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 Zwei Filmstudentinnen haben den ehemaligen Psychiatrie-Insassen ein Jahr lang begleitet
Gustl Mollath findet den Film über sich in Ordnung. Foto: dpa
Raumfahrer Gustl Mollath

Zwei Filmstudentinnen haben den ehemaligen Psychiatrie-Insassen ein Jahr lang begleitet

Gustl Mollath am Familiengrab, bei der Autofahrt, auf der Zugspitze: Eine Film-Doku zeigt, wie es ihm nach der Entlassung aus der Psychiatrie erging.

08.12.2015
  • PATRICK GUYTON

München. Ein dick verpackter Astronaut schwebt im Irgendwo, weitab von der Welt, abgedriftet und auf verlorenem Posten.

Das sind die ersten Kameraeinstellungen des Filmes "Mollath - Und plötzlich bist Du verrückt". Die Aussage ist klar: Gustl Mollath, Deutschlands berühmtester Psychiatrie-Patient, der siebeneinhalb Jahre lang zu Unrecht weggesperrt war, wandelt abseits der Welt, hat keinen richtigen Zugang, ist auf sich alleine gestellt, ausgestoßen.

Wegen Schwarzgeld-Verschiebung hatte er seine Ex-Frau Petra einst angezeigt und viele andere damalige Banker der Nürnberger Hypo-Vereinsbank. Nach angeblichen Misshandlungen der Frau und einem Prozess landet er als gemeingefährlicher Wahnkranker in der bayerischen Forensik, der Gefängnispsychiatrie. "Das wünsche ich nicht meinem ärgsten Feind", sagt er in dem Dokumentarfilm, der heute im Bayerischen Fernsehen zu sehen ist.

Die Münchner Film-Studentinnen Annika Blendl und Leonie Stade haben Mollath von seiner Freilassung aus dem Bezirkskrankenhaus Bayreuth bis zu seinem Wiederaufnahmeprozess im Sommer 2014 ein Jahr lang immer wieder begleitet. Gezeigt wird ein reflektierter, ein verspielter, ein äußerst rigider Gustl Mollath in seiner neuen Freiheit. Er erklimmt schwungvoll die Zugspitze, spielt bei Dunkelheit Basketball, studiert die Motive von Euro-Münzen und fabuliert darüber. Er steht am einstigen Familiengrab, das gegen seinen Willen eingeebnet worden war. Die Großeltern, die Eltern waren darin. Er schreit fast: "Wo sind sie?" Und es gibt Szenen und Gespräche während Autofahrten - zu viele, denn Mollath fährt oft Auto.

Befragt wird auch sein Anwalt, der Strafverteidiger Gerhard Strate, der ihn aus der Psychiatrie herausgeholt hat und sagt, dass Mollath ohne seinen "störrischen Charakter" die Freiheit wohl nicht wiedererlangt hätte.

Interviewt werden zudem die beiden Journalisten vom "Spiegel" und dem "Nordbayerischen Kurier", die in ihrer Berichterstattung permanent versucht haben, seine Geschichte zu hinterfragen. Dramaturgisch ist das geschickt, denn so kommt indirekt auch das Gegenlager - seine Ex-Frau und deren neuer Mann - zu Wort.

Versäumt haben die Regisseurinnen allerdings den Versuch, darüber zu recherchieren und aufzuklären, was für Mollath das "System" bedeutet: die Bank, die damaligen Richter und Staatsanwälte, die Psychiatrie. Das alles bleibt im Dunkeln. Er selbst sagt zum Film: "Die Mädels haben das okay gemacht."

Info: "Mollath - Und plötzlich bist du verrückt", BR, heute, 22.45 Uhr.

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08.12.2015, 08:30 Uhr
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