Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Wenn der Vermieter Aldi heißt
Modern sieht der Bau mit den Aldi-Wohnungen in Tübingen-Derendingen aus. Foto: Anne Faden
Wintersemester

Wenn der Vermieter Aldi heißt

Der Discounter bietet in Tübingen 43 Wohnungen vor allem für Studenten an. Die Stadtverwaltung hatte Druck gemacht.

24.10.2016
  • CAROLINE STRANG

Tübingen. Nicht viele Menschen können behaupten, dass ihr Vermieter Aldi heißt. In Tübingen-Derendingen gibt es aber doch ein paar. Denn dort hat Aldi Süd direkt neben der eigenen Filiale noch ein vierstöckiges Gebäude gebaut, das unten einen DM-Markt beherbergt – und darüber vermietet der Discounter 43 Wohnungen, seit kurzem bezugsfertig.

Wie die aussehen, kann man im Internet sehen – dort präsentiert sich das Wohnprojekt mit dem Namen Tü3 modern. Die Wohnungen sind eingeteilt in sieben verschiedene Typen, zwischen 27 und 53 Quadratmeter groß und kosten zwischen 500 und 900 EUR im Monat. Typ 3 etwa sieht mit seinen 31 Quadratmetern auf dem Grundriss quadratisch und praktisch aus, verfügt über ein Doppelbett mit Taschenfederkern-Matratze, einen Schrank, einen kleinen Tisch – und Bad und Küchenzeile inklusive Mikrowelle sind auch drin. Die Einrichtung ist modern und schlicht. Wer gerne Aussicht hat, kann sich übrigens ganz oben ein „Premium-Appartement mit Ausblick auf Tübingen“ mieten.

Appartement mit Ausblick

Der Discounter wirbt vor allem um Studenten, deshalb sind die Wohnungen möbliert und es gibt eine Art Rundumservice mit Hausmeister, Dachterrassen, Aufzug und einen Waschraum mit Waschmaschine und Trockner. Zwei der Zimmertypen sind schon komplett vermietet, verkündet ein rotes Banner auf der Homepage.

Doch warum vermietet Aldi Süd Wohnungen? Und gibt es sonst irgendwo ähnliche Objekte? Ob irgendwo sonst in Deutschland auch Wohnungen angeboten werden, gibt Aldi nicht bekannt. Die offizielle Antwort der Pressestelle auf sämtliche zu diesem Projekt gestellten Fragen fällt denkbar knapp aus. „Das Projekt TÜ3 besteht sowohl aus einer gewerblichen Mieteinheit im Erdgeschoss als auch aus 43 Mietwohnungen, unterteilt in 40 Einzel-Apartments und 3 Doppel-Apartments. Bitte haben Sie Verständnis, das wir uns darüber hinaus nicht weiter dazu äußern möchten.“

Außerdem verweist der Pressesprecher auf andere Objekte: „Die Unternehmensgruppe Aldi Süd vermietet und verkauft bereits seit längerem eine Reihe an Immobilien, die in guter Geschäftslage liegen und sich für alle Branchen eignen.“ Die Verwaltung liege bei den Regionalgesellschaften. Schaut man auf der Aldi-Homepage auf die dort gebotene Deutschlandkarte mit Immobilien zur Vermietung, dann findet man nur Gewerbegebäude. Wie zum Beispiel eine ehemalige Aldi-Filiale in Murrhardt, die seit zwei Jahren zum Verkauf steht. Das Projekt TÜ3 kommt hier gar nicht vor.

Auch Hauptkonkurrent Lidl bietet über das Internet Immobilien an. Über der Gewerbefläche, meistens durch die eigenen Märkte besetzt, sind da auch Arztpraxen und Büros zu vermieten, zum Beispiel aktuell in Holzgerlingen. Wohnungen findet man hier allerdings keine – zumindest nicht auf der Homepage.

Dass die Wohnungen von Aldi Süd in Tübingen überhaupt entstanden sind, liegt wohl vor allem an der Stadtverwaltung. So schildert das „Schwäbische Tagblatt“, dass der Aldi-Konzern 2011 sein Projekt angemeldet habe – als typisch einstöckiges Gebäude. Schon in der Berichtsvorlage für den Ausschuss für Planung, Verkehr, Energie und Umwelt klingt die Einschätzung des Projekts im Beamtendeutsch sehr kritisch: „Aus Sicht der Verwaltung würde der vorgeschlagene Baukörper jedoch die bestehende isolierte städtebauliche Lage des Aldi-Marktes verstärken.“ Als Standort für einen Drogeriemarkt wurde das Gebiet jedoch durchaus begrüßt. Deshalb der Vorschlag der Verwaltung: „Ziel wäre die Errichtung eines mehrgeschossigen Gebäudes mit dem beabsichtigten Drogeriemarkt im Erdgeschoss sowie einer ergänzenden Nutzung wie Wohnen oder allgemeine Büro- und Dienstleistungsflächen in den Obergeschossen.“

Allerdings protestierte der Tübinger Handel- und Gewerbeverein grundsätzlich gegen einen DM-Markt, weil er darin weitere Konkurrenz für die Gewerbetreibenden in der Innenstadt sah. Aldi setzte seinen Plan mit Hilfe eines Widerspruchs beim Regierungspräsidium durch, nahm aber die Wünsche der Stadtverwaltung an.

„Wir haben diese Wünsche schon sehr stark ausgedrückt“, erzählt Tübingens Baubürgermeister Cord Soehlke dem Schwäbischen Tagblatt. „Wir fanden den Standort einfach zu schade, um dort eingeschossig zu bauen.“ Die Aldi-Vertreter seien dann auch kooperativ gewesen. „Die haben vermutlich relativ schnell kapiert, dass es sich für sie rechnet.“ Das Projekt TÜ3 ist nur ein Beispiel für überraschende Geschäftsfelder, in die der Discounter vordringt.

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

24.10.2016, 06:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 
Nachrichten aus ...
Reutlingen Wannweil Pliezhausen Walddorfh�slach Ammerbuch T?bingen Dettenhausen Kirchentellinsfurt Kusterdingen Gomaringen Dusslingen Ofterdingen Mössingen Nehren Bodelshausen Hirrlingen Neustetten Rottenburg Starzach Horb
Das Tagblatt bei
Facebook Google+ Twitter Instagram
Heute meistgelesen
Wirtschaft im Profil


In der aktuellen Ausgabe des Business-Magazins Wirtschaft im Profil : Schöner Arbeiten - Bedeutung von Architektur für Unternehmen der Region
Neueste Artikel
Bildergalerien
Videos

Themen-Dossiers

Themen-Dossiers
Single des Tages
date-click
Das Tagblatt als E-Paper

Kontakt zu den Redaktionen

Schwäbisches Tagblatt Tübingen
07071/934-0
redaktion@tagblatt.de

Neckar-Chronik Horb
07451/9009-30
nc@neckar-chronik.de

Tagblatt Online         
07071/934-0
online@tagblatt.de

Steinlach-Bote Mössingen
07473/9507-0
sb@tagblatt.de

Rottenburger Post
07472/1606-16
ro@tagblatt.de

Reutlinger Blatt
07121/3259-50
rt@tagblatt.de

Tagblatt Anzeiger
07071/934-344
tagblatt-anzeiger@tagblatt.de

Wirtschaft im Profil
07071/934166
wip@tagblatt.de

Zum Kontaktformular