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Alternativen zu WhatsApp-Facebook-Allianz

Wer die Weitergabe von Daten ablehnt, muss den Messenger wohl wechseln

WhatsApp reicht Daten seiner Nutzer an Facebook weiter. Verhindern lässt sich das nicht völlig. Wer es nicht möchte, der kann wechseln.

05.10.2016
  • GEORG H. PRZIKLING & INA MATTHES

Als Facebook vor mehr als zwei Jahren WhatsApp kaufte, hieß es: Die Dienste bleiben getrennt. Das ist Geschichte. Ende August veröffentlichte der Messenger WhatsApp seine neuen Geschäftsbedingungen. Danach werden jetzt doch Daten an Facebook weitergegeben: die Telefonnummern der Nutzer und Informationen, wie häufig sie den Messenger einsetzen.

Auf die Inhalte der ausgetauschten Nachrichten allerdings hat Facebook keinen Zugriff, wie WhatsApp mitteilte. Sie sind Ende-zu-Ende verschlüsselt und bleiben geheim.

Mittels Update-Nachricht fordert WhatsApp seine Nutzer nun auf, den neuen Geschäftsbedingungen und Datenschutzbestimmungen zuzustimmen. Zwar können WhatsApp-Nutzer, die auch auf Facebook unterwegs sind, untersagen, dass Facebook ihre Daten für eine zielgerichtete Werbung einsetzt. Eine Übertragung von Rufnummer und Nutzungsdaten aber können sie auch mit diesem Widerspruch nicht verhindern. Wer das ablehnt, dem bleibt letztlich nur, sich von WhatsApp zu verabschieden - und gegebenenfalls nach einem alternativen Messenger Ausschau zu halten.

Es gibt einige Konkurrenten, die wie WhatsApp eine abhörsichere Ende-zu-Ende-Verschlüsselung zwischen Gesprächsteilnehmern ermöglichen.

Hoccer Aus Deutschland stammt der Messenger Hoccer, der für die Betriebssysteme iOS und Android kostenlos erhältlich ist. Sicherheit und Anonymität werden bei ihm groß geschrieben, bei der Anmeldung muss man weder eine Mailadresse noch eine Mobilfunknummer angeben. Dadurch eignet sich der Messenger auch prima für den Einsatz auf Tablet-PCs ohne einen SIM-Karten-Slot.

Nachrichten und Dateien, die Hoccer-Nutzer untereinander austauschen, werden verschlüsselt übertragen. Dabei nutzt Hoccer wie alle sicheren Messenger die asymmetrische Verschlüsselung: Sendet man einer Person eine Nachricht, wird diese mit dem öffentlichem Schlüssel des Empfängers chiffriert. Zum Dechiffrieren der Botschaft kommt dann der private Schlüssel zum Einsatz, der nur einmal - auf dem Gerät des Empfängers - existiert. So ist garantiert, dass nur rechtmäßige Adressaten die Nachricht lesen können. Eine Telefonie-Funktion sucht der Nutzer jedoch vergeblich.

Threema Auch der aus der Schweiz stammende Messenger Threema nutzt die sichere Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, um die Vertraulichkeit von Nachrichten zu garantieren. Weder die Betreiber-Firma noch Dritte sind hier in der Lage, Einblick in Nachrichten zu bekommen. Botschaften, die man an andere Teilnehmer verschickt, werden zudem nach der Zustellung von den Servern des Betreibers gelöscht - ein zusätzliches Sicherheits-Feature, das übrigens auch bei dem Dienst Hoccer Anwendung findet.

Im Gegensatz zu Letzterem kostet Threema aber Geld: Nach einer kurzzeitigen Preisreduzierung um annähernd die Hälfte - wohl um umsteigewillige WhatsApp-Nutzer zu locken - ist Threema jetzt wieder für 2,99 Euro zu haben. Derzeit nutzen 4,5 Millionen Nutzer den Schweizer Dienst - bei WhatsApp sind es derzeit hingegen rund 800 Millionen. Wer einen sicheren Messenger sucht und mit seinen Kontakten auch telefonieren möchte, kommt weder bei Hoccer, noch bei Threema auf seine Kosten: Beide unterstützen keine Telefonie.

Wire Hier lohnt ein Blick auf den unbekannteren Messenger Wire. Die deutsch-schweizerische Koproduktion ist für iOS und Android kostenlos erhältlich. Außerdem findet sich unter der Webadresse https://app.wire.com eine Version für den Internetbrowser, die sich unabhängig vom Betriebssystem auf jedem PC oder Notebook nutzen lässt. Genau wie die Mitbewerber Hoccer und Threema, setzt auch Wire auf die verschlüsselte Übertragung von Nachrichten und Dateien zwischen Teilnehmern. Was Wire unterscheidet, ist, dass man mit diesem Messenger kostenlose Sprach- und Videoanrufe über das Internet tätigen kann - laut Anbieter in „kristallklarer“ Qualität.

Signal Private Messenger Diesen kostenlosen Messenger benutzte der Whistleblower Edward Snowden. Signal ist ein Zusammenschluss der SMS-App TextSecure und der VoIP-App Redphone und funktioniert auch mit einer Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. Viele Experten schätzen die App als besonders sicher ein. Damit sind auch Telefonie und Gruppenunterhaltungen möglich, die automatisch verschlüsselt werden. Signal wurde von Open Whisper Systems in den USA entwickelt und gilt als einfach zu handhaben. Allerdings werden die verschlüsselten Daten auf Servern außerhalb Europas abgelegt. Eine Desktop-Version gibt es inzwischen ebenfalls.

Warnung vor der Gold-Version

Erfolgsgeschichte WhatsApp wurde 2009 in Kalifornien, gegründet und gilt als der am schnellsten wachsende Internet-Dienst der Geschichte. 2014 hatte er über 450 Millionen Nutzer. Seine Gründer verkauften ihr Unternehmen damals für 19 Milliarden Euro an Facebook. Hinter WhatsApp steht vor allem Jan Koum, der als mittelloser Einwanderer in den 90er Jahren aus der Ukraine in die USA kam.

Fake Immer wieder sind in den vergangenen Wochen bei WhatsApp-Nutzern Nachrichten aufgetaucht, die für WhatsApp-Gold werben. Dabei handelt es sich um einen Kettenbrief. Er enthält einen Link, der auf eine Webseite verweist. Das Computer-Magazin Chip warnt davor, sich dort die angeblich komfortablere Goldversion herunterzuladen. Dahinter stecke eine Schadsoftware, die das Handy ausspioniert. Die Chip-Experten empfehlen u.a., vorbeugend einen Virenscanner auf dem Smartphone zu installieren. ima

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05.10.2016, 14:54 Uhr
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