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USA

Regie: Terrence Malick
Mit: Brad Pitt, Sean Penn, Jessica Chastain, Fiona Shaw, McCracken, Laramie Eppler

- ab 12 Jahren

Tagblatt-Wertung

Leser-Wertung

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Film bewerten
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14.06.2011

Von Klaus-Peter Eichele

Der fünfte Film des Kino-Visionärs Terrence Malick ist mehr eine Meditation als eine Erzählung. Es kostet einige Mühe, aus den assoziativ aneinandergereihten Bildern eine Handlung zu destillieren. Wie in einem Album entfaltet sich der Alltag einer jungen Familie, die in den fünfziger Jahren in bescheidenem Wohlstand in einer amerikanischen Provinzstadt lebt. Mit drei kleinen Kindern im properen Eigenheim scheint das Idyll zunächst perfekt, doch nach und nach legen sich dunkle Schatten auf das Familienglück.

Verursacher ist der von Brad Pitt gespielte Vater, der seine heranwachsenden Söhne mit unnachgiebiger Strenge bis hin zu brutalem Psychoterror erzieht ? angeblich, um sie für das „feindliche Leben draußen? zu stählen. Alle Proteste der herzensguten Mutter (Jessica Chastain) perlen an dem Grobian ab. Speziell dem ältesten Sohn Jack machen sowohl die Härte des Vaters als auch die sich zunehmend verdüsternde Atmosphäre im einst so paradiesischen Elternhaus das Dasein zur Hölle.

Hätte Malick sich auf diesen Kern einer zerbrechenden Kinderseele beschränkt, wäre der Film vielleicht wirklich das Meisterwerk geworden, zu das ihn manche Kritiker stilisieren (unter anderem gab?s die Goldene Palme in Cannes). Die betont undramatische, ganz auf die Kraft einer soghaften Bilderflut vertrauende Inszenierung hat trotz eines gewissen Hangs zum metaphysischen Geraune durchaus poetische Qualität. Auch die schauspielerischen Leistungen sind superb.

Wer allerdings im Schnitt nur einen Film pro Jahrzehnt abliefert, muss wohl notgedrungen die ganze Welt erklären. So gibt es eine gut 20-minütige Sequenz, die aus unklaren Gründen die Evolution seit dem Urknall nachzeichnet ? mit läppischen Kitschbildern der Erde von oben oder unten, und abstrakten Visualisierungen wie aus dem Windows Media Player. Auch die penetranten Vorausblenden auf den erwachsenen Jack (Sean Penn), der wortlos und missmutig zwischen kalter Architektur umherirrt, sind saftloses Beiwerk. Selten so bedauert, dass man im Kino nicht vorspulen kann.

Als Visionär gesprungen, die Poesie gestreift, im Kitsch gelandet.

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Erstellt:
14. Juni 2011, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
12. August 2011, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 12. August 2011, 12:00 Uhr

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Klex 25.12.201112:00 Uhr

Ein eitles, langweiliges Werk, wenn auch mit eindrucksvollen Naturbilden. Wer sich für Menschen INTERESSIERT kann auch ihre Geschichte erzählen. Schade um Sean Penn und Brad Pit.

shevad 26.06.201112:00 Uhr

Worauf dieser Film eine Antwort geben will, wurde mir leider nie klar. Die simple Vergebungsbotschaft kaufe ich Malick nicht ab. Von der schönen Vorstellung nach dem atemberaubenden Trailer bleibt ein Wirrwarr an Bildern und Worten, denen auf den Grund zu gehen mir nicht wert erschien.

Unzufrieden 24.06.201112:00 Uhr

Die nicht wirklich vorhandene Story hätte auch gut in 15 min gepasst. Wer an einer Natur-Doku Freude hat ist hier richtig, ansonsten der schlechteste Film seit langem.

Sandra 22.06.201112:00 Uhr

Puhh!!! Der Film verlangt tatsächlich Durchhaltevermögen. Wenn ich mir einen Naturfilm anschauen möchte, dann entscheide ich mich dafür.. Ist schon ganz richtig dass die Möglichkeit den Filmvorzuspulen nicht die schlechteste wäre. Und dieses Gesäusel mit Gott ist nur nervend. Es gibt durchaus spannendere Formen wie innere Auseinandersetzungen dargestellt werden können. Naja ich habs überstanden, andere sind genervt nach ner halben Stunde rausgegangen..

konsumtest 20.06.201112:00 Uhr

Es gäbe über diesen Film unendlich viel zu sagen... weshalb fast alles, was man momentan über ihn lesen kann, meiner Meinung nach in Teilbetrachtungen stecken bleibt; oder gleich in komplettem Missverstehen und durchaus auch Ablehnung. Ich kann nur für mich selbst sprechen und sagen, dass ich selten etwas so Essentielles im Kino gesehen habe - was ein Feld an Assoziationen eröffnet, welches seinesgleichen sucht.
Aber dazu muss man sich zwingend für spirituelle Fragen interessieren - und akzeptieren, dass ein Film nicht immer nur dieselbe klassische Dramaturgie hat, die uns über Jahrzehnte hinweg durch beständiges Sehen eingeimpft worden ist. Insofern ist es kein Film für alle, und ich denke, das ist auch nicht weiter schlimm.
Um eines allerdings handelt es sich bei "The Tree of Life" tatsächlich nicht, da kann ich mich meinem Vorredner bloß anschließen: um Kitsch. Kitsch wird in dem Kontext immer ganz schnell zum Totschlagargument, mit dem alles abgebügelt wird, was dem Grundzynismus der Zeit zuwiderläuft. Es gibt Schönheit und es gibt Unzulänglichkeit, und der Film gestattet sich zu fragen, wie das zusammengeht (vielen scheint allein schon die Frage zuviel). Er gibt keine auf der Hand liegenden Antworten bzw. überlässt die Interpretation dem Betrachter letztlich selbst.

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