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Arbeiter statt Engel

Wolfsburger Trainercoup: Dieter Hecking sticht Bernd Schuster aus

Weihnachtscoup des VfL Wolfsburg. Statt wie erwartet den "blonden Engel" Bernd Schuster verpflichtete der Fußball-Bundesligist den bisherigen Nürnberger Coach Dieter Hecking als neuen Trainer.

24.12.2012
  • DPA/SID

Wolfsburg Dieter Hecking statt Bernd Schuster - mit einem raffinierten Schachzug hat Klaus Allofs die erste Trainersuche in seiner langjährigen Manager-Karriere beendet. Der Geschäftsführer des VfL Wolfsburg holte den bisherigen Nürnberger Trainer Hecking aus dessen bis 2014 laufenden Vertrag zum finanzstarken VW-Club nach Niedersachsen. Eine Ausstiegsklausel, von der Allofs wusste, machte den Wechsel mitten in der Saison möglich.

Der 48 Jahre alte, als solider Arbeiter geltende Hecking soll mittelfristig für Ruhe, Kontinuität und sportlichen Erfolg beim deutschen Meister von 2009 sorgen - kurzfristig jedoch löste der vorweihnachtliche Coup ein mittleres Erdbeben bei seinem bisherigen Klub 1. FC Nürnberg aus. Der beim VfL Wolfsburg mehrere Tage als Top-Favorit gehandelte "blonde Engel" Bernd Schuster hatte sich bei den Verhandlungen mit immer neuen Forderungen offenbar verzockt - und muss weiterhin auf seinen ersten Bundesliga-Job warten. Ausgerechnet an seinem 53. Geburtstag handelte sich der gebürtige Augsburger die Absage ein - auch weil sich ein Großteil der Wolfsburger Fans gegen Schuster ausgesprochen hatte.

"Hecking erhält einen Vertrag bis 2016", bestätigte Allofs. "Sicherlich spielen auch die wirtschaftliche und familiäre Situation eine Rolle", erläuterte Hecking in der "Bild am Sonntag" die Gründe für seinen Wechsel. Die Familie des früheren Bundesliga-Profis wohnt in Bad Nenndorf bei Hannover, rund 110 Kilometer von Wolfsburg entfernt. "Klaus Allofs hat mir die sportliche Perspektive in Wolfsburg aufgezeigt, und er war sehr überzeugend", so Hecking.

Der neue Wolfsburger Trainer, der auf Cheftrainer Felix Magath und den bei vielen VfL-Fans sehr beliebten Interimscoach Lorenz-Günther Köstner folgt, kann sein neues Team erstmals am 3. Januar begrüßen. Dann beginnt für den VfL Wolfsburg die Vorbereitung auf die Rückrunde mit einem Trainingslager in Belek.

Für Hecking ist es bereits der zweite Wechsel aus einem laufenden Vertrag zu einem anderen Club. Im September 2006 hatte er nach drei Bundesliga-Spieltagen den Aufsteiger Alemannia Aachen, den er zuvor in die höchste Liga geführt hatte, verlassen und ein Angebot von Hannover 96 angenommen.

In Wolfsburg findet Hecking nun finanzielle Verhältnisse vor, die er bei seinen Engagements in Aachen, Hannover und Nürnberg nicht kannte. Dennoch leistete er stets gute Arbeit, was ihn für größere Vereine interessant machte.

750 000 Euro soll Wolfsburgs Mutterkonzern Volkswagen für den als akribischen Arbeiter bekannten Hecking bezahlt haben. Sehr zum Leidwesen des 1. FC Nürnberg, der in der Hinrunde mit Hecking pikanterweise einen Punkt mehr holte als der VfL Wolfsburg. Doch mit den finanziellen Mitteln des Werksklubs können die Nürnberger nicht mithalten - und Hecking somit auch keine hochtrabende sportliche Perspektive bieten.

"Es fällt schwer, Nürnberg zu verlassen. Aber ich habe mir auch gesagt: Dieter, jetzt musst du auch an dich denken! Natürlich will ich mich auch in meiner Trainerkarriere weiterentwickeln", begründete Hecking seinen Wechsel. Der Nachfolger von Magath und Interimscoach Köstner steht für langfristige Planungen. Daran fehlte es zuletzt beim VfL Wolfsburg. Seit der Meisterschaft 2009 ist Hecking bereits der sechste Trainer bei den Niedersachsen.

Wolfsburger Trainercoup: Dieter Hecking sticht Bernd Schuster aus
Sieht beim VfL Wolfsburg ganz andere Perspektiven als bei seinem bisherigen Club 1. FC Nürnberg: Trainer Dieter Hecking. Foto: dpa

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24.12.2012, 12:00 Uhr
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