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 Im Stuttgarter Westen machten Anwohner vor 35 Jahren aus einem Hinterhof einen kleinen Park
Claudia Kindl füttert Hühner und Hasen. Die Tiere leben in einem Gehege im Hinterhof. Foto: Ferdinando Iannone
Der geheime Garten

Im Stuttgarter Westen machten Anwohner vor 35 Jahren aus einem Hinterhof einen kleinen Park

Der Hasenbergspielplatz ist auch nach 35 Jahren noch ein grüner Klecks im Großstadtgewühl. Nur der Geist der Anfangsjahre, der fehlt heute.

17.08.2016
  • DOMINIQUE LEIBBRAND

Stuttgart. Der Stuttgarter Westen gehört zu den dicht besiedelsten Wohngebieten Deutschlands. Im Quartier rund um die Schwabstraße drängt sich ein Mehrfamilienhaus an das nächste. An heißen Tagen steht die Hitze zwischen Beton und Asphalt. Schattige, bepflanzte Flächen muss man mit der Lupe suchen. Und doch gibt es sie vereinzelt. Wie jenen geheimen Garten, den vor allem Eingeweihte kennen. Die schmale Einfahrt an der Gutenbergstraße 112 sieht aus wie jede andere in der Umgebung. Biegt man aber um die Ecke, steht man plötzlich im Grünen. Da wachsen Büsche und Blumen, Kinder spielen an Tischtennisplatten, schaukeln und sandeln. Das Stückchen Grün hat verschiedene Namen: Rötespielplatz, nach einer angrenzenden Straße, Hasenspielplatz, weil's hier in einem kleinen Gehege auch Hasen und Hühner gibt, oder einfach Hinterhof. Und der feiert in diesem Jahr 35. Geburtstag.

Dahinter steht die Projektgruppe Stadtbelebung. 1981 wurde der Grundstein dieses Vereins gelegt, als Anwohner der umliegenden Häuser begannen, den Hinterhof für ihre Kinder zu begrünen. Claudia Kindl hat diese Gründerjahre nicht miterlebt, ist aber schon lange Mitglied im Verein, seit einigen Jahren sogar Vorsitzende. Jeden Morgen geht sie über den Platz, sammelt den Müll ein, schaut im Tiergehege nach dem Rechten. Heute ist sie eine der wenigen, die sich noch für den geheimen Garten engagieren.

Die Zeiten im Hinterhof hätten sich geändert, erzählt Kindl. Die Kinder seien erwachsen geworden, die Familien aus den Anfangsjahren teilweise weggezogen. Rund 50 Mitglieder und Freunde zählt der Verein zwar noch. Doch nur wenige packen noch regelmäßig mit an. Die Feste seien kleiner geworden, dass Nachbarn regelmäßig zusammensitzen, komme kaum noch vor, berichtet Kindl – und das obwohl der Hof an sich stets gut frequentiert sei.

1981 herrschte im Hof noch ein anderer Geist. Als die Nachbarn damals begannen, den Hinterhof für sich zu nutzen, waren die alten Werkstätten und Gebäude auf dem Areal gerade abgerissen worden. Eine Tiefgarage sollte entstehen. Jetzt wurde der Platz zum Nachbarschaftstreffpunkt, die Erwachsenen grillten, die Kinder tobten herum. Zunächst sah der Platz noch „wüst und leer“ aus, heißt es in einer Vereinsbroschüre zum 35. Geburtstag. Doch alsbald beschlossen die Anwohner, die Fläche über der Tiefgarage zu begrünen. So wich der Teer bald Flora und Fauna. Alle packten mit an, Spielgerät wurde herbeigeschafft. Die Stadt stellte den Platz sowie Bau- und Pflanzmaterial zur Verfügung. In den 90er Jahren prämierte der Landschaftsbauverband das Areal sogar mit einem Sonderpreis zum Thema „Wohnen in der Stadt – Leben im Grünen“.

Eine ordentliche Portion Idealismus schwang damals mit. Denn die Nachbarn betrachteten ihr Projekt nicht nur als Begrünungsaktion, sondern auch als Zeichen dafür, dass „gemeinsame, gesellschaftliche Arbeit keine Utopie ist“. Mit dem „bundesweit ersten Projekt seiner Art“ habe man die Stadt zu einer neuen Bürgerkultur geführt. Auch darauf, dass das Projekt mit dem nahen Rossbollengässle einen Nachahmer fand, ist man stolz. Regeln für den Platz wurden aufgestellt, etwa, dass man sich im Hof gegenseitig begrüßt, sich beim Namen nennt oder dass Erwachsene auch auf fremde Kinder aufpassen.

„Früher gab es ein paar Schlüsselkinder, die wir sozusagen mit groß gezogen haben“, erinnert sich auch Claudia Kindl. Wenn sie dagegen heute über den Platz gehe und die Leute grüße, werde sie oft irritiert angeschaut. Die Mutter eines 21-jähriges Sohnes betrübt das. Andererseits ist da auch die leise Hoffnung, dass der Geist von damals mit Nachwuchs, also neuen Nachbarn, wiederkommen könnte. Also grüßt Kindl weiter.

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17.08.2016, 06:00 Uhr
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