Diagonalposition

Wechsellustig

Von Vincent Meissner

Der TV Rottenburg setzt gegen Friedrichshafen gleich vier verschiedene Hauptangreifer ein.

Wechsellustig

Da konnte sich TVR-Trainer Hans Peter Müller-Angstenberger (im Hintergrund) noch so verrenken – der Rottenburger Diagonalangriff (hier Johannes Mönnich) kam gestern nicht besonders oft durch gegen den starken Friedrichshafener Block.Bild: Grundler

Selten war Rottenburgs Trainer Hans Peter Müller-Angstenberger so wechsellustig auf der Position des Diagonalangreifers. Gleich vier Spieler setzte er als Hauptangreifer ein – und das in nur drei schnellen Sätzen.

Der 19-jährige Johannes Mönnich startete. „Johannes hat fantastisch trainiert, deshalb hat er angefangen“, erklärte Trainer Müller-Angstenberger. „Aber er kriegt’s nicht durch. Er ist halt noch jung.“ Linkshänder Mönnich hatte am Ende einen einzigen Punkt auf dem Statistikzettel stehen – bei neun Angriffsversuchen. „Ich hätte mehr Punkte machen müssen“, sagte Mönnich nach dem Spiel selbstkritisch. „Aber wenn man da lauter Nationalspieler vor sich hat im Block, ist es auch schwierig gegen die zu spielen.“ Zu seiner Abwehrleistung sagte er: „Da hätte ich ein paar Bälle mehr kriegen können.“

Am Ende des ersten Satzes durfte sich daher der etatmäßige Außenspieler Johannes Schief auf der Diagonalposition versuchen. Auch er ist kürzlich gerade mal 20 Jahre alt geworden. Doch auch bei ihm klappte es nicht so recht. Schief hatte beim Satzball nach Zuspiel von Federico Cipollone das völlig falsche Timing, war in dem Moment, als er den Ball traf nach seinem Sprung fast schon wieder auf dem Boden gelandet und schmetterte den Ball ins Netz zum 12:25.

In Durchgang zwei brachte Müller-Angstenberger seinen schlagkräftigsten Diagonalspieler: Ferenc Németh. Der 30-jährige Ungar hatte in der Sommerpause gleich zwei Knieoperationen an beiden Beinen. „Ferenc ist noch nicht bei 100 Prozent“, begründete Müller-Angstenberger, warum er Németh nur einen Satz lang brachte. Durchgang zwei mit Németh war der stärkste des TVR. Drei Punkte hatte der Routinier dazu beigetragen. Auf die Frage nach seiner Fitness sagte Németh: „Es wir immer besser. Aber es stimmt, dass ich noch nicht bei 100 Prozent bin. Doch dafür arbeite ich sehr hart.“

Im dritten Satz gab dann Tim Grozer sein Debüt als Diagonalspieler in der Bundesliga. Der 19-Jährige gelernte Außen-Annahmespieler hatte zwar vor Jahren in der 2. Liga schon mal als Hauptangreifer gespielt, doch noch nie auf diesem Niveau. „Tim hatte Probleme bei der Annahme, deshalb spielte er im dritten Satz auf Diagonal“, sagt Trainer Müller-Angstenberger. Grozer gefiel’s: „Ich habe mich nicht unwohl gefühlt“, sagte er. „Angriff mag ich eh mehr als Annahme.“ Fünf seiner sechs Punkte im Spiel gelangen ihm im dritten Satz.

Anfang des Satzes punktete er gleich mal. Doch dann bediente Zuspieler Cipollone vorwiegend Außenangreifer Idner Martins. Mitte des Satzes dann noch mal zwei Punkte in Serie und am Ende ärgerte Grozer die Stars aus Friedrichshafen noch mit zwei abgewehrten Matchbällen. Letztlich brachte jedoch auch er nicht die Wende.

Und wie ist es für einen etatmäßigen Diagonalspieler, wenn er einen Außenspieler vor die Nase gesetzt bekommt? „Klar ist es blöd“, sagt Youngster Mönnich. „Aber wenn du selbst weißt, dass deine Leistung nicht gut ist, dann ist das eben so.“


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30.10.2017 - 01:00 Uhr