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Gut gegen Nordwind

Gut gegen Nordwind

Nora Tschirner und Alexander Fehling in einer ungewöhnlichen Brieffreundschaft: Zwei Fremde lernen sich zufällig per E-Mail näher kennen und verlieben sich.

Gut gegen Nordwind
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Deutschland 2019

Regie: Vanessa Jopp
Mit: Nora Tschirner, Alexander Fehling, Ulrich Thomsen

122 Min. - ab 0 Jahren

Tagblatt-Wertung

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11.09.2019

Von Dorothee Hermann

Am Anfang ruht die Kamera ein wenig zu ausführlich auf dem gefälligen Äußeren des Mittdreißigers Leo Leike (Alexander Fehling). An seiner perfekt gestylten Frisur sitzt jedes Haar. Aber das Schicksal ist eben gnadenlos: Sogar ein solcher Typ blickt ziemlich trostlos dem Weihnachtsabend entgegen, wenn er überraschend von seiner Freundin (Claudia Eisinger als Marlene) verlassen wird.

Die E-Mail einer Unbekannten reißt Leo aus dem emotionalen Tief. Er hat beinahe die gleiche Mail-Adresse wie die Zeitschrift, die sie kündigen wollte. So konnte man es schon in Daniel Glattauers Bestseller „Gut gegen Nordwind“ nachlesen, den die deutsche Regisseurin Vanessa Jopp in elegante Bilder umgesetzt hat. Sie zeigt, dass sich auch von unspektakulären Orten und Begegnungen wunderbar erzählen lässt.

Die beiden scheinen denselben lakonischen Humor zu besitzen und intuitiv zu erahnen, wen sie vor sich haben. Das ist ganz nett, bleibt aber zunächst etwas gleichförmig, weil es die bekannten Abläufe eines Mail-Kontakts nachbildet. Doch spätestens als Emma Rothner (voll von geheimnisvoller Energie: Nora Tschirner) nicht mehr nur virtuell, sondern real mit im Spiel ist, wird es spannend.

Wie sich Emma und Leo virtuell immer besser kennenlernen, ist begleitet von den bekannten Symptomen: Auch mitten in der Nacht der nächsten Nachricht entgegenzufiebern und untröstlich zu sein, wenn der Kontakt zwischendurch abzubrechen droht. Der Film fängt auch das Unheimliche dieser Kommunikationsform ein, deren Einsamkeit und Einseitigkeit: Wenn beispielsweise Emma in ihrer Vorortvilla wie eine Spielfigur in einem dämmerigen Gehäuse sitzt, das nicht von ihr selbst, sondern von einem nicht greifbaren Popanz gesteuert scheint.

Es ist hübsch zu beobachten, wie sich die beiden Zögernden und ihr jeweiliges reales Leben aufeinander zubewegen, sich beinahe berühren und doch wieder verfehlen. Denn sie scheuen aus unterschiedlichen Motiven den direkten Kontakt. Ernsthafte Sorgen haben weder Leo noch Emma, aber wenigstens sind die beiden einander ebenbürtig. Für Realisten, die mit romantischen Komödien nichts anfangen können, ist dieses Großstadtmärchen eher nichts. Allen anderen präsentiert sich ein gut gemachter Wohlfühlfilm, der auch andeutet, wie sehr virtuelle Kontakte sich als Raum für verborgenen Sehnsüchte und Projektionen eignen. Dem Ende hätte ein bisschen weniger sentimentale Zuspitzung gutgetan.

Hübsche Kinoromanze über virtuell erzeugte Begierden, die das reale Leben durcheinanderbringen.

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Erstellt:
11. September 2019, 18:57 Uhr
Aktualisiert:
11. September 2019, 18:57 Uhr
zuletzt aktualisiert: 11. September 2019, 18:57 Uhr

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