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Ohne Bruddeln geht es nicht

Wetter und Wettbewerb: Welche Berlinale-Klischees stimmen?

Das Kino greift gern auf Klischees zurück. Kein Wunder, dass auch Filmfestival-Gänger sich stereotyper Meinungen nicht entziehen können. Doch welche Berlinale-Klischees stimmen? Ein Testbericht.

16.02.2011
  • von MAGDI ABOUL-KHEIR

"Die Berlinale-Tasche war letztes Jahr schöner", "Die Berlinale ist kein A-Festival mehr", "Spielt Moritz Bleibtreu in jedem deutschen Film mit?" Es gibt ein paar Sätze, die man in Berlin derzeit Tag für Tag dutzendfach zu hören bekommt. Doch werden sie dadurch zutreffender?

"Das Berlinale-Wetter ist eine absolute Unverschämtheit." Ja, fast immer. Kalt, windig, matschig: halt Berlin im Februar. Deswegen geht man ja auch ins Kino, drinnen ist es warm und trocken. Und auf der Leinwand scheint hin und wieder die Sonne - in Wim Wenders "Pina" sogar in Wuppertal, was metereologisch einen noch schlechteren Ruf als Berlin hat.

"So schwach war der Wettbewerb schon lange nicht mehr." Wird jedes Jahr geschimpft. Zum Jahrgang 2011 ist festzuhalten: Es laufen 22 Filme im Wettbewerb, davon sind aber gleich sechs "außer Konkurrenz". Das wirkt schon etwas dünn, erhöht zudem die Bärenchancen mittelmäßiger Werke.

"Heute gehts im Wettbewerb richtig los." Das hört man - unabhängig vom vorherigen Klischeesatz - wirklich jeden Morgen. Und alsbald herrscht Enttäuschung. Aber halt: Gestern feierte das iranische Scheidungsdrama "Nader und Simin, eine Trennung" Premiere. Was für ein berührender, schmerzhafter, präziser Film über Schuld, Sühne und Schicksal. Ja, der Wettbewerb hat angefangen. Ach was, das hat er schon längst.

"Es kommen zu wenig Stars nach Berlin." Jeff Bridges zur Eröffnung, dann Madonna, die "Cinema for Peace"-Gala mit Sean Penn, Christopher Lee & Co., Ralph Fiennes und Vanessa Redgrave stellten "Coriolanus" vor, Liam Neeson wird erwartet. Wenn noch mehr Promis anrücken, heißt es: "Hier wird zu sehr auf Stars gesetzt." Bla, bla.

"Die einzige Art, Filme zu sehen", ist Original mit Untertiteln." Naja, stimmt eigentlich schon. Wie soll man koreanische Mundfaulheit oder Ehestreit auf Farsi wirklich adäquat übersetzen? Merkwürdig wirds fürs heimische Publikum nur, wenn es einen deutschen Film mit englischen Untertiteln ansieht - und die dann treudoof mitliest. Freilich beschleichen einen angesichts so mancher Übersetzung Zweifel. Wieso wird der russische Film "V Subbotu", was "An einem Samstag" heißt, international als "Innocent Saturday" vorgestellt? Wo es doch um einen gar nicht unschuldigen Samstag geht, sondern um den Tag, an dem das Atomkraftwerk Tschernobyl in die Luft flog?

"Der Film, den ich gestern verpasst habe, wird bestimmt den Goldenen Bären gewinnen." Ja, das ist immer so. Ausnahmslos.

"Ich weiß nicht, ob ich es morgen früh wieder schon um neun ins Kino schaffe." Doch, man schafft es. Sonst verpasst man ja ausgerechnet den besten Film.

Wetter und Wettbewerb: Welche Berlinale-Klischees stimmen?
Zu wenige Stars, oder doch eher zu viele? Vanessa Redgrave und Ralph Fiennes präsentierten "Coriolanus". Foto: dpa

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16.02.2011, 12:00 Uhr

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