Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Deutschland

Regie: Volker Sattel


- ab 0 Jahren

Tagblatt-Wertung

Leser-Wertung

rating rating rating rating rating
Film bewerten
rating rating rating rating rating
26.05.2011

Von Dorothee Hermann

Es fängt an wie ein Fabrikfilm aus den 1970er Jahren: die kühle Atmosphäre der Arbeit mit einer gefährlichen Kolossaltechnik, die Menschen winzig vor Monumentalbeton. Innen- und Außenansicht sind gleichermaßen einschüchternd. Es war die Zeit, als „die politische Stimmung dem Bau eines Kernkraftwerks in diesem Landstrich wohlgesonnen? war, wie sich einer der namenlosen Zuständigen erinnert, die erst im Abspann genannt werden.

Als sich die Kamera unter Wasser begibt, ins Innere eines gigantischen Kuppelbaus, wird sie Zeuge einer bizarren Riesen-Installation, überwältigend durch schiere Masse und unübersehbar phallisch. Unter Hochdruck sprühen gewaltige Wassermassen in die Kammer, brechen sich an mächtigen Betonpfeilern.

Es ist das Geheimnis von Volker Sattel (Regie und Kamera), dass seine bestechend kühlen Aufnahmen aus der Gegenwart der deutschen Nuklearindustrie von einer seltsamen Vergangenheit zu erzählen scheinen, in der jeden Augenblick der irre Dr. Strangelove durch die hyperschwere Stahltür kommen könnte. Stattdessen dehnen sich menschenleere Reaktorenhallen, endlose kahle Korridore und scheinbar verödete Kontrollräume.

Die Realität der deutschen Kernkraftwerkslandschaft ist viel weniger spektakulär als die hektische Aktivität des Kubrick-Klassikers, nahezu sarkophagähnlich sediert und wie von der restlichen Welt um Jahrzehnte überholt. Die unterkühlt-packenden Bilder der Arte-Koproduktion dürften auf der großen Kinoleinwand erst angemessen zur Geltung kommen.

Weil die Zeit für Kommandobrückenaktivitäten à la Dr. Strangelove gründlich vorbei ist, wird diese spezielle Monumentalindustrie immer deutlicher als Ruine sichtbar. Die einzige Frau in dieser Männerwelt darf gegen Ende hin in lakonischer Ironie eine Wahrheit kundtun: „Der Rückbau kerntechnischer Anlagen ist ja auch eine Zukunftsbranche.?

Von der Kolossaltechnik zur Ruine: eine filmische Archivierung der Kernkraftindustrie.

Zum Artikel

Erstellt:
26. Mai 2011, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
21. Juli 2011, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 21. Juli 2011, 12:00 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Bitte beachten Sie unsere Hinweise zur Lizenzierung.
Marek Wojciechowski 06.06.201112:00 Uhr

Der Regisseur weiß nicht, was er mit dem Film bezweckt und darunter leidet er die ganze Zeit, auch wenn es immer wieder interessante Bilder zu sehen gibt. Aber ein (Dokumentar-)Film darf nicht eine Ansammlung von Bildern bleiben.
Er soll informieren unter einem Gesichtspunkt. Die Informationen in diesem Film bleiben sehr karg, sind zum Teil für einen Leien ohne Erklärungen nicht brauchbar, für einen Fachmann zu oberflächlich und zu leihenhaft.
Die Sicht des Films kann man am besten mit der Sicht eines altklugen Kindes vergleichen, das einerseits davon begeistert ist, andererseits nicht so richtig weiß, was es davon zu halten hat.

Von den ca. 20 Dokumentarfilmen, die ich dieses Jahr gesehen habe, ist das eindeutig der schlechteste. Ein Zuschauer im Kinosaal schnarchte, was mich gar nicht wunderte. Auch ein Fan von Dokumentarfilmen wie ich, braucht eine Riesengeduld, um ihn bis zum Schluss zu verfolgen, aber dann weiß er praktisch auch nicht mehr als vorher.

Push aufs Handy

Die wichtigsten Nachrichten direkt aufs Smartphone: Installieren Sie die Tagblatt-App für iOS oder für Android und erhalten Sie Push-Meldungen über die wichtigsten Ereignisse und interessantesten Themen aus der Region Tübingen.

Newsletter

Um unsere Newsletter zu erhalten, müssen Sie sich anmelden oder als Benutzer kostenlos neu registrieren. Ihre Daten werden ausschließlich für die Newsletter verwendet - nur falls Sie auch weitere Angebote des Verlags Schwäbisches Tagblatt wählen, auch für diese.
Das Tagblatt in den Sozialen Netzen

Faceboook      Instagram      Twitter           Google+      Google+