Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Im Bett mit zwei Schweinen Paar in Konstanz lebt mit Minischweinen zusammen - Tierschützer skeptisch

Marco Lorenz ist ein Schweinebauer. Das hat allerdings nichts mit Bauernhof und Stall zu tun, denn er hält zwei asiatische Minischweine in seiner Wohnung. Die ungewöhnlichen Haustiere haben schon fast Promistatus.

08.12.2009
  • von KERSTIN CONZ, DDP

Konstanz Wenn Marco Lorenz und seine Freundin Nicole Hechler Frühstück machen, stehen ihre beiden Lieblinge schon parat. Beim Heimkommen wird das Paar freudig begrüßt, und nachts kriechen die lieben Kleinen am liebsten zu "Mama" und "Papa" unter die Decke. Höhepunkt der Abendgestaltung sind Kuscheleinheiten vor dem Fernseher - ein perfektes Familienglück, wie es scheint. Nur dass es keine Familie im klassischen Sinn ist. "Bifi" und "Carazza" sind asiatische Minischweine, die inzwischen einigen Medienrummel ausgelöst haben. Eine solche Tierhaltung ist auch nicht unumstritten.

"Bergsträsser Knirps" nennt sich die Züchtung, sagt Lorenz. Touristen bleiben staunend stehen, wenn er und seine Partnerin mit ihren beiden Lieblingen an der Leine in Konstanz Gassi gehen. Nachbarn haben sich längst an das ungewöhnliche Gespann gewöhnt und bringen regelmäßig Leckerli vorbei.

Spätestens seit zwei Fernsehauftritten in der TV-Serie "Wildes Wohnzimmer" auf Vox und mehreren Zeitungsberichten haben es die Tiere zu bundesweiter Berühmtheit gebracht. Millionen Zuschauer verfolgten die fast hoffnungslose Wohnungssuche des Quartetts im Vorabendprogramm. Rund 100 Absagen haben sich Hechler und Lorenz eingehandelt, bis sie eine geflieste Parterrewohnung für sich gefunden haben - wenige Meter vom Bodensee entfernt. Die Vermieter wollten die Schweine gar nicht erst sehen. "Dabei sind Schweine sehr sauber", sagt Besitzerin Nicole Hechler. Da sie keine Schweißdrüsen haben, stinken die Tiere nicht.

Zweimal am Tag gehen sie Gassi, und für das kleine Geschäft steht im Flur ein überdimensionales Katzenklo bereit. Eine Trennung kam trotz aller Schwierigkeiten nicht in Frage. Der angehende Kapitän aus Überlingen am Bodensee hatte Schwein "Bifi" von der ersten Sekunde an ins Herz geschlossen: "Es war Liebe auf den ersten Blick", erinnert sich Lorenz an den Moment, als er "Bifi" beim Züchter sah. ""Bifi" war von Anfang an ein Problemkind, etwas ängstlich, wie ein verlassenes Kind", sagt Lorenz. Der Vorbesitzer soll das zwei Kilo kleine Bündel misshandelt haben.

Heute springt der Zweijährige schwanzwedelnd zur Tür, wenn Besuch kommt. "Schweine sind sehr neugierig", sagt die Soziologiestudentin Hechler. Sogar Kunststückchen haben die beiden Halter ihren Schweinen beigebracht. "Bifi" und "Carazza" hören auf ihren Namen, machen Platz, geben Pfötchen und machen Männchen. Allerdings seien Schweine eigenwilliger als Hunde. "Schweine sind wie Kinder. Sie brauchen Aufmerksamkeit und machen Quatsch, wenn es ihnen langweilig wird", sagt Hechler.

So etwas wie eine Hundesteuer gibt es für Schweine nicht. Dafür zahlt das Paar in die Seuchenkasse ein. Denn offiziell ist Marco Lorenz kein Haustierhalter, sondern Schweinebauer. In der Wohnung unterliegt die Schweinehaltung strengen Regeln. Offiziell dürfen die Tiere nicht ohne Artgenossen gehalten werden. Auch dürfen sie nicht mit Essensresten oder Fleisch gefüttert werden. Auf dem Menüplan stehen Obst, Gemüse und Salat. Als Belohnung gibt es rohe Spaghetti.

Der Fernsehbeitrag über "Bifi" und "Carazza" hat den Tieren nicht nur Fans beschert, sondern auch Kritik über die Minischweinhaltung in Wohnungen ausgelöst. Auf Diskussionsforen im Internet befürchten Tierschützer, dass der Bericht noch mehr Leute ermuntern könnte, sich ein Hausschwein zuzulegen. "Minischweine gehören in keinen Privathaushalt", sagt Thomas Schröder, Bundesgeschäftsführer beim Deutschen Tierschutzbund in Bonn. Die Tiere könnten nicht kratzen, suhlen und wühlen. Zudem würden viele Minischweine alleine gehalten.

"Im Stall können sich die Tiere kaum rühren", findet dagegen Lorenz. "Hier haben sie 85 Quadratmeter und kommen regelmäßig raus." Wegen der trockenen Heizungsluft werden "Bifi" und "Carazza" jede Woche mit Babyöl gepflegt. Auf seine borstigen Gefährten will Lorenz nicht mehr verzichten.

"Bifi" gibt auch Pfötchen: Marco Lorenz und Nicole Hechler leben mit dem asiatischen Minischwein und seinem Artgenossen "Carazza" der Züchtung "Bergsträsser Knirps"in ihrer Wohnung in der Konstanzer Altstadt. Foto: ddp

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

08.12.2009, 12:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
Nachrichten aus ...
Reutlingen Wannweil Pliezhausen Walddorfh�slach Ammerbuch T?bingen Dettenhausen Kirchentellinsfurt Kusterdingen Gomaringen Dusslingen Ofterdingen Mössingen Nehren Bodelshausen Hirrlingen Neustetten Rottenburg Starzach Horb
Heute meist gelesen
Wirtschaft im Profil

Die aktuelle Ausgabe des Business-Magazins Wirtschaft im Profil beschäftigt sich mit der Freien Wohlfahrt als Wirtschaftsfaktor. Sie leistet vielfältige soziale Dienste, setzt Millionen Euro um und ermöglicht die sinnstiftende Teilhabe von Bürgern und Bürgerinnen – eine gelebte Verschränkung von Staat und Gesellschaft.
Neueste Artikel
Bildergalerien
Videos
Sie haben Fragen zu unserem neuen Bezahlsystem? Wir haben die wichtigsten Fragen und Antworten für Sie zusammengestellt.
Single des Tages
date-click

Kontakt zu den Redaktionen

Schwäbisches Tagblatt Tübingen
07071/934-0
redaktion@tagblatt.de

Neckar-Chronik Horb
07451/9009-30
nc@neckar-chronik.de

Tagblatt Online         
07071/934-0
online@tagblatt.de

Steinlach-Bote Mössingen
07473/9507-0
sb@tagblatt.de

Rottenburger Post
07472/1606-16
ro@tagblatt.de

Reutlinger Blatt
07121/3259-50
rt@tagblatt.de

Tagblatt Anzeiger
07071/934-0
tagblatt-anzeiger@tagblatt.de

Zum Kontaktformular