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Die deutsche Nummer eins

Welterbe-Antrag für Höhlen der ältesten Eiszeitkunst liegt in Paris

Die Unesco in Paris hat den Welterbe-Antrag "Höhlen der ältesten Eiszeitkunst" erhalten. Die Einzigartigkeit der Funde im Ach- und Lonetal steht fachlich fest. Doch auch politische Interessen spielen eine Rolle.

01.02.2016
  • von PETRA LAIBLE

Ulm. Die Stars haben sich international einen Namen gemacht: das Elfenbein-Mammut von der Vogelherdhöhle, die Venus vom Hohlen Fels, der Löwenmensch aus dem Hohlenstein-Stadel. Weltweit einmalige Kunstwerke, die eiszeitliche Jäger und Sammler vor rund 40 000 Jahren auf der Schwäbischen Alb geschaffen haben.

Noch 2010 hatte Prof. Nicholas Conard von der Uni Tübingen bedauert, dass das Land so zurückhaltend mit den einzigartigen Höhlen und Funden umgehe. Löwenmensch, Mammut und Co. seien eine archäologische Sensation, zählten zu den ältesten bekannten Kunstwerken der Menschheit, führte der Archäologe an, der vor Ort seit Jahren Grabungen leitet.

"Die Funde und Höhlen sind inzwischen populär geworden", sagt Prof. Claus-Joachim Kind vom Landesamt für Denkmalpflege. Immer wieder besuchen Experten die Fundstätten. Möglicherweise werden die "Höhlen der ältesten Eiszeitkunst" bald Weltkulturerbe sein. Ein fast 900 Seiten umfassender Antrag ist vor kurzem bei der Unesco in Paris eingereicht worden.

Seit dem Jahr 2012 war der Antrag von einer Arbeitsgruppe des Landesamts für Denkmalpflege unter Leitung von Kind vorbereitet worden. Er umfasst sechs Höhlen in einer "einzigartigen Fundlandschaft" im Lone- und im Achtal auf der Schwäbischen Alb: Vogelherd bei Niederstotzingen, Hohlenstein-Stadel bei Asselfingen, Bockstein bei Rammingen, Geißenklösterle bei Blaubeuren, Sirgenstein und Hohler Fels zwischen Blaubeuren und Schelklingen.

Im Frühsommer 2009 traf sich zum ersten Mal eine Arbeitsgruppe, berichtet Kind - mit dabei waren Städte, Kommunen, Kreise, Unis und Vereine. "Wir wollten das Projekt von Anfang an auf eine breite Basis stellen, um Chancen zu haben", sagt Kind. In mühsamer Kleinarbeit wurde um Unterstützung geworben. 2010 verabschiedeten der Alb-Donau-Kreis und der Kreis Heidenheim eine Resolution, mit dem Ziel, den Weltkulturerbe-Antrag zu fördern, erinnert sich Hermann Mader, heute Vorsitzender des Fördervereins Eiszeitkunst und damals noch Heidenheimer Landrat.

2014 wurde die Dachmarke Welt-Kult-Ursprung gegründet, um die Eiszeitkunst touristisch besser zu vermarkten. Mitglieder sind etwa die Stadt Ulm, Vertreter der Fund- und Präsentationsorte, der Museen in Ulm und Blaubeuren sowie der Archäopark Niederstotzingen mit Vogelherdhöhle. Die Unesco wünsche eine Verbindung von Wissenschaft, Politik und Ehrenamt, sagt Geschäftsführer Wolfgang Koller vom Landratsamt Alb-Donau. "Wir müssen glaubhaft rüberbringen, dass das Thema Eiszeitkunst in der Region breit getragen wird." Um das Thema bekannter zu machen, hätten sie eine Homepage gestaltet, einen Flyer und eine Wanderausstellung. Immer wieder organisiert der Eiszeitförderverein Vorträge. Der Durchbruch erfolgte im Juni 2014: Die "Höhlen der ältesten Eiszeitkunst" wurden unter 31 Anträgen von der Kultusministerkonferenz auf Platz eins der deutschen Vorschlagsliste für den Welterbe-Antrag gesetzt. Mitbewerber war damals zum Beispiel das Bauhaus in Dessau. Kind weist allerdings das Konkurrenzdenken zurück: "Wir stehen nicht in Konkurrenz zu anderen, wir besitzen ein Alleinstellungsmerkmal."

Im Sommer wird eine Kommission von Icomos erwartet, dem nichtstaatlichen, internationalen Rat für Denkmalpflege. Icomos beteiligt sich als Berater und Gutachter an der Arbeit des Welterbe-Komitees und gibt nach dem Besuch eine Empfehlung an das Welterbe-Zentrum ab, erklärt Kind. Er rechnet damit, dass die Unesco im Juni 2017 eine Entscheidung trifft.

Die Unesco ernenne mittlerweile verstärkt prähistorische Orte zum Weltkulturerbe. "Unsere Chancen sind relativ gut", sagt Kind. Doch auch wenn Icomos die Eiszeithöhlen als Welterbe nominiert, "heißt das nicht, dass sie tatsächlich ernannt werden". Die politische Großwetterlage sei kompliziert. "Es kann sein, dass fachliche Gründe von politischen überlagert werden."

Auftaktveranstaltung mit Kultusminister Stoch

Frist Die Frist für einen Antrag zur Ernennung zum Weltkulturerbe endet heute. Schon Mitte Januar, erreichte der Antrag für die „Höhlen der ältesten Eiszeitkunst“ die Unesco in Paris.

Symposium Der Abgabe-Stichtag ist Anlass für eine Veranstaltung am heutigen Montag in Heidenheim in den Schloss-Arkaden (Karlstr. 12) unter dem Titel „Eiszeit – Mammut – Welterbe“. Zu Gast sind unter anderem Kultusminister Andreas Stoch (SPD), Claus-Joachim Kind vom Landesamt für Denkmalpflege und Nicholas Conard von der Uni Tübingen. Los geht es um 8.30 Uhr, die Veranstaltung ist öffentlich. lai

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01.02.2016, 06:00 Uhr
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