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Whatsapp: Mach dich nicht nackig im Netz!

Von Volker Rekittke

Gerüchten zufolge will die Post demnächst neue allgemeine Geschäftsbedingungen (AGB) herausgegeben – möglicherweise im Zusammenhang mit einer Übernahme der Post durch Facebook. Das Geschäftsfeld Werbung solle optimiert werden, heißt es. Kunden könnten damit womöglich Portoerhöhungen erspart bleiben.

Unbestätigten Quellen zufolge sollen die neuen AGB vorsehen, dass die Postboten einen Haustürschlüssel erhalten und uneingeschränkten Zugang zu Schreibtisch und Ablagen des Kunden, dort vor allem zu seinem persönlichen Adressbuch, haben. Der Zugang soll unabhängig von Postzustellungen erfolgen, ohne vorherige Ankündigung und ohne dass der Kunde etwas davon bemerkt. Allerdings solle, wer sich den neuen AGB verweigert, von sämtlichen Dienstleistungen der Post, Zustellungen wie Versendungen, komplett ausgeschlossen werden…

Das hört sich schräg an? Nach Satire? Ist es auch. Mal ehrlich: Kein vernunftbegabter Mensch würde solchen Post-AGB zustimmen. Doch im Internet ist alles anders, sind Datenschutz und Privatsphäre offensichtlich nicht so wichtig. Millionen dürften den neuen AGB des Kurzmitteilungsdienstes Whatsapp bereits zugestimmt haben. Und die sind nicht ohne. Noch bei der 22-Milliarden-Dollar-Übernahme von Whatsapp durch Facebook 2014 wurde versichert, die Daten beider Unternehmen getrennt zu lassen. Zwei Jahre später ist alles anders.

„Facebook und Whatsapp planen offenbar einen umfassenden Datenaustausch untereinander. Das betrifft Millionen von Nutzern allein in Deutschland“, sagte der Hamburger Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar unlängst gegenüber „heise online“. Was den für Facebook Deutschland zuständigen Datenschützer besonders stört: „Es kann nicht sein, dass Daten der vielen Millionen Nutzer zwischen Unternehmen eines Konzerns beliebig hin- und hergeschoben werden können.“ Das betrifft sogar Namen und Telefonnummern von Menschen, die Whatsapp gar nicht nutzen, die aber im Handy-Adressbuch stehen.

Metadaten (Name, Telefonnummer, Standort, wer mit wem wann und wie lange telefoniert) haben es in sich, darauf verweisen Datenschützer immer wieder. So kann aus Verbindungs- oder Ortungsdaten ein ziemlich genaues Profil über einen Menschen zusammengefügt werden. Wissenschaftler der amerikanischen Stanford-Universität haben in einer Studie nachgewiesen, dass sich mit Metadaten etliche private Informationen gewinnen lassen – etwa zu Liebschaften, Religionszugehörigkeit oder gesundheitlichen Problemen.

Was tun? Ein grünes Häkchen in den neuen Whatsapp-AGB entfernen, reicht jedenfalls nicht. Wer Autonomie über seine Daten behalten will, dem bleibt nur: 1. Whatsapp-Konto löschen, 2. Whatsapp deinstallieren, 3. Whatsapp nie wieder installieren. Und dann? Möglichst viele Freunde und Bekannte überzeugen – am besten vor Löschung des Whatsapp-Kontos – die App eines sicheren Anbieters zu installieren, zum Beispiel Threema. Die Schweizer Firma gibt keine Nutzerdaten weiter und hat die Kommunikation von Anfang an verschlüsselt. Dafür kostet diese App auch etwas – wenn auch nicht viel mehr als ein Cappuccino.


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14.09.2016 - 01:00 Uhr