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Traditionsreich absaufen

Wie man Tübingens Spaßsportevent Nummer eins auf die Beine stellt

Im vergangenen Jahr sind sie abgesoffen. Deshalb muss die Sängerschaft Hohentübingen heuer das Stocherkahnrennen ausrichten. Albrecht Raible vom Organisationsteam erklärt dem TAGBLATT, was zu tun ist.

24.05.2016
  • Kathrin Löffler

Tübingen. 4. Juni 2015, die Sonne lacht, ein schöner Tag. Also für die Menge auf der Neckarmauer. Denn die johlt hämisch: „Wir trinken Bier! Was trinkt ihr?“ Für die Sängerschaft Hohentübingen: nicht. Deren Rennteam schüttet sich Lebertran in die Kehle. Immerhin so tapfer wie brechreizlos.

Verbockt hat es der Stocherer: Nach dem Nadelöhr lenkt er den Kahn zu spät in die richtige Richtung. Er selber fällt anmutig wie ein Turnbeutel rücklings ins Wasser. Der Kahn driftet indes immer weiter ab. Bis das Ding auf Kurs gebracht und die Besatzung wieder einsortiert ist, dauert es. So lange, dass im Youtube-Video vom Rennen ein Zeitraffer bemüht werden muss. Und so lange, dass alle anderen vorbeiziehen. Die Sängerschaft Hohentübingen belegt beim Stocherkahnrennen 2015 den letzten Platz. Gemäß der Statuten müssen sie deshalb die Neuauflage am kommenden Donnerstag stemmen.

Das Tübinger Stocherkahnrennen ist fixe Größe im hiesigen Veranstaltungskalender. Bis zu 10 000 Zuschauer kommen, um Stadt und Fluss und studentische Gepflogenheit zu sehen: ein touristisches Pfund. Ist es stressig, so eine Renommeeveranstaltung vorzubereiten? Albrecht Raible sagt: „Es hält sich in Grenzen.“ Raible ist 30, Amerikanistik-Student, Sprecher des fünfköpfigen Organisationsteams der Sängerschaft und eigentlich: unschuldig. Er saß 2015 gar nicht im Verliererkahn. In den Vorjahren ist aber auch schon mitgefahren. War „ein Riesenspaß“.

Die Vorbereitungsgruppe hat sich innerhalb der Studentenverbindung aus jenen Mitgliedern zusammengefunden, die schon Erfahrung in der Festplanung mitbrachten – oder gerade ein bisschen Zeit hatten. Senior und Consenior, der Vorsitzende der Aktiven und sein Stellvertreter, mussten ohnehin ran.

Direkt nach der Niederlage tauschte sich die Sängerschaft mit der Akademischen Verbindung Igel aus. Die hatte das Stocherkahnrennen 2015 veranstaltet. Mehr noch: „Sie haben es professionalisiert“, sagt Raible, und nennt beispielhaft die Audio-Übertragung rund ums Rennen.

Für die Sängerschaft begann die heiße Phase im Februar. Auf der To-Do-Liste stand: Mäzene suchen, für ein gastronomisches Angebot auf der Neckarinsel sorgen, abklären, wer dort wie sein Zelt platziert haben möchte, mit dem Bürger- und Verkehrsverein (BVV) einen Flyer gestalten, Rücksprache mit dem Rathaus halten, Startzeiten festlegen. Die Wahl fiel auf die klassischen: Ab 11.30 Uhr gibt es an Fronleichnam Essen und Trinken auf der Neckarinsel, um 13 Uhr ist Kostümparade aller Teilnehmer, um 14 Uhr Rennbeginn.

Die Verbindung konnte bei der Vorbereitung aber auf ein bewährtes Grundgerüst bauen: Stadt, BVV und Tübinger Firmen sind jedes Jahr mit dabei. Raible beschreibt das als „sicheres Netz“. Ihn beeindruckt zu sehen, „wie das alles ineinander greift“.

In den letzten Tagen vor dem Rennen gilt es, die Helfer einzuteilen. Es braucht Zupackende beim Auf- und Abbau und Springer für die Getränkeversorgung. Ganz wichtig: Streckenposten. Am allerwichtigsten: Streckenposten am Nadelöhr. Die müssen kontrollieren, ob alle Kähne die Engstelle an der Neckarbrücke tatsächlich zwei Mal passieren. Außerdem haben die Aufpasser dort den besten Blick und sehen, ob eine Gruppe mit verbotenen Schöpfgegenständen bescheißt. Die Treppe zur Insel hält ein professioneller Sicherheitsdienst frei.

Als Organisatoren stellt sich die Sängerschaft heuer nicht der Konkurrenz. Die Plätze im eigenen Kahn hat sie versteigert, der Erlös geht an ein Projekt der Bonhoeffer-Häuser für minderjährige unbegleitete Flüchtlinge. Insgesamt gehen am Donnerstag 53 Studentenverbindungen, Vereine und andere Gruppen an den Start.

Das Regelwerk hat die Sängerschaft nicht angefasst (siehe Kasten). In der Vergangenheit waren nicht alle Ausrichter so zurückhaltend. 2003 sollte sämtlichen nicht studentischen Kahnbesatzungen eine Teilnahme versagt werden. Großer Aufschrei, mittlerer Skandal, letztlich fanden damals zwei Rennen statt. Raible betont: Es handle sich um ein regional und kulturell bedeutendes Event in Tübingen. Dessen „Traditionscharakter“ gelte es zu bewahren. Etwa von einem großen Hauptsponsor will man sich da nichts diktieren und umgestalten lassen.

Was macht das Ereignis so strahlkräftig? Raible analysiert: „Dass es lustig ist.“ Das Amateurhafte der manchmal nicht ganz so sportlichen Wassersportler, die Kollisionen, die Stürze, das amüsante Versagen: Das zieht. Und das Stocherkahnrennen hat Kollektivcharakter: „Da kommt Tübingen wirklich zusammen.“

Die Organisation einer solchen Riesensause könnte ja auch für die eigene Karriereplanung von Nutzen sein und Erfahrungswerte liefern. Könnte, muss aber nicht. Raible sagt: „Ins Veranstaltungsmanagement zieht es mich nicht.“

Eine kleine Regelkunde für übermorgen:

Am Donnerstag, 26. Mai, gibt es das Stocherkahnrennen in seiner 61. Auflage. Zur Auffrischung für alle Zuschauer: Mitmachen dürfen Besatzungen von jeweils acht Personen, gestochert werden darf nur mit einer Holzstange, Armen oder Beinen. Wer andere Fortbewegungshilfen an Bord schmuggelt, wird disqualifiziert. Auch verboten: absichtlich Verlieren. Das Nadelöhr an der Neckarbrücke muss jede Mannschaft zwei Mal passieren. Die Gewinner bekommen ein 30-Liter-Fass Bier. Die Verlierer tun ihrer Gesundheit etwas Gutes und schlucken jede Menge Omega-3-Fettsäuren, Jod, Vitamin E, A und D: Sie müssen einen halben Liter Lebertran exen. Wer sich besonders hübsch macht, kriegt auch was: Den Kostümpreis vergibt das Stocherkahngericht. Heuer besteht es aus vier sogenannten Hohentübinger Damen, also Freundinnen von Verbindungsbrüdern der Sängerschaft.

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24.05.2016, 01:00 Uhr
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