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Ein Porsche-Test im Max-Eyth-See

125 Jahre Automobil: In den 40er Jahren tüftelte die Auto-Firma an Schwimmwagen

Im Jahr, in dem 125 Jahre Automobil gefeiert werden, hat der Historiker Wolfgang Zwinz eine besondere Entdeckung gemacht. Sie hängt mit einer Erfindung von Ferdinand Porsche zusammen, die am Max-Eyth-See einst getestet worden ist.

09.07.2011

Von IRIS FREY

Stuttgart Auf die Idee zur Recherche hat den Neckar-Guide ein Teilnehmer einer Führung gebracht, bevor sich Wolfgang Zwinz ans Porsche-Museum gewandt hat. Es geht um die Erfindung eines Fahrzeugs, das sowohl zu Wasser als auch zu Lande fahren kann. Zwar habe sie militärischen Hintergrund gehabt, so Zwinz, dennoch sei sie interessant, weil es seinen Recherchen zufolge das einzige Fahrzeug war, das hier in dieser Art in Deutschland entwickelt worden sei.

Auf der Automobilschau 1934 in Berlin forderte Adolf Hitler die deutsche Automobilindustrie auf, ein "Volksauto" zu bauen. Ihm schwebte, so Zwinz, ein Auto vor, das von breiten Bevölkerungsschichten genutzt werden kann. So sollte es für vier Personen Platz bieten, sparsam sein, auf Autobahnen 100 Stundenkilometer schnell sein und vor allem weniger als 1000 Reichsmark kosten.

Im Juni 1934 wurde Ferdinand Porsche, der in Stuttgart ein eigenes Konstruktionsbüro betrieb, mit der Entwicklung eines solchen Volksautos beauftragt. Im Januar 1938 gab es Zwinz Recherchen zufolge dann durch das Heereswaffenamt konkrete Forderungen, ein militärisches Fahrzeug auf der Grundlage des bis dahin von Porsche entwickelten Volksautos zu bauen. Bereits im November 1938 konnte ein Prototyp vorgestellt werden. Aus diesem Prototyp entwickelte sich bis 1940 der serienmäßige VW "Kübelwagen" (Typ 82). Mitte 1940 verlangte der deutsche Generalstab ein schwimm- und geländefähiges Auto für die motorisierten Infanterie-Einheiten. Auf der Basis des VW "Kübelwagen" wurde von der Firma Porsche ein schwimmfähiger Prototyp entwickelt.

Die für die Entwicklung notwendigen Tests wurden von September 1940 bis März 1942 auf dem Stuttgarter Max-Eyth-See durchgeführt. Bereits bei einer der ersten Versuchsfahrten am 26. September 1940 kam es zu einem Zwischenfall. Ein Wagen ist sang- und klanglos untergegangen, vermutlich weil der Motordeckel nicht geschlossen war. Der Fahrer erreichte schwimmend das Ufer und konnte von dort aus das rote Kontrolllämpchen der Zündung auf dem Armaturenbrett sehen. Vermutlich die Hofener Feuerwehr war es, die mit einer Seilwinde den Wagen an Land holte, der einfach zur Seite gekippt und wie eine Wanne ausgeleert wurde. Nach einigen Arbeiten am Motor war der Schwimmwagen nach einer knappen Stunde wieder fahrbereit und die Testfahrten konnten weiter gehen.

Die wichtigsten Unterschiede des neuen Fahrzeugs waren sein Allradantrieb, seine wannenförmige Karosserie, eine herhabschwenkbare, dreiflügelige Schraube am Heck und ein modifizierter Boxermotor mit 1131 Kubikzentimeter Hubraum, der 25 PS leistete. Die Heckschraube ermöglichte die geforderte Geschwindigkeit von zehn Stundenkilometern auf dem Wasser zu erreichen. Zusammen mit der Karosseriefirma Drauz aus Heilbronn wurde der erste Prototyp des VW Schwimmwagen Typ 128 gebaut.

1941 wurde die Erprobungszeit abgeschlossen, und die Serienproduktion begann. Im Feld zeigten sich aber noch einige Mängel, die im gleichen Jahr zur Entwicklung des VW Typ 166 führten. Bereits im März 1942 wurden im Werksgelände der Firma Porsche in Zuffenhausen und am Max-Eyth-See die ersten Prototypen des neuen Schwimmwagens Typ 166 getestet. Weitere Tests waren am Max-Eyth-See nicht mehr möglich. Um bei Luftangriffen den feindlichen Flugzeugführern keine Orientierungshilfe zu geben, wurde der See trockengelegt, so Zwinz.

Bei einer Heeresvorführung im Juni 1942 auf dem Ammersee kamen die staunenden Militärs zu der Überzeugung, dass dieser von Porsche entwickelte Schwimmwagen vom Typ 166 das beste Geländefahrzeug jener Zeit sei. Wegen seiner Schwimmfähigkeit wurde er im Alltag meist nur Schwimmwagen oder Schwimmer genannt. Vom Typ 166 wurde 1942 bei Porsche eine Vorserie von 125 Stück gebaut, ehe im Herbst 1942 die Serienproduktion im Volkswagenwerk bei Fallersleben anlief. Bei einem alliierten Luftangriff auf das VW-Werk am 5. August 1944 wurden die Fertigungseinrichtungen im Karosseriebau so stark zerstört, dass eine weitere Produktion nicht mehr in Frage kam. Daraufhin konnte aus vorhandenen Teilen nur noch eine geringe Anzahl des Typs 166 produziert werden.

Die sensationelle Erfindung von Ferdinand Porsche im Praxistest: Das Auto, das auch schwimmen kannn, wurde in den 40er Jahren im Stuttgarter May-Eyth-See zu Wasser gelassen. Foto: Porsche

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Erstellt:
9. Juli 2011, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
9. Juli 2011, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 9. Juli 2011, 12:00 Uhr

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