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Tödlicher Unfall

150 Hinweise - aber noch keine heiße Spur

Obwohl die Tübinger Polizei mit Hochdruck nach dem Porschefahrer sucht, der den Unfall mit zwei Toten und vier Verletzten verursacht haben soll, hat sich noch keine heiße Spur ergeben.

04.10.2009

Von Gert Fleischer / job / che

Stand Sonntagmittag hat die Sonderkommission „Flucht“, der 30 Polizeibeamte angehören, rund 150 Hinweise abgearbeitet. Die Überprüfung der im Landkreis Tübingen zugelassenen Porsche-Fahrzeuge ist noch in vollem Gange. Ein Zeugenhinweis auf einen dunklen Porsche, der zum Zeitpunkt des Unglücks die Unfallstelle passiert haben dürfte, führte zu keinem Tatverdacht. Dessen Fahrer kommt nach den bisherigen Erkenntnissen als Unfallverursacher nicht in Frage.

Für Hinweise auf den Porschefahrer hat die Polizei eine Hotline eingerichtet: Unter der Telefonnummer 07071/972-8222 ist die Soko täglich zwischen 8 Uhr und 22 Uhr erreichbar. Darüber hinaus können Zeugen oder Tippgeber sich auch über die E-Mail-Adresse tuebingen.pd.soko.flucht@polizei.bwl.de an die Beamten wenden.

Zur Intensivierung der Fahndung hat die Staatsanwaltschaft Tübingen eine Belohnung in Höhe von 2000 Euro ausgesetzt.

Hinweise erhofft sich die Tübinger Polizei vor allem von Personen, die an der Unfallstelle waren oder sie in entgegen gesetzter Richtung passiert haben. Darunter befand sich ein älteres Ehepaar, das geholfen hat, das sechsjährige Kind zu bergen. Weiterhin hat sich ein Lkw-Fahrer etwa 15 Minuten an der Unfallstelle aufgehalten. Auch diesen bittet die Polizei dringend, sich zu melden.

Außerdem fragen die Beamten, wem am Mittwochabend gegen 19.30 Uhr in der weiteren Umgebung der Unfallstelle, auch auf der Autobahn A81, ein dunkler Sportwagen oder Porsche durch seine rücksichtslose Fahrweise aufgefallen ist.

Wie berichtet, kamen zwei Menschen auf der Landesstraße 361 zwischen Rottenburg und Seebronn nahe der Gärtnerei Staudenmaier ums Leben. Bei dem getöteten BMW-Fahrer handelt es sich um einen 46-jährigen Mann aus Rottenburg. Ebenfalls getötet wurde eine 28-jährige Bekannte aus Rottenburg, die mit im Auto saß. Verletzt wurde der sechsjährige Sohn der Frau, allerdings nicht so schwer, wie zunächst angenommen. Laut Polizeiangaben kann er möglicherweise bald die Klinik verlassen.

Die beiden Getöteten waren nicht angeschnallt; der Mann – er ist entgegen ersten Meldungen nicht der Vater des Sechsjährigen – wurde ganz, die Frau halb aus dem Auto geschleudert. Das Kind war angegurtet, wenn auch nicht vorschriftsmäßig. In dem entgegen kommenden Mercedes mit Anhänger erlitt die 22-jährige Fahrerin aus Stuttgart leichte, ihr 23-jähriger Mitfahrer schwere Verletzungen. Eine 52-jährige Frau aus Tübingen, die mit ihrem Fiat Punto frontal auf den querstehenden Anhänger prallte, wurde leicht verletzt.

Kurz vor Mitternacht am Mittwoch versandte die Polizei die Meldung, wonach der Fahrer (es könnte auch eine Fahrerin sein) eines dunklen Porsche den Unfall verursacht haben soll. Er habe, aus Richtung Autobahnanschluss Ergenzingen kommend, auf der relativ schmalen L 361 mit hoher Geschwindigkeit zunächst eine größere Autokolonne überholt. Als ihm in einer Linkskurve ein Lastwagen entgegen kam, soll er unmittelbar vor dem BMW nach rechts in die Kolonne eingeschert sein. Die Strecke ist mit 80 Kilometer als Höchstgeschwindigkeit ausgeschildert.

Der Porsche berührte den BMW nicht, so dass er unbeschädigt sein dürfte, wie die Polizei schreibt. Er fuhr ohne anzuhalten davon. Laut Aussage der Zeugin, die in der Kolonne gefahren war und die die Polizei als verlässlich einstuft, habe der Porsche-Fahrer bereits zuvor auf dem breiteren, dreispurigen Autobahnzubringer B28a „sehr forsch“ überholt. Meldungen am gestrigen Tag, dass der Porschefahrer auf der Autobahn 81 gefahren sei, waren ein Irrtum.

Offenbar wich der BMW-Fahrer dem zurück auf die Richtungsfahrbahn drängenden Porsche so weit nach rechts aus, dass er auf den Schotterstreifen der erst kürzlich erneuerte Fahrbahn geriet. Das geschah in einer Linkskurve, zudem an einer Stelle, wo die rechte Böschung etwa einen Meter in die Tiefe geht. Vielleicht deshalb auch übersteuerte der BMW-Fahrer und geriet auf die Gegenfahrbahn, wo er gegen den A-Klasse Mercedes prallte.

Der genaue Unfallablauf „ist im Grunde noch offen“, sagte Polizeisprecher Ewald Raidt gestern. Ein Sachverständiger sei gestern tagsüber mit einem Hubschrauber über die Unglücksstelle geflogen, um Anhaltspunkten für den Unfallhergang zu finden.

Ewald Raidt war erstaunt über das Medieninteresse. Aus Köln und aus Berlin erhielt er Anrufe. Nicht nur ein SWR-Team drehte gestern an der Unfallstelle, auch ein „Bild“-Reporter war dort und wartete, dass zufällig ein Sachverständiger oder ein Angehöriger der Unfall-Opfer käme. Der Unfall vor sechs Jahren, als im Badischen ein Testfahrer auf der Autobahn eine junge Autofahrerin und ihr kleines Kind von der Fahrbahn und in den Tod drängte, kam in Erinnerung.

Polizei fahndet nach Porsche-Fahrer/in und sucht Unfall-Zeugen

Die Polizei fahndet zur Aufklärung des oben beschriebenen Unfalls nach dem Fahrer oder der Fahrerin eines dunklen Porsche, der am vergangenen Mittwochabend gegen 19.30 Uhr aus Richtung Autobahnanschluss Ergenzingen kommend mit hoher Geschwindigweit Richtung Rottenburg fuhr und verschwand. Mehr ist nicht bekannt über den Wagen, er ist auch nicht durch den Unfall beschädigt. „Das erschwert die Fahndung enorm“, sagte Polizeisprecher Ewald Raidt. Dringend gebeten, sich zu melden, wird der Fahrer des Richtung Seebronn oder Autobahn fahrenden Lastwagens mit weißem Führerhaus, vor dem der gesuchte Porsche wieder auf seine Richtungsfahrbahn eingeschert ist. Wie Raidt sagte, müssen die Porsche-Halter mit Hausbesuchen durch die Ermittler rechnen, zunächst die im Landkreis Tübingen, bei mangelndem Erfolg auch die der Nachbarkreise.

Kommentar: Beim Überholen ist der Tod ganz schnell 02.10.2009

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Erstellt:
4. Oktober 2009, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
4. Oktober 2009, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 4. Oktober 2009, 12:00 Uhr

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