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Gerhard Stratthaus über Banken, Risiken und Probleme der Realwirtschaft

"Kreditausfälle nehmen zu "

Ende dieses und Anfang nächsten Jahres droht eine Kreditklemme, befürchtet Gerhard Stratthaus, Vorstandsmitglied des Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung (Soffin). Die Bad Banks sollen dagegen helfen.

21.07.2009
  • DIETER KELLER

Herr Stratthaus, gibt es aus Sicht des Soffin eine Finanzklemme, oder droht sie im Herbst? GERHARD STRATTHAUS: Das ist differenziert zu sehen. Wir sind überzeugt: Kleinere und relativ kurzfristige Kredite werden meist problemlos gegeben, es sei denn es besteht ein Bonitätsproblem beim Kreditnehmer. Große und langfristige Kredite sind im Augenblick tatsächlich etwas schwerer zu bekommen, weil die Unsicherheit relativ groß ist. Ich gehe allerdings davon aus, dass die Kreditausfälle zunehmen, besonders im letzten Quartal dieses und wahrscheinlich im ersten Quartal des nächsten Jahres. Dann dürfte es aufgrund der Bonität für viele kleinere Unternehmen zu einer Situation kommen, die sie als Kreditklemme empfinden. Droht dann auch kerngesunden Unternehmen die Insolvenz? STRATTHAUS: Ganz bestimmt nicht. Davon bin ich fest überzeugt bei gesunden Firmen, die beweisen können, dass sie auch in Zukunft ein tragfähiges Geschäftsmodell haben. Oft stelle ich fest, dass gerade kleine Firmen und auch Selbständige gar nicht daran denken, wie es weiter geht. Manches Unternehmen steckt heute in Schwierigkeiten. Wenn sie das durch einen Kredit überbrückt, und die Probleme gehen die nächsten fünf Jahre weiter, könnte es besser sein, sie erhält keinen Kredit. Sonst geht nicht nur sie in Insolvenz, sondern auch noch das Privatvermögen des Inhabers. Kann der Soffin genug helfen, damit die Banken ausreichend Kredite geben können? STRATTHAUS: Das hoffen wir. Aber wir können nur helfen. Über die Kreditvergabe entscheidet letztlich die Bank. Immerhin haben wir zurzeit etwa 130 Milliarden Euro an Garantien gegeben, die auch in Anspruch genommen sind. Sie haben zum einen dazu geführt, dass viele Banken auch große Summen längerfristig am Kapitalmarkt aufgenommen haben. Zum anderen befürchten die Kreditinstitute, dass sie durch sinkende Bewertungen der Ratingagenturen in Zukunft weniger Eigenkapital haben, um neue Kredite zu vergeben. Unsere Bad-Bank-Modelle sollen unter anderem das Eigenkapital schonen. Klar ist aber auch: Die Banken sind beschimpft worden, dass sie in den letzten Jahren zu leichtsinnig waren. In Zukunft werden sie intensiver hinschauen, wie es mit der Bonität aussieht, und das wird wegen der Umsatzrückgänge eher stärker werden. Die möglichen Garantien des Soffin von 400 Milliarden Euro sind bisher bei weitem nicht ausgereizt. Waren sie zu hoch bemessen? STRATTHAUS: Ich gehe davon aus, dass die Garantien mit dem Start der beiden Bad-Bank-Modelle viel stärker in Anspruch genommen werden. Wenn eine Bank schlechte Papiere an eine Bad Bank abliefert, bezahlt diese mit einer Schuldverschreibung an die Bank, und diese muss vom Soffin garantiert werden. Beim Eigenkapital, das wir auch zur Verfügung stellen können, bin ich im Moment nicht so sicher, wie viel Nachfrage es noch geben wird. Der Bundespräsident hat gerade erst das Gesetz über die Bad Banks unterschrieben. Wie schnell kommt der erste und nimmt die Möglichkeiten in Anspruch? STRATTHAUS: Die ersten Kontakte gab es schon. Ich erwartet, dass das in ganz kurzer Zeit geschieht. Wie bei der ganzen Finanzmarktkrise muss es schnell gehen. Ist der Vorwurf berechtigt, das Bad-Bank-Modell sei für die Landesbanken nicht interessant? STRATTHAUS: Diese Meinung teile ich so nicht. Zudem können die "Abwicklungsbanken " nicht nur vom Bund, also dem Soffin, getragen werden, sondern auch von den Ländern. Manche Länder haben heute schon ähnliche Einrichtungen. Deswegen erwarte ich, dass sie für ihre Landesbanken das auch in Anspruch nehmen werden. Ich weiß, dass die Sparkassen sich in einigen Fällen benachteiligt fühlen. Aber der Gesetzentwurf wurde noch kurz vor der Verabschiedung im Sinne der Sparkassen verändert. Funktionieren die Bad Banks? STRATTHAUS: Davon gehe ich aus. Allerdings will man, flapsig ausgedrückt, eine eierlegende Wollmilchsau. Auf der einen Seite soll sofort die Belastung von den Bilanzen der Banken genommen werden. Auf der anderen soll der Steuerzahler nicht belastet werden. Beides gleichzeitig ist ein Kunststück, das keiner kann. Wie viel bleibt am Staat hängen? STRATTHAUS: Das weiß ich nicht. Die Bad-Bank-Modelle sind auf 20 Jahre angelegt. Ich hoffe, dass es zu wenig Ausfällen kommt. Werden die Bad Banks dazu führen, dass es einfacher wird, Kredite zu bekommen? STRATTHAUS: Es wird zumindest verhindert, dass eine starke Kreditklemme entsteht. Die Absicht ist, den Banken die problematischen Papiere aus den Bilanzen zu nehmen. Wenn das geschieht, müssen die Institute dafür weniger Eigenkapital vorhalten. Also steht für normale Kredite wesentlich mehr Eigenkapital zur Verfügung. Für wie stabil halten Sie derzeit die deutschen Banken? STRATTHAUS: Da schlummert schon noch einiges, wie man in Gesprächen immer wieder hört. Aber ich erwarte, dass man es allmählich in den Griff bekommt. Ich behaupte: Der Finanzmarkt wird schneller stabilisiert als dass die Probleme in der Realwirtschaft gemeistert werden. Da wird es langfristige Neupositionierungen geben, die viele Jahre dauern. Haben die Banker genug gelernt, dass sie sich nicht gleich wieder neue Probleme anlachen? STRATTHAUS: In Deutschland scheint das der Fall zu sein. Aus den USA hören wir, dass die Investmentbanken wieder viel Geld mit hohen Risiken verdient haben. Hierzulande kann ich das zur Zeit nicht sehen. Da haben wir eher das Problem, dass sie nicht aktiv genug sind.

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21.07.2009, 12:00 Uhr
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