschreiben. „Dafür stehen wir nicht zur Verfügung.“

Ryanair behauptet, die die Gehälter am Jahresanfang freiwillig um 20 Prozent erhöht zu haben. „Davon kann keine Rede sein“, sagt VC-Vize-Präsident Markus Wahl. Die Hälfte sei eine Einmalzahlung gewesen, für den Rest hätten die Piloten auf freie Tage verzichten müssen. Damit habe Ryanair versucht, die Abwanderung von Piloten zu verhindern.

Insgesamt beschäftigt Ryanair in Deutschland 480 Piloten, davon sind laut VC zwei Drittel fest angestellt, laut Ryanair 80 Prozent. Die restlichen sind als selbstständige Unternehmer zu schlechteren Kondition etwa bei Krankheit beschäftigt.

„Unsere Piloten in Deutschland genießen hervorragende Arbeitsbedingungen. Kapitäne verdienen bis zu 190 000 EUR im Jahr. Im Schnitt bekommen sie 30 Prozent mehr als Piloten bei der Lufthansa-Tochter Eurowings“, sagt der Ryanair-Manager. Kapitäne erhalten dagegen laut VC-Experte Schumacher 110 000 EUR fix, mit Zulagen seien maximal 160 000 EUR möglich. Co-Piloten werden bei Ryanair mit einem Fixgehalt von 40 000 EUR brutto bezahlt, mit Zulagen können sie es im besten Fall fast verdoppeln. VC möchte den Fixanteil erhöhen und Gehaltsstufen je nach Berufserfahrungen wie bei anderen Airlines auch festschreiben. Die Arbeitszeit pro Tag soll maximal 16 Stunden betragen dürfen.

„Ryanair macht jedes Jahr 1 Mrd. EUR Gewinn. Und das Durchschnittsticket kostet nur 40 EUR. Irgendwer muss das bezahlen. Das Ryanair-Personal wird es nicht mehr tun“, sagt VC-Vize-Präsident Wahl.

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Erstellt:
9. August 2018, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
9. August 2018, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 9. August 2018, 06:00 Uhr

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