Amnestie

Zahlreiche illegale Waffen im Umlauf

Von CAROLINE HOLOWIECKI

Bei den Behörden sind die ersten Pistolen, Gewehre und Revolver abgegeben worden. Die Aktion läuft bis Sommer 2018.

Zahlreiche illegale Waffen im Umlauf

Bis Sommer 2018 können Waffen straffrei bei Behörden abgegeben werden. Foto: dpa

Stuttgart. Seit Anfang Juli läuft wieder eine Amnestiephase für Waffenbesitzer. Noch bis 1. Juli 2018 können illegale Waffen sowie Munition abgegeben werden – es drohen ausdrücklich keine Strafen. Das wird genutzt. Acht Waffen (alle Zahlen: Stand 2. November) sind laut Stefan Praegert, dem Leiter der Stuttgarter Waffenbehörde, bislang in der Landeshauptstadt abgegeben worden: darunter Schreckschusswaffen und scharfe Erbstücke. Durch den Straferlass soll die Zahl der illegalen Waffen reduziert werden. „Wir sind froh über jede Waffe, die nicht im Umlauf ist“, sagt Praegert.

Das Ganze ist keine Stuttgarter Erfindung, sondern geht zurück auf eine Initiative des Bundes und ist in Paragraf 58 des Waffengesetzes verankert. Kostenfrei abgeben kann man Schießeisen, aber auch verbotene Gegenstände wie Butterfly- oder Fallmesser, Schlagringe und Stahlruten bei den Landratsämtern beziehungsweise den Verwaltungen von Großen Kreisstädten und der Polizei.

Dort kommt einiges zusammen. Beim Landratsamt Göppingen sind seit diesem Sommer fünf illegale und 37 legale Waffen abgegeben worden, das Landratsamt Ludwigsburg hat bislang acht illegale Langwaffen entgegengenommen. Im Zuständigkeitsbereich des Landratsamtes Reutlingen kamen fünf Büchsen, eine Flinte, ein Luftgewehr, fünf Pistolen und zwei Revolver zusammen.

Unregistrierte Geräte scheinen nach wie vor zahlreich im Umlauf zu sein, dabei hatte es bereits 2009 einen Amnestie-Vorstoß gegeben – als Reaktion auf den Amoklauf in Winnenden. Damals waren bundesweit rund 200 000 Schusswaffen vernichtet worden. Praegert erinnert sich an Warteschlagen vor der Stuttgarter Abgabestelle. Mehr als 70 Amnestiewaffen wurden innerhalb von fünf Monaten abgegeben. Zusätzlich ging ein Schreiben an registrierte Besitzer, ob sie angesichts der Ereignisse ihre – legalen – Schusswaffen nicht abgeben möchten. Effekt: 2009 gingen 2765 Waffen ein, im Jahr drauf nochmals 891. Zum Vergleich: Nach dem Amoklauf wurden beim Landratsamt Ludwigsburg rund 2000 Waffen abgegeben – jede zehnte eine illegale. Dem Landratsamt Göppingen wurden 618 Waffen übergeben, davon 112 illegale.

So oder so: Kontrolliert wird überall – angekündigt und unangekündigt sowie verdachtsunabhängig. Die Experten haben viel zu tun. Ende September gab es in Stuttgart knapp 3000 Waffenbesitzkarten – darauf sind Name, Zweck, Modelle und Seriennummern festgehalten – und 17 120 registrierte Waffen. Im Landkreis Göppingen sind 12 405 Waffen registriert (ohne Eislingen, Geislingen und Göppingen). Im Landkreis Ludwigsburg gibt es 2300 Waffenbesitzer mit 4943 Besitzkarten. Etwa 14 000 Waffen sind im Zuständigkeitsbereich des dortigen Landratsamts registriert – Große Kreisstädte sind dabei nicht mitgezählt. Und im Kreis Reutlingen gibt es 5499 Besitzkarten und 14 586 registrierte Waffen (ohne Metzingen und Reutlingen). Caroline Holowiecki


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07.11.2017 - 06:00 Uhr