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Wenn Pakete durchs Klofenster fliegen
Paketboten sind unter großem Zeitdruck und werfen schon mal Sendungen durchs offene Fenster. Foto: dpa
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Wenn Pakete durchs Klofenster fliegen

Überforderte Logistiker, genervte Kunden, verschwundene Sendungen: Bei der Zustellung gibt es immer mehr Beschwerden.

05.12.2017
  • MICHAEL GABEL

Berlin. Zusteller sind ständig unter Zeitdruck. Da kommt es schon mal vor, dass ein besonders eiliger Mitarbeiter ein Päckchen durch das offene Klofenster wirft. „Zum Glück war der Toilettendeckel geschlossen“, kommentierte das eine geschockte Kundin. Ein weiterer Fahrer deponierte den gelieferten Karton in einer trockenen Regentonne; Pech nur, dass es später heftig goss und die Ware – empfindliche Elektronik – Schrott war. Ein Kollege warf die Postsendung sogar zehn Meter über das Hoftor. Danach sei er schnell ins Auto gestiegen und weitergefahren, berichtete eine Augenzeugin.

Die Beispiele, die Verbraucherzentralen gesammelt haben, dokumentieren eindringlich, wie wenig Kundeninteressen zählen, wenn Logistikunternehmen maximalen Profit erzielen wollen. Die Bundesnetzagentur berichtete am Montag von einer Zunahme der Verbraucherbeschwerden um ein Viertel auf voraussichtlich rund 5000 im laufenden Jahr.

Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur, bedauerte bei der Zweijahresbilanz in Berlin, dass die Sanktionsmöglichkeiten seiner Behörde beschränkt und „zum Beispiel Bußgelder im Gesetz nicht vorgesehen“ seien. Julian Graf von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen sieht das ähnlich. Er empfiehlt den Unternehmen, verstärkt auf alternative Methoden wie etwa die Abendzustellung zu setzen. Zwingen könne man die Logistikunternehmen allerdings nicht. „In diesem Markt werden anders als im Mobilfunkmarkt keine staatlichen Lizenzen vergeben“, sagte er dieser Zeitung.

Auf Verbraucherproteste stießen Überlegungen von Paketdiensten wie DPD und Hermes, für Lieferung bis vor die Haustür künftig Zusatzkosten zu berechnen. „In Zukunft kann es so kommen, dass die Paketdienste standardmäßig an den Paketshop liefern und die Lieferung zur Haustür dann beispielweise 50 Cent kostet“, hatte DPD-Geschäftsführer Boris Winkelmann gesagt.

Schutz vor Lockanrufern

Verbraucherschützer Graf rät, zunächst abzuwarten. Er verweist auf die geltende Rechtslage, nach der die Unternehmen verpflichtet sind, die Post bis zu den Adressaten zu bringen. „Wenn da etwas geändert würde, ging das allerdings voll zu Lasten der Verbraucher“, fügt er hinzu.

Während die Bundesnetzagentur bei Paketdiensten keinen Hebel zum Eingreifen sieht, vermeldet Präsident Hofmann bei einem weiteren Verbraucher-Ärgernis einen Erfolg: Künftig werde es deutlich schwieriger, mit Lockanrufen („Ping-Calls“) teure Rückrufe zu provozieren. Wer nun die Taste Rückruf drückt und beispielsweise übersieht, dass es sich bei 00231 um die Vorwahl von Liberia statt Dortmund (0231) handelt, wird über eine kostenlose Preisansage über die möglichen Kosten informiert.

Der Druck, den man auf die Mobilnetz-Betreiber ausgeübt habe, sei erfolgreich gewesen. „So machen wir das rechtswidrige Geschäftsmodell der Täter wirtschaftlich unattraktiv und schaffen Transparenz“, sagt Homann. Im Herbst war nach Angaben der Bundesnetzagentur die Zahl der Beschwerden über Lockanrufe auf bis zu 30 000 im Monat gestiegen. Geprellte Kunden waren mit schwer verständlichen Bandansagen in der Leitung gehalten worden und hatten mehrere Euro pro Minute zahlen müssen.

Ob die neue Regelung hilft, da ist sich Susanne Blohm vom Bundesverband der Verbraucherzentrale nicht sicher. Die Zahlen seien in den vergangenen Monaten „durch die Decke gegangen“. Ob die Bundesnetzagentur sich durchsetze, bleibe abzuwarten.

Auch gegen SMS-Mitteilungen, die gezielt missverständlich formuliert sind, geht die Bundesnetzagentur vor. Oft handelt es sich dabei um Chat-, Erotik- oder Gewinnspieldienste, die durch häufiges Zusenden von Kurznachrichten Kunden ködern wollen. Bei der Behörde heißt es, die Anbieter mit den persönlichen Daten darüber hinaus Adresshandel betreiben. Man ordne regelmäßig an, dass die Rufnummern des Absenders und die Kontaktrufnummer gesperrt werde, betonte Homann. Doch Herr werde man des Problems auf diese Weise nicht. Denn wenn eine Nummer gesperrt ist, versuche es der Anbieter einfach über eine neue.

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05.12.2017, 06:00 Uhr
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