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Leitartikel · Fußball und Geld

Leichtigkeit des Scheins

02.02.2016
  • Von Armin Grasmuck

Auf den ersten Blick klingt es grotesk, unter dem geschäftlichen Aspekt betrachtet ist es konsequent: Manchester United, das Schwergewicht im englischen und internationalen Fußball, generiert den Großteil seiner Erlöse mitten in London. Im feinen Stadtteil Mayfair, quer gegenüber der Nobelherberge "The Ritz" und unweit des Buckingham Palace, residieren die Vermarkter des Spitzenklubs aus Manchester auf knapp 10 000 Quadratmetern im Edeldesign. Rein darf nur, wer nach Geld riecht - oder es bestenfalls gleich mitbringt.

Die leidenschaftlichen Anhänger des Traditionsklubs aus dem Nordwesten des Landes sehen durch das Treiben in der Hauptstadt die Seele ihres Vereins verkauft. Doch der Haupteigner des Vereins, das Familienunternehmen Blazer, reibt sich die Hände. Die Geschäfte laufen gut, sehr gut sogar. Manchester United hat im vergangenen Jahr den Umsatz leicht gesteigert, obwohl die Profikicker aus der ersten Mannschaft die Qualifikation für die lukrative Champions League verpasst hatten. Renommierte Wirtschaftsanalysten rechnen damit, dass Manchester die globalen Branchenkönige von Real Madrid - Umsatz nach der Saison 2014/15: rund 577 Millionen - bald eingeholt hat.

Und die Bayern? Der deutsche Rekordmeister ist in dieser Tabelle mit seiner Kennzahl von 474 Millionen weltweit auf Platz fünf zurückgefallen. Leichte Umsatzeinbußen vermelden die Münchner, auch weil die Einnahmen aus der Klubweltmeisterschaft und dem europäischen Supercup fehlen, die sie als Champions-League-Sieger des Jahres 2013 einstreichen konnten. Den Mitbewerbern in Deutschland sind die Bayern sportlich und wirtschaftlich zumindest mittelfristig enteilt.

Die Philosophie der Münchner, dauerhafte Geschäftsverhältnisse mit zumeist renommierten Partnern aus dem eigenen Land zu pflegen, hat sich bewährt. Aber die Suche nach Erlösquellen scheint sich äußerst verzwickt zu gestalten, wie die jüngste Nachricht belegt. Der Flughafen der katarischen Hauptstadt Doha zählt alsbald zu den sogenannten Platin-Partnern der Bayern und steht damit in einer Reihe mit der DHL, der Hypo - und der Lufthansa. Bei den Bossen der deutschen Fluggesellschaft, die sich seit Jahren von den aggressiv agierenden Mitbewerbern aus den Golfstaaten angegriffen fühlen, hat der vermeintliche Coup der Münchner garantiert keine Jubelstürme ausgelöst. Auch im Fanlager der Bayern und auf politischer Ebene wird das Engagement kontrovers diskutiert.

In dem Kampf um Marktanteile geraten die Bayern wie die anderen Klubs aus der Bundesliga vehement unter Druck. Der neue Fernsehvertrag, der den englischen Klubs von der nächsten Saison an 9,5 Milliarden Euro für drei Spielzeiten beschert, droht den Ausverkauf der Topspieler in Deutschland zu schüren und die Attraktivität der Bundesliga nachhaltig zu schmälern.

Die Macher der deutschen Eliteklasse, die gerade über neue Fernsehverträge verhandeln, müssen sich zudem mit hausgemachten Problemen herumplagen: Fifa, DFB, schwarze Kassen, manipulierte Spiele, der Terror im Stadion - an den ersten Spieltagen der Bundesliga im neuen Jahr blieben in den Arenen ungewöhnlich viele Plätze leer. Der VfB Stuttgart, bis heute juristisch ein eingetragener Verein, wirbt bei seinen Mitgliedern gerade um den Zuspruch für die geplante Umwandlung der Fußballabteilung in eine kapitalgebundene Gesellschaft. Aufrichtig, transparent, nachhaltig. Der Umsatz ist steigerungswürdig. Büroräume in München, Berlin oder Hamburg sind für die Schwaben sicher keine Option.

Die Bundesliga wird von hausgemachten Probleme geplagt

leitartikel@swp.de

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02.02.2016, 08:30 Uhr
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