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La nana
Chile

Regie: Sebastián Silva
Mit: Catalina Saavedra, Claudia Celedón

- ab 12 Jahren

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12.06.2010

Von Klaus-Peter Eichele

Die gnädigen Herrschaften meinen es wirklich gut mit Raquel. An seinem Geburtstag bekommt das Hausmädchen Kuchen und Geschenke. In dem bourgeoisen Haushalt, den sie samt Kinderbetreuung schmeißt, wird stets freundlich gebeten statt befohlen. Und als die unverzichtbare Perle nach 23 Jahren Maloche erstmals Anzeichen von Schwäche zeigt, will ihr die Hausherrin in bester Absicht eine Gehilfin fürs Putzen und Kochen zur Seite stellen. Doch damit kommt sie bei Raquel an die Falsche.

Um die nach und nach eingestellten Nebenbuhlerinnen zu verjagen, ent­wickelt die bislang gutmütige, wenn auch in all den Jahren missmutig gewordene Stammkraft nahezu teuflische Strategien. Am liebsten sperrt sie die Neuen vor die Haustür, damit drinnen das Essen verbrennt oder noch schlimmeres passiert. Die Gründe dieser rigiden Gegenwehr hält der junge chilenische Regisseur Sebastián Silva absichtlich in der Schwebe. Ist es die nackte Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes? Wird sie von einer krankhaft übersteigerten Berufsehre getrieben? Offenbart sich hier ein Abwehrreflex gegen alles Fremde und Ungewohnte? Oder ist es der ewig Herumgescheuchten ein Genuss, auch einmal andere zu erniedrigen? Am wahrscheinlichsten dürfte sein, dass Raquel instinktiv die Wahrheit ahnt: dass sie eben nicht, wie erhofft, Teil der Familie ist, sondern eine beliebig austauschbare Arbeitskraft.

Am vorläufigen Ende dieser Entwicklung ist das bis dahin so gepflegte Großbürger-Domizil jedenfalls ein wüstes Schlachtfeld. Doch es gibt einen Ausweg in Person der Frohnatur Lucy, von der Raquel lernt, dass es auch ein Leben jenseits der Aufopferung in dem festungsartig abgeschotteten Wohnbunker gibt. Diese Wendung kommt entschieden zu hopplahop, um glaubwürdig zu sein. Vielleicht liegt's daran, dass Regisseur Silva selbst den besseren Kreisen entstammt und daher an einer versöhnlichen Lösung interessiert ist. Die Stärken seines Debütfilms in der Zeichnung von Charakteren, Schauplätzen und sozialen Zusammenhängen kann dieser Ausrutscher aber nicht übertünchen.

Ausbeutung ist keine Frage des Umgangstons, lehrt diese fast perfekte Tragikomödie aus Chile.

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Erstellt:
12. Juni 2010, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
22. Juli 2010, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 22. Juli 2010, 12:00 Uhr

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