Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
„Wir wollen keine Klischees“
Er spielt den Kommissar Friedemann Berg: Hans-Jochen Wagner. Foto: dpa
Hans-Jochen Wagner über den Schwarzwald-Tatort

„Wir wollen keine Klischees“

Der neue „Tatort“-Kommissar Hans-Jochen Wagner spricht im Interview über sein Debüt als Ermittler im Schwarzwald, die Absage von Harald Schmidt und eine Rolle als Leiche im Kofferraum.

29.09.2017
  • CORNELIA WYSTRICHOWSKI

Berlin. Ein neues Ermittlerpaar tritt seinen Dienst im „Tatort“ an: Hans-Jochen Wagner und Eva Löbau ermitteln im Schwarzwald. In der Folge „Tatort: Goldbach“ am Sonntag lösen sie als Ermittlerteam Friedemann Berg und Franziska Tobler ihren ersten Fall. In dem Film wird in einem Dorf ein Kind erschossen, ein anderes verschwindet spurlos. Eigentlich hatte Harald Schmidt den Kommissariats-Chef spielen sollen, war vor Drehbeginn aber überraschend abgesprungen.

Herr Wagner, Sie ermitteln als Kommissar im neuen Schwarzwald-„Tatort“. Empfinden Sie das als einen Ritterschlag?

Hans-Jochen Wagner: Ich würde nicht sagen, dass der „Tatort“ an sich ein Ritterschlag ist, denn es ist heute kein Alleinstellungsmerkmal mehr, „Tatort“-Kommissar zu sein. Es ist ja auch nicht so, dass man dadurch Multimillionär wird und ansonsten die Beine hochlegen kann (lacht). Aber ich freue mich, dass ich zu den sehr speziellen Schwarzwald-Krimis, wie sie geplant sind, passe. Es ist eine schöne Anerkennung für mich, dass man mir zutraut, interessant genug zu sein.

Was genau wird an den neuen Krimis speziell?

Ein Krimi, bei dem keine Stadt, sondern ein Wald im Zentrum steht – das ist etwas Besonderes. So etwas wie den Schwarzwald-„Tatort“ gibt es nur ganz selten. Der Typus Mensch, der viel Platz um sich herum hat und der Natur ausgesetzt ist, unterscheidet sich von jemandem, der sich in der Großstadt bewegt.

Sie spielen einen Badener, sind selber aber Schwabe. Sie sind in Tübingen aufgewachsen, nur einen Katzensprung vom Schwarzwald entfernt. Was mögen Sie an der Region?

Es ist eine Gegend, aus der immer wieder innovative Impulse kamen, außerdem haben Baden und Württemberg eine lange Tradition von Revolution. Die Menschen sind eigenbrötlerisch, aber sie haben das Herz am rechten Fleck. Sie haben markante Eigenheiten und es gibt ein großes Konfliktpotential zwischen Württemberg und Baden. Ich selber bin ja Schwabe und kein Badener und kenne das bestens.

Harald Schmidt, der ebenfalls Schwabe ist, hätte im Schwarzwald-„Tatort“ eigentlich Ihren Vorgesetzten spielen sollen. Er hat dann aber abgesagt. Bedauern Sie das?

Ich habe ihn erst bei der Pressekonferenz zum „Tatort“ kennengelernt und fand ihn da sehr sympathisch. Aber ich habe noch nie mit ihm gearbeitet und weiß deshalb nicht, ob es ein Vor- oder Nachteil gewesen wäre. Es wäre sicherlich interessant gewesen.

Er hätte viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen und Ihnen und Ihrer Kollegin Eva Löbau weggenommen …

Dafür hätte er aber gar nichts gekonnt, das wären ja die Zuschauer gewesen, die das gemacht hätten. Ich habe ihn bei der Pressekonferenz als sehr kollegial erlebt und hatte nicht den Eindruck, dass er eine Rampensau ist, sondern dass er großen Respekt vor der Schauspielkunst hat.

Sie haben bemängelt, dass das Fernsehen Ihrer Meinung nach seinem Bildungsauftrag zu selten gerecht wird. Müssen die Zuschauer befürchten, dass im Schwarzwald-„Tatort“ ständig der pädagogische Zeigefinger erhoben wird?

Nein, ein gut gemachter Film ist ja auch Bildung, ohne dass da ständig pädagogische Informationen reingepackt werden. Natürlich muss Fernsehen auch unterhalten. Aber ich finde schon, dass der Anspruch an den „Tatort“ insgesamt hoch sein muss. Es ist ein Format, bei dem man auch experimentieren kann, und wir wollen zwar niemanden verstören, aber wir wollen das machen, was uns interessiert, und hoffen, dass das beim Publikum gut ankommt.

Sind Sie selber ein „Tatort“-Fan? Welches sind Ihre Lieblingsermittler?

Ja, ich gucke sehr gerne „Tatort“, wenn ich Zeit habe, aber Namen von Kollegen möchte ich nicht so gerne nennen.

Es ist ja nicht Ihr erster „Tatort“-Auftritt, Sie hatten schon zahlreiche Gastrollen. Können Sie sich noch an alle erinnern?

Ich müsste mal selber nachschauen, wie viele das waren, es waren schon einige. Bei einem Stuttgarter „Tatort“ musste ich mal tot im Kofferraum liegen, das war sehr eng und meine Mutter fand es nicht so toll – sie sagte, dass sie so was eigentlich nicht sehen möchte. Ich habe ihr versprochen, dass ich das nicht mehr mache.

Info „Tatort: Goldbach“, Sonntag, ARD, 20.15 Uhr

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

29.09.2017, 06:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Die Kommentarfunktionalität wurde für diesen Artikel deaktiviert.
 
Aus der Filmregion
Neueste Artikel
Filme aus der arabischen Welt Tausende Besucher bei Tübingen Filmfestival
Nachruf · Klaus-Peter Eichele Ein Weltbeobachter und Romantiker
Arabisches Filmfestival Eine Kindheit im Iran
Über Punk-Rock aus Reutlingen 30 Jahre Sumpfpäpste in einem Dokumentarfilm
Arabisches Filmfestival mit weiblicher Handschrift Auftakt mit einer Reise durch den Irak
Film Commission auf Tour So filmreif ist die Region
Zuletzt kommentiert
… „ES“ ist ein Kinderfilm für Erwachsene, denn die Helden sind allesamt angehende Teens. Es sind Pubertierende mit all ihren Nöten aus körperlichen Defiziten, großkotzigen Bullies, die die Stadt zu „ihrer“ Stadt erklären, übergriffigen Eltern und vor allem mit einem uralten Schrecken, der der Stadt schon bei der Gründung eingeschrieben wurde: Pennywise. Das alles kommt so fein austariert und bis ins letzte Detail stimmig umgesetzt daher, dass die Kinder dem empfindsamen Zuschauer recht bald ans Herz wachsen, Kinder einer Zeit und Kultur, in der der Horror für Stephen King noch aus dem Kleinstädtischen erwuchs. „ES“ spart nicht an einigen krassen Effekten, ist aber in seinen besten Momenten (und die sind beileibe nicht rar) dort am stärksten, wo es um das scheinbar Nebensächliche und Beiläufige geht: Wenn der Vater von Beverly seiner Tochter etwas zu lange über das Haar streicht, wenn der dicke Ben in der Bibliothek recherchiert und im Hintergrund die Bibliothekarin nicht weicht, wenn Stanley in der Synagoge ein Bild betrachtet und es irgendwann zurückschaut ….. das sind nur ein paar der vielen Szenen, bei denen es / „ES“ dich beklemmend schaudern macht. Chapeau.
Peter Dorn über Es
Aus der Filmwelt
Neueste Artikel
„Es ist ein großes Puzzle“ Hochklassige Miniserie an vier Abenden
Jean Rochefort ist gestorben Mit Schalk, Charme und Schnauzbart
Stephen Kings „Es“-Verfilmung Es ist zum Fürchten
Harry Dean Stanton mit 91 Jahren gestorben Ein Gesicht, das alles erzählt
Neue Trailer
Neueste
Das Tagblatt bei
Facebook Google+ Twitter Instagram

Kino Suche im Bereich
nach Begriff

Kontakt zum Kundenservice

Abonnement
07071/934-222
vertrieb@tagblatt.de

Anzeigen
07071/934-444
anzeigen@tagblatt.de

Kontakt zu den Redaktionen

Schwäbisches Tagblatt Tübingen
07071/934-0
redaktion@tagblatt.de

Neckar-Chronik Horb
07451/9009-30
nc@neckar-chronik.de

Tagblatt Online         
07071/934-314
online@tagblatt.de

Steinlach-Bote Mössingen
07473/9507-0
sb@tagblatt.de

Rottenburger Post
07472/1606-16
ro@tagblatt.de

Reutlinger Blatt
07121/3259-50
rt@tagblatt.de

Tagblatt Anzeiger
07071/934-344
tagblatt-anzeiger@tagblatt.de

Wirtschaft im Profil
07071/934-166
wip@tagblatt.de


Oder nutzen Sie unser Kontaktformular