Jean Seberg - Against All Enemies

Jean Seberg - Against All Enemies

Kristen Stewart in der Rolle der Schauspielikone Jean Seberg gerät Ende der 60er Jahre durch ihr Engagement für die Black Panther-Bewegung ins Kreuzfeuer und droht an den Schikanen des FBIs zu zerbrechen.

Jean Seberg - Against All Enemies
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Seberg
USA 2019

Regie: Benedict Andrews
Mit: Kristen Stewart, Anthony Mackie, Jack O'Connell, Margaret Qualley

103 Min. - ab 12 Jahren

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16.09.2020

Von Madeleine Wegner

Die gerade einmal 18-Jährige fängt Feuer: In ihrem ersten Film spielte Jean Seberg für Otto Preminger 1957 die Heilige Jungfrau von Orléans. Schwere Verbrennungen zog sie sich in der Szene auf dem Scheiterhaufen zu. Zehn Jahre später gilt Jean Seberg – unter anderem wegen ihres Auftritts an der Seite von Jean-Paul Belmondo in Jean-Luc Godards „Außer Atem“ – als Stilikone und Star der Nouvelle Vague. Sie wagt einen Neustart in Hollywood und gerät dort ins Visier des FBI, weil sie sich öffentlich auf die Seite der Black Power-Bewegung stellt.

„Jean Seberg – Against All Enemies“ zeigt, wie skrupellos das FBI gegen die Schauspielerin vorging, ihr Leben und ihre Karriere mit Hilfe einer kompletten Überwachung zerstören wollte. „Ich wollte so nah wie möglich an Jean herankommen und untersuchen, was tatsächlich mit ihr in den Jahren zwischen 1968 und 1971 geschah“, schreibt der australische Regisseur Benedict Andrews in seinem Statement zum Film. Zwar beleuchtet er genau diesen für Seberg so schwierigen Zeitraum sehr detailliert, doch kommt er der Person Seberg selten nah. Stattdessen lässt sich der Film von Nebenfiguren ablenken. Viel interessanter scheint etwa die Psychologie des FBI-Agenten Jack Solomon zu sein – eine fiktive Figur.

Was ist Sebergs Antrieb? Was ihre Ideale? Ihre Geschichte? Nicht einmal erwähnt wird, dass sie seit ihrer Jugend die Black Panther-Bewegung unterstützte. Und es bleibt unklar, warum sie so handelt, was sie denkt und was tatsächlich in ihr vorgeht. Man schaut ihr in – durchaus gelungenen Bildern (Kamera: Rachel Morrison), hübscher Kulisse und Kostümen (Michael Wilkenson)– zu, wie sie leidet, wie sie kämpft, wie sie zu zerbrechen droht.

Doch man blickt dabei kaum hinter die Fassade, wirklich nah kommt Andrews dieser außergewöhnlichen Frau und interessanten Persönlichkeit selten. Stattdessen tappen Regisseur und Drehbuchautoren (Joe Shrapnel, Anna Waterhaus) in so manche Klischee- und Dramafalle.

Kristen Stewart, die ebenfalls 18 Jahre alt war, als sie über Nacht in der Bestsellerverfilmung „Twilight“ Weltruhm erlangte, kann dieses Manko nicht auffangen – auch wenn sie eine bemerkenswerte Leistung abliefert. Ebenfalls sehenswert ist Anthony Mackie in der Rolle des charismatischen Aktivisten Hakim Jamal.

Wirkt angesichts der „Black Lives Matter“-Bewegung erschreckend aktuell, bleibt jedoch an der Oberfläche.

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Erstellt:
16. September 2020, 11:49 Uhr
Aktualisiert:
16. September 2020, 11:49 Uhr
zuletzt aktualisiert: 16. September 2020, 11:49 Uhr

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