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Ernährung

20 Kilo Gemüse pro Quadratmeter

Das Gewächshaus des DRL in der Antarktis bringt reiche Ernte mit weniger Energieeinsatz, als die Nasa errechnet hat. Die Forscher ziehen zufrieden Bilanz des ersten Anbaujahres.

24.08.2019

Von DPA

Gärtnern aus der Ferne: Blick in den Kontrollraum der Eden-Initiative im DLR, wo das Gewächshaus in der Antarktis beobachtet wird. Foto: Carmen Jaspersen/dpa

Müssen Astronauten, die einst auf dem Mond oder dem Mars wohnen, auf Erdbeeren und Paprika verzichten? Denn nur zwei Kilo Paprikaschoten hat Paul Zabel in dem Gewächshaus geerntet, in dem Forscher die Gärtnerei für außerirdische Missionen getestet haben. Und keine einzige Erdbeere. Dafür gediehen Tomaten, Gurken und Salat – 270 Kilogramm Gemüse hat Zabel binnen neun Monaten in dem 13 Quadratmeter großen Container-Gewächshaus in der Antarktis nahe der Neumayer III-Station gepflückt.

„Die Qualität des Gemüses war einwandfrei, es hatte einen guten Nährstoffgehalt und keine Schadstoffe“, sagte Zabel, ein Raumfahrtingenieur am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Bremen, als die Ergebnisse des fünf Millionen Euro teuren Projekts „Eden-ISS“ präsentiert wurden. Zabel war von Ende 2017 bis Ende 2018 als Gärtner in der Antarktis.

Hunderte Proben und Daten hat Zabel mitgebracht. Sie müssen zum Teil noch ausgewertet werden. Ein Ergebnis sei allerdings schnell vor Ort klar gewesen, sagte Zabel: Das frische Grün habe die Stimmung der neun Überwinterer der Station sichtlich gehoben. „Der Geschmack der frischen Lebensmittel und der Geruch der Kräuter fanden großen Anklang.“

Für die Aufzucht der Pflanzen ist deutlich weniger Energie benötigt worden, als die US-Raumfahrtbehörde Nasa für solche Projekte errechnet hat. „Wir werden den Verbrauch sicher künftig noch weiter senken können“, sagte „Eden-ISS“-Projektleiter Daniel Schubert. Zurzeit kümmert sich die Neumayer-III-Crew um das Gewächshaus. Sie wird vom DLR-Kontrollzentrum in Bremen unterstützt.

Für die Forscher war das Gewächshaus-Experiment so erfolgreich, dass sie es als Grundlage für Weltraum-Missionen auf dem Mond oder dem Mars für geeignet halten. Sie entwickelten ein schlauchartiges Modell, das auf eine Falcon-9-Trägerrakete passt. Es könnte auf dem Mond oder dem Mars auf eine Länge von 13 Metern auseinandergefaltet werden.

Schubert kündigte an, dass das DLR in Bremen in fünf Jahren einen ersten Prototyp präsentiert, wenn das Geld dafür genehmigt wird. Das Modellsystem ist so konzipiert, dass darin 90 Kilogramm Gemüse im Monat geerntet werden könnten. „Das wäre bei sechs Astronauten für jeden 0,5 Kilo pro Tag.“

Die Pflanzen wüchsen ohne Erde, Tageslicht und Pestizide in einem geschlossenen Kreislauf, sagte Schubert. So habe es sich in der Antarktis bewährt. „Wir hoffen, dass wir damit einen essenziellen Beitrag für künftige Habitate auf Mond oder Mars beisteuern können.“

Bis solche Missionen in der Zukunft umgesetzt werden, könnten auch die Schwierigkeiten mit dem Anbau von Erdbeeren und Paprika behoben sein. „Ich vermute, dass für die Paprikapflanzen die Luft zu trocken war“, sagte Schubert. „Und Erdbeeren sind mehrjährige Pflanzen, sie brauchen auch eine Kältephase.“ Die sei in dem Kreislaufsystem nicht möglich gewesen. „Und die zweistelligen Minusgrade draußen wären zu kalt gewesen.“ dpa

Er hat auf dem Südpol gegärtnert: der Raumfahrtingenieur Paul Zabel im Gewächshaus mit einer Tomate. Foto: DLR/dpa

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Erstellt:
24. August 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
24. August 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 24. August 2019, 06:00 Uhr

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