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Den meisten trinken Finnen

Wissenswertes rund um den Kaffee in der Mössinger Rösterei

Rund 30 Kaffeeliebhaber lernten jüngst, wo die Früchte für ihr Frühstücksgetränk wachsen und wie aus den bleichen Kernen schwarze Bohnen werden. Im Auftrag der Tübinger Familienbildungsstätte führte Florian Kühnberger durch die Mössinger Kaffeerösterei.

23.01.2013
  • von Susanne Mutschler

Mössingen. Christa Gerhardt und Gertrud Vogt haben den verlockenden Duft von frisch gerösteten Kaffeebohnen in der Nase, seit Hans Nill 1982 seine Spezialitäten-Compagnie in der Mössinger Karl-Jaggy-Straße begann. Der Wind trug den feinen Geruch bis zu ihren Häusern „In der Breite“.

Inzwischen ist die Kaffeerösterei in die Schlattwiesen umgezogen, und der Chef heißt nicht mehr Hans Nill, sondern Eberhard Stöckel. Nur „Probat“, wie die rüstige Röstmaschine aus dem Jahr 1953 heißt, ist noch ganz die Alte. Am Freitag konnten die beiden Mössingerinnen sie endlich aus der Nähe kennenlernen.

Die Trommel der Maschine wird unsichtbar ringsum von Gasflammen befeuert. Rührarme im Inneren sorgen „wie bei einer Betonmischmaschine“ dafür, dass die grünlichen Trockenbohnen während des Röstens ständig in Bewegung bleiben. „Ich röste nur nach Optik“, verriet Kühnberger. Laufend kontrollierte er den Grad der Bräunung, bis er nach etwa 20 Minuten perfekt tiefbraune Antigua-Bohnen aus Guatemala auf das Kühlsieb rieseln ließ.

„In Deutschland wird mehr Kaffee als Mineralwasser getrunken“, wusste der seit 17 Jahren in der Rösterei arbeitende Kühnberger. 6,4 Kilo ist der jährliche Pro-Kopf-Verbrauch des Muntermachers. Italien stehe in Weltmaßstab „weit abgeschlagen“ an achter Stelle. Erstaunlicherweise wird der meiste Kaffee in Finnland verputzt. „Wahrscheinlich, weil es dort so früh dunkel wird“, vermutete der Mössinger Kaffeeexperte.

Mit einer Auswahl von 60 verschiedenen Kaffee- und 20 Espressosorten liege die Mössinger Rösterei an der Spitze Deutschland, erklärte er. Kaffee sei mit über 1000 flüchtigen Stoffen das aromareichste Lebensmittel. Für die Differenzierung des Geschmacks entscheiden – wie beim Wein – die Lage und Herkunft. Der Biokaffee aus Peru, den die Besucher probierten, bestach durch eine nussige Note, der Kuba-Kaffee enthielt typische Nuancen von Tabak.

50 der 70 Länder, die geografisch zum „Kaffeegürtel“ rund um die Erde gehören, sind Exporteure, wobei Kühnberger Vietnam als den Hauptlieferanten billiger Massenware bezeichnet. Hochwertige aromareiche Hochland-Sorten wachsen in milden Regionen mit über 800 Metern Höhe wie Brasilien und Kolumbien.

„Der Farrenberg eignet sich nicht“, scherzte Kühnberger. Herber schmeckender Kaffee aus dem Flachland wird für Espresso verwendet. Der Kaffeestrauch trägt ständig gleichzeitig Blüten, Knospen und reife Kirschen. Damit keine unreifen Früchte in die Ernte geraten, legt die Mössinger Rösterei Wert auf handgepflückte Kirschen. Nur die gewaschenen und getrockneten Kerne der Kirschen werden ins Steinlachtal geschickt. Ein stattlicher Vorrat prall gefüllter Jutesäcke mit exotischen Aufdrucken lagert in den Regalen der Rösterei.

Durch die „Probat“-Maschine gehen jährlich 50 Tonnen Kaffeebohnen, zehn Prozent davon stammen aus biologischem Anbau. Verglichen mit den internationalen Kaffeegiganten, die täglich bis zu 60 Tonnen abfüllen, erschien den Besuchern die Menge im Mössinger Betrieb fast wieder überschaubar.

Wissenswertes rund um den Kaffee in der Mössinger Rösterei
Hochland vom Fuße des Farrenbergs – Blick in die Mössinger Kaffeerösterei: Florian Kühnberger führt hier den Röstvorgang vor. Bild: Rippmann

Eberhard Stöckel berichtete vom Projekt des „Partnerschaftskaffees“. Der Kontakt mit der Kooperative Las Granadillas in Guatemala, der über den ehemaligen Schramberger Pfarrer Michael Hauser zustande kam, „muss immer wieder erneuert werden“, denn die Kleinbauern der Kooperative seien ständig dem Druck der Großgrundbesitzer ausgesetzt.
Stöckel wusste, dass die Kaffeepflanzen biologisch angebaut werden, doch für eine Zertifizierung fehle das Geld. Bis Ende März wird eine Tonne frisch geernteter und bereits vorfinanzierter Kaffeebohnen von Las Granadillas erwartet. „Das Geld ging direkt an die Kaffeebauern“, erklärte Stöckel, wie fairer Handel funktioniert.
Von vielen evangelischen Kirchengemeinden liegen ihm schon Bestellungen für den „ausgewogenen Arabica-Kaffee“ vor. „Wir hätten gerne mehr davon“, plant er.

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23.01.2013, 12:00 Uhr
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