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Deutschland

Regie: Thomas Frickel
Mit: Dennis R.D. Mascarenas

- ab 12 Jahren

Tagblatt-Wertung

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09.05.2011

Von Klaus-Peter Eichele

Ist der Mond nur eine nackerte Kugel, wie es in dem geflügelten Filmtitel heißt? Schön wär's. Folgt man Dennis Mascarenas' nach "Deckname Dennis" (1997) zweitem Recher­che-Trip ins Herz und Gedärm deutscher Befindlichkeit, dann trauen nicht wenige Menschen hierzulande dem gelben Gestirn magische Kräfte zu. Das beschert den Herstellern von Vollmondwasser und Neumondcremes gute Geschäfte. Betreiber von Mondgymnas­tik-Studios, Mondschein­friseure und mondgläubige Anthropo­sophen haben regen Zulauf. Das klingt verrückt, aber ist es auch gefährlich?

Für den rasenden Reporter Mascarenas und seinen Regisseur Harald Frickel schon. Denn was als vorderhand harmlose Mondverehrung beginnt, schlägt in den Tiefen der esoterischen Szene nicht selten in antisemitische Verschwörungstheorie und Hitlerverehrung um. Nach der Devise "Da stellen wir uns mal ganz dumm" klappert der schwergewichte Amerikaner im roten VW-Käfer gut zwei Dutzend Exponenten der deutschen Mystizismus-Community ab. Im Gegensatz zu seinem Landsmann Michael Moore geht Mascarenas seine Gewährsleute aber nicht aggressiv an, sondern lässt sie in aller Ruhe plaudern.

Dank der gut gespielten Leutseligkeit nimmt kaum einer der Befragten ein Blatt vor den Mund. Was in aller Offenheit aus ihren Gehirnwindungen quillt, animiert anfangs zu Lachsalven, die einem aber mehr und mehr im Hals steckenbleiben. Beispiele? "Amerikanische Kreise" wollen mit vergifteten Geldscheinen die Hälfte der Menschheit ausrotten. Angela Merkel wurde bei einem Staatsbesuch in den USA mittels Plutonium auf jüdisch umgepolt. Das Internet ist Teil der zionistischen Weltverschwörung, was sich schon daraus ergibt, dass "www" im Herbräischen der apokalyptischen Schreckzahl "666" ähnelt. Was das mit dem Mond zu tun hat? Auf dessen Rückseite warten, wie übrigens auch am Südpol, millionenstarke SS-Einheiten, um die nordischen Völker von ihren wahlweise jüdischen, außerirdischen, amerikanischen oder satanischen Unterdrückern zu befreien. Adolf Hitler zieht übrigens auch noch Strippen. Kein Gedanke ist so krude, dass nicht noch ein abstruserer draufgesetzt werden könnte.

Man mag dem Film vorwerfen, dass er den Link zwischen antirationalem Alltagsgebaren und rassistischen Phantasmen mehr behauptet als belegt. Auch bleibt offen, wie breit die gesellschaft­liche Akzeptanz dieses pathologischen Schwurbels ist. Dass sich Verschwörungstheorien speziell im Internet immenser Beliebtheit erfreuen, ist freilich unbestreitbar. Und der Umsatz von Esoterikliteratur soll sich weltweit auf 15 Milliarden Euro im Jahr belaufen. Die Hokuspokus-Gläubigen müssen nun allerdings umdenken: Der Mond ist auf dem absteigenden Ast. Nach neuesten Erkenntnissen ist es der Mars, der die Menschheit von allem Übel heilt.

Je länger Denis im Esoteriksumpf stochert, desto brauner wird die Tunke.

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Erstellt:
9. Mai 2011, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
26. Mai 2011, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 26. Mai 2011, 12:00 Uhr

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