Chichinette - Wie ich zufällig Spionin wurde

Chichinette - Wie ich zufällig Spionin wurde

Nachdem Marthe Cohn alias Chichinette („kleine Nervensäge“) fast 60 Jahre lang geschwiegen hat, erzählt die französisch-jüdische 99-Jährige nun ihre außergewöhnliche Geschichte darüber, wie sie es schaffte, als Spionin Nazis zu bekämpfen.

Chichinette - Wie ich zufällig Spionin wurde
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Deutschland 2019

Regie: Nicola Hens


86 Min. - ab 0 Jahren

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16.09.2020

Von Verleihinfo

Sie war 95 Jahre alt, als die Dreharbeiten begannen. Im Film sieht man, wie Marthe Cohn nach Paris aufbricht. Es ist wie eine Reise in ihr früheres Leben in den 1930er Jahren und während des Zweiten Weltkriegs. In den letzten Kriegstagen spionierte die jüdische Französin Marthe Hofnung, wie sie damals hieß, in Nazi-Deutschland für die Alliierten. Die Ein-Frau-Mission war ein lebensgefährlicher Job.

Die Filmemacherin Nicola Hens hat Marthe Cohn auf dem Weg in die Vergangenheit mit der Kamera begleitet. Dass die junge Krankenschwester außer Französisch auch fließend Deutsch sprach, erleichterte ihr die Rolle als Undercover-Agentin. Sie fand heraus, dass die Wehrmacht den gefürchteten Westwall im Süden bereits evakuiert hatte und lenkte die Truppen von General de Gaulle vorbei an einem letzten deutschen Großaufgebot, das sich im Schwarzwald versteckt hatte.

Vom französischen Geheimdienst erhielt sie den Spitznamen „Chichinette“ (kleine Nervensäge), weil sie sich nicht davon abbringen lassen wollte, selbst gegen die Nazis zu kämpfen. Lange wollte niemand ihre Geschichte hören. „Niemand sprach über den Krieg. Nicht in Amerika, nicht in Frankreich. Die Leute wollten in die Zukunft, nicht in die Vergangenheit.“

Einige ihrer Erinnerungen sind als Animationssequenzen wiedergegeben: Wie sie mit ihrer Mutter und der gebrechlichen Großmutter aus Poitiers in Frankreichs Freie Zone flieht und überlegt, wie die armen Bauern am Weg wohl auf Habenichtse wie sie reagieren würden.

Man erfährt, dass sie auch an Tagen, an denen sie sich kaum bewegen kann, aufbricht, um Schülern oder Studierenden ihre Geschichte zu erzählen. Abgesehen von ihrem außerordentlichen Einsatz macht der berührende Dokumentarfilm Mut, alt zu werden und zeigt, wie das Leben noch einmal eine ganz andere Richtung nehmen kann. Das Filmfest Frauenwelten hat ihn zuerst für Tübingen entdeckt.

Hommage an eine grandiose Zeitzeugin, die das Kriegsende ganz ohne Waffen beschleunigt hat.

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Erstellt:
16. September 2020, 11:37 Uhr
Aktualisiert:
16. September 2020, 11:37 Uhr
zuletzt aktualisiert: 16. September 2020, 11:37 Uhr

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