Rottenburg

Willkürliche Mischung

Von Alfred Buchholz, Rottenburg

Eine naturnah angelegte öffentliche Grünfläche in Wurmlingen hat sich üppig entwickelt – und zwar eher als erwartet (Rottenburger Post vom 14. September). Zur Frage, was naturnah ist, hatte sich Alfred Buchholz aus Rottenburg in einem Leserbrief am 23. September geäußert – und von Landschaftsgärtner Werner Krauss Antwort erhalten (12. Oktober).

Sehr geehrter Herr Krauss,

gebietsheimisches Saatgut zu verwenden ist prinzipiell eine gute Sache. Bei einigen von Ihnen gepflanzten Arten frage ich mich, wie das möglich ist, da sie in der spontanen Flora bei uns fehlen. Die im Herbst dominierende Art ihrer Pflanzung, die Färber-Kamille, ist eine Art, die im oberen Neckarraum seit Jahrzehnten nicht beobachtet worden ist (Quelle: http://www.florabw.recorder-d.de/). Noch drastischer ist die Situation bei der Ochsenzunge, die im Oberrheingebiet noch vorkommt. Das Löwenmäulchen, das bei uns zwar verwildert, ist vom Ursprung her westmediterran. Typische Arten der Regionalflora wie Wiesen-Margerite sind vertreten, bleiben aber von der Menge untergeordnet.

In Summe entspricht die Zusammenstellung keiner gebietstypischen Pflanzengesellschaft wie zum Beispiel einem Blutstorchschnabel-Saum, sondern ist eine willkürliche Mischung von Pflanzen verschiedenster ökologischer Standorte.

In Gärten ist eine über die standortsheimische Flora hinausgehende Vielfalt schön, aber das ist klar von einem natürlichen oder naturnahen Bestand zu unterscheiden. Der lockere Umgang mit Begriffen wie Nachhaltigkeit untergräbt ihren Sinn, auch wenn geschäftliche Interessen eine weite Dehnung des zugkräftigen Schlagwortes nahelegen.


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07.11.2017 - 01:00 Uhr