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Intrige

Intrige

Roman Polanskis Historienilm führt zum Fall Dreyfus, einer antisemitischen Gesellschaft und den Anfängen des Überwachungsstaats.

Intrige
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J'accuse
Frankreich, Italien 2019

Regie: Roman Polanski
Mit: Jean Dujardin, Louis Garrel, Emmanuelle Seigner

132 Min. - ab 12 Jahren

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05.02.2020

Von Dorothee Hermann

Auf dem monumentalen Platz vor der Pariser Militärakademie zählt der Einzelne nichts, vor allem, wenn er die gesamte französische Armee gegen sich hat wie Nachwuchsoffizier Alfred Dreyfus (Louis Garrel). Als angeblicher Verräter wird er am 5. Januar 1895 vor aller Augen degradiert und in die Verbannung geschickt.

Sein vormaliger Ausbilder Georges Picquart (Jean Dujardin) ahnt in diesem Moment nicht, wie eng sich sein eigener Lebensweg mit dem des jüdischen Offiziers Dreyfus verbinden würde. Picquart ist kaum weniger antisemitisch als der Mainstream seiner Zeit, hält sich aber zugute, dass er im Dienst niemanden aufgrund der Glaubenszugehörigkeit benachteiligen würde.

Wider Willen sieht Picquart sich in die Spionageabteilung versetzt, weil deren bisheriger Chef Sandherr (Eric Ruf von der Comédie Francaise) von der Syphilis zerfressen wird, und stößt prompt auf Ungereimtheiten des Verfahrens gegen Dreyfus.

Während man noch lacht über die unbeholfenen Methoden, die die Agenten beim gesetzwidrigen Öffnen von Briefen ganz offen anwenden, um an Informationen zu gelangen, und der bekannte französische Schauspieler Mathieu Amalric als zweifelhafter Graphologe Bertillon weniger auf den Augenschein achtet, als auf Vorgaben von oben, setzt sich eine eherne Maschinerie in Gang, die Dreyfus Jahre seines Lebens kosten wird.

Ein Picknick unter freiem Himmel, das Monets „Frühstück im Grünen“ nachempfunden sein könnte, lässt kurz eine luftige Gegensphäre zur martialischen Ordnung des Militärischen aufblitzen – eine inszenierte Ungezwungenheit, wie es sie vielleicht nur auf Gemälden gibt. Regisseur Roman Polanski greift für den exquisit komponierten Film noch häufiger auf berühmte Bilder zurück, um das Paris um 1900 zu zeigen. Sehr amüsant sind auch Detailbeobachtungen wie jene, wie sehr das Tragen eines Zylinders die Gesichtsmuskulatur strafft.

Das packende Justizdrama konzentriert sich weniger auf den prominenten Dreyfus-Verteidiger Emile Zola (André Marcon), als auf den innermilitärischen Konflikt, dem Picquart sich ausgesetzt sieht. Als er zum Unwillen seiner Generäle nicht aufhört, sich aus Gewissensgründen für Dreyfus einzusetzen, gerät er seinerseits in eine Art Verbannung, auf sich selbst zurückgeworfen und zeitweilig ebenfalls hinter Gittern. Alles andere scheint zu verblassen, sogar die von Emmanuelle Seigner gespielte Geliebte.

Grandioses Zeitbild einer in vielerlei Gehäusen gefangenen und doch mit Wucht auseinanderbrechenden Gesellschaft.

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Erstellt:
5. Februar 2020, 10:00 Uhr
Aktualisiert:
5. Februar 2020, 10:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 5. Februar 2020, 10:00 Uhr

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