Futur Drei

Futur Drei

Im provinziellen Hildesheim muss Partygänger Parvis nach einem Diebstahl Sozialstunden leisten. Dabei freundet er sich zögerlih mit einem iranischen Geschwisterpaar an.

Futur Drei

Deutschland 2020

Regie: Faraz Shariat
Mit: Benjamin Radjaipour, Banafshe Hourmazdi, Eidin Jalali

92 Min. - ab 16 Jahren

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21.10.2020

Von Dorothee Hermann

Ein kleiner Junge tanzt geschminkt im Kleid in einer Wohnung. Im Rotlicht eines Clubs sind die Raver nur als zuckende Schemen erkennbar. Dazwischen wie ein Schlag die Frage „Woher kommst du eigentlich?“. Für Parvis (Benjamin Radjaipour), Sohn iranischer Einwanderer, hat das Leben in der deutschen Provinz nur wenige Kicks. Dass es sie gibt, dafür sorgt er schon selbst.

Mit seinen blond gefärbten Haaren und den stylischen Klamotten wirkt er wie ein Außerirdischer im Dorf, in dem er mit seiner Familie lebt. Er ist dort Paradiesvogel, aber auch Trendsetter.

Doch vorerst wachsen die Pflichten in seinem Alltag: Parvis muss Sozialstunden in Wohnprojekt für Flüchtlinge ableisten. Dabei trifft er die sympathischen Geschwister Banafshe (Banafshe Hourmazdi) und Amon (Eidin Jalali). Besonders die kluge Banafshe bringt Parvis zum Reden. Es scheint, als hätte er endlich jemanden gefunden, dem er vertrauen kann. Er verliebt sich aber in den zurückhaltenden Amon (Eidin Jalali), der lieber weiter Farsi spricht als Deutsch.

Im teilweise autobiografisch gefärbten Filmdebüt des 26-jährigen Regisseurs Faraz Shariat sind Migranten endlich nicht nur Randfiguren oder nur auf stereotype Rollen begrenzt, sondern sie tragen den Film. Das hat etwas ungemein Befreiendes.

Einmal erzählt Parvis‘ Mutter, wie schwer es war, sich in Deutschland ein Leben aufzubauen, und wie es sie schmerzt, dass für den Sohn nicht zu zählen scheint, was die Eltern erreicht haben. Der holt sich seine Kicks in Clubs und bei Sex-Dates, die wie rauschhafte Raves eingeblendet sind.

Mit dem kurzen Gastauftritt von Jürgen Vogel als Restaurantbetreiber und Chef von Banafshe holt leider das Klischee den Film ein, der vielfach als „postmigrantisches Popcornkino“ bezeichnet wurde. Auf der diesjährigen Berlinale gab das den Teddy Award für den Besten Spielfilm.

Mitreißender Einstieg in das postmigrantische Kino und einfühlsame schwule Liebesgeschichte.

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Erstellt:
21. Oktober 2020, 11:20 Uhr
Aktualisiert:
21. Oktober 2020, 11:20 Uhr
zuletzt aktualisiert: 21. Oktober 2020, 11:20 Uhr

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