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Zwei Jahre in Verzug
Ein Stück Natur aus zweiter Hand: Der Röhmsee in Unterensingen. Daran soll die Kerosin-Pipeline vorbeiführen. Foto: Manfred Grohe
Infrastruktur

Zwei Jahre in Verzug

Das Pipeline-Projekt des Stuttgarter Flughafens stößt weiter auf Widerstände. Eine Alternativtrasse bei Unterensingen erweist sich als naturschutzrechtlich problematisch.

30.10.2017
  • RAIMUND WEIBLE

Unterensingen. Über die Sinnhaftigkeit der Kerosin-Pipeline zum Flughafen Stuttgart gibt es keinen Dissens. Alle Beteiligten beteuern, wie notwendig das Projekt ist, um die Tankwagen von der Straße zu bringen. Dennoch steckt das Vorhaben nach wie vor in der Planungsphase.

Nach Angaben des Regierungspräsidiums Stuttgart kann noch nicht in die Planfeststellung des 10-Millionen-Euro-Projekts eingetreten werden, weil Unterlagen für eine Alternativtrasse auf Gemarkung der Gemeinde Unterensingen im Kreis Esslingen fehlen. Sie muss die Flughafen GmbH beibringen. Anhand der geforderten Unterlagen will die Behörde überprüfen, ob die Leitung innerhalb des Naturschutzgebiets „Am Rank/Röhmsee“ in Unterensingen (Kreis Esslingen) verlegt werden darf.

Flughafen und Gemeinde Unterensingen hatten sich auf diese Trasse verständigt, nachdem der Gemeinderat schon im Juli 2015 die ursprünglich geplante Trasse abgelehnt hatte. Sie führt nach Auffassung der Ratsmehrheit zu nahe am Ort vorbei. Die Gemeinde schlägt vor, den Abstand zur Wohnbebauung zu vergrößern.

Sanfte Methode vorgesehen

Um die Naturschutz-Problematik zu entschärfen, hat der Flughafen eine sanfte Methode vorgeschlagen. Das Rohr soll über eine Strecke von mehreren hundert Metern in Horizontalbohrtechnik verlegt werden. Dabei müsste der Boden in diesem Bereich nicht aufgegraben werden. Doch auch dafür benötigt der Flughafen eine Ausnahmegenehmigung durch das Regierungspräsidium. Der Flughafen muss nachweisen, dass sich der Pipeline-Bau nicht nachteilig auf das Naturschutzgebiet auswirkt.

Durch den Widerstand der Gemeinde und der dadurch notwendigen Umplanung ist das Projekt in Verzug geraten. Absicht des Flughafens war gewesen, mit dem Bau 2016 zu beginnen und die Leitung 2017 in Betrieb zu nehmen. Jetzt wird damit gerechnet, dass die Leitung erst 2019 in Betrieb geht. Damit hätte der Flughafen zwei Jahre verloren.

Jährlich benötigt der Airport 270 000 Kubikmeter Treibstoff. Bisher versorgt sich der Flughafen über die Straße mit Kerosin. Das sind bis zu 25 Tanklaster pro Tag, im Jahr kommen so 7500 Fuhren zusammen. 2016 bezog der Airport 71 Prozent seines Bedarfs vom Tanklager Plochingen und 29 Prozent vom Tanklager Heilbronn. Laut Flughafensprecher Johannes Schumm ist der Bezug des Treibstoffs über die Straße zu 100 Prozent gesichert.

Der Flughafen möchte diese Gefahrgut-Transporte jedoch von der Straße holen. Deswegen ist 2014 das Pipeline-Projekt auf den Weg gebracht worden. Ein Vorteil ist, dass durchs Neckartal das Mitteleuropäische Pipeline-System verläuft. Diese Leitung will der Flughafen bei Oberboihingen, der Nachbargemeinde von Unterensingen, anzapfen. Die Flughafen-Pipeline verläuft danach hauptsächlich entlang der A 8 und ist insgesamt 19 Kilometer lang. Sie wird 1,20 Meter tief in den Boden verlegt. Der Flughafen rechnet mit 10 Millionen Euro Kosten.

Nach Darstellung des Regierungspräsidiums sind die vom Flughafen vorgelegten Unterlagen zur Alternativtrasse in Unterensingen zu unkonkret und noch nicht vollständig. Deswegen könne die Behörde derzeit noch keine Aussagen über die Genehmigungsfähigkeit treffen.

Der Unterensinger Bürgermeister Sieghart Friz appellierte an die Naturschutzbehörde, guten Willen zu zeigen: „Sie muss sich bewegen.“ Er ist überzeugt davon, dass die Alternativtrasse möglich ist. Zugleich wies er darauf hin, dass nicht allein die Trassenführung am Naturschutzgebiet ein Problem für die Flughafen GmbH bedeutet. Nach Informationen dieser Zeitung zeichnet sich ab, dass sich einige Grundstückseigentümer querlegen. Von ihnen benötigt der Flughafen die Einwilligung dafür, dass sie die Leitung über deren Grundstücke führen darf.

Andreas Schwarz, Wahlkreisabgeordneter und Fraktionschef der Grünen im Landtag, strebt den Konsens an. Er will mithelfen, den Menschen die Ängste vor der Pipeline zu nehmen. Wenn jedoch einige wenige Grundstückseigentümer sich weigerten, ihre Grundstücke zur Verfügung zu stellen, müsse man eine gesetzliche Regelung ins Auge fassen, um das Projekt nicht scheitern zu lassen, sagte der Abgeordnete.

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30.10.2017, 06:00 Uhr
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