Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Zu wenig Nachwuchs,
zu wenig Verdienst
Ungewisse Zukunft für Fahrschulen: überaltertes Personal und rückläufige Schülerzahlen. Foto: dpa
Fahrschulen

Zu wenig Nachwuchs, zu wenig Verdienst

Digitalisierung und die rapide sinkende Zahl von Fahranfängern machen der Branche zu schaffen. Die Kosten für den Führerschein steigen weiter.

10.10.2017
  • HENNING KRAUDZUN

Für die Politik galten Fahrschulen bislang als schwieriges Terrain. Die Branchenverbände bekämpfen sich mit harten Bandagen, was eine Reform des Fahrlehrerberufs über viele Jahre fast unmöglich machte. Auch die wirtschaftliche Situation der Anbieter driftet immer weiter auseinander. Während kleine Unternehmen vor schwierigen Zeiten stehen, bewerten große Fahrschulen mit mehreren Zweigestellen und solche, die im Süden Deutschlands angesiedelt sind, ihre Lage positiv.

Dies spiegelt sich in einer aktuellen Studie von Moving, der Europäischen Vereinigung der Fahrausbilder, wider. Darin wird prognostiziert, dass bis 2030 jede zehnte Fahrschule schließt und es künftig bundesweit nur noch 10 000 Anbieter gibt. Schon jetzt sind die Fahrlehrer im Durchschnitt 53 Jahre alt. Nachwuchs ist angesichts geringer Verdienstmöglichkeiten kaum in Sicht. Der Studie zufolge verdient ein Fahrlehrer aktuell im Schnitt 2450 EUR, 700 EUR weniger als der Durchschnitt aller Berufsgruppen.

„Daher ist der Fahrlehrermangel unser größtes Problem“, sagt Jörg-Michael Satz, Präsident von Moving, der SÜDWEST PRESSE. Zwar seien insgesamt 44 000 Fahrlehrer registriert, „aber nur noch auf dem Papier“, betont Satz. Ein Viertel besitze noch die Ausbildungsberechtigung, arbeite aber längst in einem anderen Job. Auch die Gesetzesnovelle, die zum 1. Januar 2018 in Kraft tritt und mit der die Qualität der Fahrlehrerausbildung verbessert werden soll, könne diesen Trend nicht stoppen. „Die Branche muss attraktiver werden“, fordert Satz. „Gefragt sind gute Pädagogen, die auch die hohe Technikaffinität der heutigen Fahrschüler erfüllen können.“ Ein Beispiel: Über 50 Prozent der Jugendlichen würden gerne auch ein Elektroauto für ihre Ausbildung nutzen, aber nur 3 Prozent der Fahrschulen verfügen über einen „Stromer“.

Große Unterschiede gibt es auch bei den Führerscheinkosten. So wird für die Ausbildung im Süden Deutschlands im Schnitt 2055 EUR verlangt, in Ostdeutschland sind es 350 EUR weniger. Erhebliche Abweichungen gibt es auch zwischen den Fahrschulen in einer Region: Die großen Zweigstellen-Anbieter verlangen für eine Fahrstunde mit 40 EUR fast 4 EUR mehr als kleine Betriebe mit ein oder zwei Fahrlehrern. Insgesamt seien die Preise seit Anfang 2016 um 6 Prozent gestiegen, berichtet Satz. „Und sie werden weiter steigen.“

Die Fahrschulbranche steht vor einem Wandel, glaubt Gero Storjohann (CDU), Straßenverkehrsexperte der Unionsfraktion im Bundestag. „Es gibt unglaublich viele Geschäftsmodelle“, sagt er. So müssten auch ältere Autofahrer auf die Digitalisierung vorbereitet werden – hier seien Experten notwendig, die Innovationen erklären – auf freiwilliger Basis. Zudem werde an Verkehrskonzepten gearbeitet, in denen das Auto nicht mehr die absolute Hauptrolle spiele. „In dieser Legislaturperiode wird es wegweisende Entscheidungen geben.“ Den Fahrschulunternehmern rät Storjohann, die Gehälter deutlich anzuheben, um eine realistische Chance zu haben, neue Mitarbeiter zu gewinnen. „Die derzeit gute Auslastung bietet die Rahmenbedingungen“, meint er. Auch durch die in der Gesetzesnovelle festgeschriebene Kooperationsmöglichkeit könnten Fahrschulen dem Wettbewerbsdruck entgegenwirken.

„Manche behaupten, dass bald die letzten Führerscheine ausgegeben werden – das ist natürlich Quatsch“, sagt Karlheinz Steinmüller, wissenschaftlicher Direktor von „Z-punkt“, einer Beratungsagentur für Zukunftsfragen. Vielmehr müssten durch den Siegeszug des automatisierten Fahrens und den damit verbundenen rechtlichen Fragen neue Unterrichtsinhalte vermittelt werden. „Fahrlehrer können diese Entwicklung für sich nutzen. Aber sie bewegen sich zu wenig“, meint Steinmüller. „Auch wenn es künftig eine Google-Fahrschule geben sollte, existieren noch genügend Nischen.“

Freilich ist noch völlig offen, wann Brüssel eine neue Führerschein-Richtlinie vorlegen wird. Dem Bund seien die Hände gebunden, obwohl man Druck mache, heißt es im Berliner Verkehrsministerium. Immerhin will die EU-Kommission Anfang 2018 einen Bericht zu diesem Thema vorlegen.

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

10.10.2017, 06:00 Uhr
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden

Newsletter-bestellen

· Samstags verschicken wir die News der Woche, unser Klassiker: Die wichtigsten Themen und Geschichten direkt im E-Mail-Postfach. So bleiben Sie auch in der Ferne immer informiert, was in und rund um Tübingen passiert.
· Werktags versenden wir um 9 Uhr die News am Morgen mit den wichtigsten aktuellen Nachrichten.
· Sonntagabend kommt unser Sport-Newsletter mit den wichtigsten Lokalsport-Berichten und Ergebnissen vom Wochenende.

Um unsere Newsletter zu erhalten, müssen Sie sich anmelden oder sich neu als Benutzer registrieren. Ihre Daten werden ausschließlich für die Newsletter (nur falls Sie weitere Angebote des Verlags Schwäbisches Tagblatt wählen, auch für diese) verwendet. Ihre Daten werden nicht an andere Unternehmen weitergegeben.
 
Nachrichten aus ...
Reutlingen Wannweil Pliezhausen Walddorfh�slach Ammerbuch T?bingen Dettenhausen Kirchentellinsfurt Kusterdingen Gomaringen Dusslingen Ofterdingen Mössingen Nehren Bodelshausen Hirrlingen Neustetten Rottenburg Starzach Horb
Das Tagblatt bei
Facebook Google+ Twitter Instagram
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesen
Wirtschaft im Profil
Wirtschaft im Profil

Die aktuelle Ausgabe unseres Business-Magazins Wirtschaft im Profil
Neueste Artikel
Anzeige

Themen-Dossiers

Themen-Dossiers
Single des Tages
date-click
Das Tagblatt als E-Paper

Kontakt zum Kundenservice

Abonnement
07071/934-222
vertrieb@tagblatt.de

Anzeigen
07071/934-444
anzeigen@tagblatt.de

Kontakt zu den Redaktionen

Schwäbisches Tagblatt Tübingen
07071/934-0
redaktion@tagblatt.de

Neckar-Chronik Horb
07451/9009-30
nc@neckar-chronik.de

Tagblatt Online         
07071/934-314
online@tagblatt.de

Steinlach-Bote Mössingen
07473/9507-0
sb@tagblatt.de

Rottenburger Post
07472/1606-16
ro@tagblatt.de

Reutlinger Blatt
07121/3259-50
rt@tagblatt.de

Tagblatt Anzeiger
07071/934-344
tagblatt-anzeiger@tagblatt.de

Wirtschaft im Profil
07071/934-166
wip@tagblatt.de


Oder nutzen Sie unser Kontaktformular