Hokuspokus

Zauberer im Unruhestand

Von CAROLINE HOOWIECKI

Magier-Präsident Eberhard Riese gibt keine eigene Vorstellungen mehr. Er konzentriert sich auf die Ausbildung und die Moderation von Galas.

Zauberer im Unruhestand

Eberhard Riese vor einem Buch von 1608 über den Umgang mit Hexen. Foto: Caroline Holowiecki

Filderstadt. Zwei Kartenspiele, zwei Personen, die abheben, mischen... und dann doch wie von Zauberhand dieselbe Karte wählen. Er kann es noch. Eberhard Riese, 66 Jahre alt, Magier. Eigentlich hat er vor 15 Jahren den Zauberstab niedergelegt, verlernt hat er aber nichts. Selbst auf eine Armlänge Entfernung kommt man nicht drauf, wie der Trick funktioniert. Und Eberhard Rieses Lippen, die formen ein Lächeln und sind versiegelt. Ständig will jemand von ihm wissen, wie dieser Hokuspokus funktioniert. Keine Chance. Als Präsident des Magischen Zirkels von Deutschland nimmt er aber sowohl die Satzung als auch die Ehrenordnung sehr genau.

Seit sechs Jahren steht der Filderstädter der „internationalen Vereinigung der Zauberkünstler zur Pflege und Förderung der magischen Kunst“ vor. Etwa 3000 Mitglieder hat Europas größte Zaubervereinigung, Siegfried und Roy sind Ehrenmitglieder. 80 deutsche Ortszirkel gibt es, der Stuttgarter Klub, den Eberhard Riese seit Ende der 70er leitet, hat 103 Mitglieder und tagt zweimal im Monat in Sindelfingen.

Neue Kniffe oder Apparaturen aus dem Internet, die nicht funktionieren wollen, werden besprochen. Abgekupfert wird nicht. „Wenn einer was zeigt, ist das für die anderen tabu“, betont der Vereinschef.

Eberhard Riese hat Zauberkästen mitentworfen und ein Buch über perfekte Illusionen geschrieben. „Fundamente“, ein Magier-Standardwerk, wird aktuell ins Türkische und Chinesische übersetzt. Dabei hat er einen gar nicht übersinnlichen Beruf gelernt. Bis vor Kurzem unterrichtete er Deutsch, Geschichte und Mathe am Paracelsus-Gymnasium in Hohenheim.

Die Hinwendung zur Magie hatte denn auch einen eher pragmatischen Auslöser. Als er mit 17 einen Trick im Fernsehen sah, ging der Jugendliche schnurstracks in die Bücherei, um herauszufinden, wie der funktioniert. „Da bricht der Mathematiker durch. Ungelöste Probleme kann es nicht geben“, sagt er lachend. Seit einem Jahr ist er Pensionär, die Zauber-AG leitet er aber noch und ist auch der Theater-AG weiter verbunden. Gut denkbar, dass einer der Zauberlehrlinge Karriere macht, denn tatsächlich haben etliche Stars der Szene am Paracelsus-Gymnasium gelernt, Julius Frack etwa, Fisselspecht und Jojo. Der bekannteste ist Topas, der mit seiner Ehefrau Roxanne, einer ehemaligen Mitschülerin, große Hallen füllt. Riese ist sowohl Trauzeuge als auch Taufpate des ersten Zauberbabys.

Das aktive Abrakadabra hat er hinter sich gelassen. Er genüge heute seinen eigenen Ansprüchen nicht mehr, sagt er. Lieber bildet er junge Talente aus, moderiert Galas, und er stellt als Regisseur international große Shows auf die Beine. Aktuell plant er etwa das „Festival der Illusion“, das Anfang Januar in Sindelfingen steigt.

Doch ab und zu, da mischt er die Karten nochmal durch. Und tut dann am Tisch so, als ob er unsicher sei, ob‘s überhaupt noch klappt. Vermutlich ist das Teil der Illusion. Verraten wird er es sowieso nicht.


Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

(c) Alle Artikel und sonstigen Inhalte der Website sind urheberrechtlich geschützt. Eine Weiterverbreitung ist nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Verlags Schwäbisches Tagblatt gestattet.


04.10.2017 - 06:00 Uhr