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Französische Filmtage

Zum Auftakt eine Diva

Am Donnerstag starten die 26. Französischen Filmtage, die größte Leistungsschau des frankophonen Kinos in Deutschland. Zur Eröffnung kommt mit Sandrine Bonnaire ein waschechter Star.

27.10.2009
  • Klaus-Peter Eichele

Die als umgänglich geltende Diva, 1993 schon einmal Gast der Filmtage, präsentiert beim Gala-Auftakt im Kino Museum zusammen mit der Regisseurin Caroline Bottaro ihren jüngsten Film „Joueuse“: Einfaches Zimmermädchen auf Korsika verfällt eines Tages aus heiterem Himmel dem Zauber des Schachspiels – und wandelt sich dadurch vom fleißigen Lieschen zur selbstbewussten Frau. Ihren kauzigen Lehrmeister spielt Hollywoodstar Kevin Kline („Ein Fisch namens Wanda“).

Bonnaire ist eine der populärsten französischen Filmschauspielerinnen, obwohl sie überwiegend in eher kleinen Autorenfilmen auftritt. Bereits als 18-Jährige wurde sie 1985 als Landstreicherin in dem Drama „Vogelfrei“ berühmt. Zu ihren bekanntesten Filmen zählen „Die Verlobung des Monsieur Hire“ (1989), Claude Chabrols Sozialsatire „Biester“ (1995) und „Die Frau des Leuchtturmwärters“, die 2005 auch in Deutschland Hunderttausende in die Kinos lockte und dem Tübinger Arsenal-Verleih einen seiner größten kommerziellen Erfolge bescherte. Weil Bonnaire am Freitag schon wieder zurück nach Paris reist, ist kein Publikumsgespräch vorgesehen.

Trotz der Starpower auf der Besetzungsliste ist „Joueuse“ ein Regie-Debüt. Mit dessen Wahl zum Eröffnungsfilm unterstreicht Andrea Wenzek auch in ihrem fünften und letzten Jahr als Festival-Chefin ihr Anliegen, vor allem das junge französische Kino zu pflegen. Für diesen Ansatz steht auch der Wettbewerb um den von Volker Lamm gestifteten Publikumspreis, für den sich sieben Nachwuchsfilme aus Frankreich, Kanada und Algerien qualifiziert haben. Desgleichen ist die Gästeliste voll gepackt mit jungen, in Deutschland noch nahezu unbekannten Regisseuren.

Filme zum Thema Neoliberalismus

Geladen sind aber auch einige Filmkünstler, die sich in Fachkreisen schon einen guten Ruf erworben haben. So stellt der als französischer Woody Allen gehandelte Emmanuel Mouret („Küss mich bitte“) seinen jüngsten Film „Fais-moi plaisir!“ vor, eine Slapstick-Komödie um einen liebestollen Schussel, der sich ausgerechnet in die Tochter des französischen Präsidenten verguckt.

Ebenfalls nach Tübingen kommt die aufstrebende Schauspielerin Valérie Donzelli („Martha, Martha“) mit ihrem auch mächtig von l’amour durchdrungenen Regie-Debüt „La reine des pommes“. Ein Philosoph mit Hang zum Grotesken ist der Regisseur Alain Guiraudie, dem das Festival eine Werkschau widmet.

Im Gestrüpp von rund 75 langen und kurzen Filmen, die bis 4. November in den Tübinger Kinos Arsenal, Atelier und Museum sowie in Rottenburg und Mössingen gezeigt werden, fällt es schwer, einen inhaltlichen roten Faden aufzuspüren. Es gibt jede Menge Komödien, Liebesfilme, Sozialdramen, ein paar Krimis und sogar einen (in Frankreich angesiedelten) Western.

Ein kleiner Programm-Schwerpunkt ist der weithin als Verursacher der Wirtschaftskrise identifizierte Neoliberalismus. Mit dessen Ideologie und sozialen Folgen beschäftigen sich drei Filme, allen voran die Doku „L'encerclement“, in der 160 Minuten lang seine schärfsten Kritiker, darunter Noam Chomsky, zu Wort kommen. Zu diesem Thema gibt es auch eine Podiumsdiskussion mit dem Regisseur Richard Brouillette und dem Tübinger Wirtschaftswissenschaftler Prof. Wilhelm Kohler.

Traditionell darf man bei den Französischen Filmtagen über die Festung Europa hinaus nach Süden blicken. Dass Afrika nicht ein einziges Elend ist, sondern durchaus Erfolgsgeschichten schreibt, zeigt der Festival-Fokus auf „Nollywood“. Gemeint ist Nigeria, das sich auf den Spuren des indischen Bollywood in den letzten Jahren zur dem Ausstoß nach drittgrößten Filmnation der Welt aufgeschwungen hat.

Teil des Filmtage-Programms ist die Ausstellung "Die dritte Welt im zweiten Weltkrieg" in der Shedhalle, um die bei ihrer Eröffnung vor einigen Wochen in Berlin erbitterte Auseinandersetzungen geführt wurden.

Buchstäblich hohe Wellen schlug auch der Film "Welcome". Die dramatische Geschichte eines 17-jährigen irakischen Flüchtlings, der den Ärmelkanal durchschwimmen will, um zu seiner Liebsten nach England zu gelangen, hat in Frankreich einen knallharten Streit um den Umgang mit Immigranten angefacht. Eins muss man dem französischen Kino lassen: Wenn es politisch etwas aufzurühren gibt, ist es blitzschnell zur Stelle.

Sandrines Stelldichein mit Caroline

Die Filmtage-Eröffnung mit Sandrine Bonnaire und Regisseurin Caroline Bottaro ist am Donnerstag, 29. Oktober, um 19.30 Uhr im Kino Museum. Karten können unter (0 70 71) 2 33 55 vorbestellt werden. Bereits heute Abend um 19.30 Uhr öffnet die Ausstellung „Die dritte Welt im zweiten Weltkrieg“ in der Shedhalle die Pforten. Am morgigen Mittwoch stellen wir auf einer Doppelseite die wichtigsten Filme und Programmpunkte vor. Infos auch im Internet unter www.tagblatt.de/kino und auf den Filmtage-Seiten www.filmtage-tuebingen.de, wo der komplette Festival-Spielplan aufgerufen werden kann. Kostenlose Programmhefte liegen in den Kinos aus.

Zum Auftakt eine Diva
Sandrine Bonnaire in "Joueuse"

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27.10.2009, 12:00 Uhr

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… „ES“ ist ein Kinderfilm für Erwachsene, denn die Helden sind allesamt angehende Teens. Es sind Pubertierende mit all ihren Nöten aus körperlichen Defiziten, großkotzigen Bullies, die die Stadt zu „ihrer“ Stadt erklären, übergriffigen Eltern und vor allem mit einem uralten Schrecken, der der Stadt schon bei der Gründung eingeschrieben wurde: Pennywise. Das alles kommt so fein austariert und bis ins letzte Detail stimmig umgesetzt daher, dass die Kinder dem empfindsamen Zuschauer recht bald ans Herz wachsen, Kinder einer Zeit und Kultur, in der der Horror für Stephen King noch aus dem Kleinstädtischen erwuchs. „ES“ spart nicht an einigen krassen Effekten, ist aber in seinen besten Momenten (und die sind beileibe nicht rar) dort am stärksten, wo es um das scheinbar Nebensächliche und Beiläufige geht: Wenn der Vater von Beverly seiner Tochter etwas zu lange über das Haar streicht, wenn der dicke Ben in der Bibliothek recherchiert und im Hintergrund die Bibliothekarin nicht weicht, wenn Stanley in der Synagoge ein Bild betrachtet und es irgendwann zurückschaut ….. das sind nur ein paar der vielen Szenen, bei denen es / „ES“ dich beklemmend schaudern macht. Chapeau.
Peter Dorn über Es
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