TAGBLATT-Straßenumfrage zum Au-Brunnen

Was für ein Brunnen?

Von ksc, nr, mle

Was wissen die Tübinger überhaupt über den Au-Brunnen und die Debatte darüber? Das TAGBLATT befragte 50 Passanten.

Was für ein Brunnen?

DIE SPATZEN pfeifen es von den Ästen . Zeichnung: Buchegger

Die deutliche Mehrheit der befragten Tübinger ist gegen eine Bebauung des Au-Brunnen-Areals. Allerdings war nicht einmal die Hälfte gut informiert. Im Laufe der Woche hat das Tagblatt 50 Tübinger zum Thema Au-Brunnen in der Altstadt befragt. „Kennen Sie den Au-Brunnen? Wissen Sie, wo dieser liegt? Haben Sie die Debatte um das Areal mitbekommen?“

Die Antworten waren zwiespältig: „Ja, selbstverständlich weiß ich Bescheid. Wir brauchen ihn als Trinkwasserreservoir.“ – „Nein, gar keine Ahnung.“ 21 der Befragten wussten überhaupt nicht, was der Au-Brunnen ist.

Befragt wurden Menschen im Alter von 20 bis 80 Jahren. Davon 21 Männer und 29 Frauen. Beide Geschlechter waren in etwa gleich gut informiert. Am schlechtesten informiert waren die 20- bis 30-Jährigen. 16 von 22 hatten gar keine Ahnung von dem Thema. Liegt es an mangelndem Interesse? „Ich wollte mich erkundigen, wo der Brunnen ist, habe es aber bisher noch nicht geschafft.“ – „Es müsste mehr publik in der Öffentlichkeit gemacht werden“, sagten zwei Befragte.

Hingegen waren die über 60- Jährigen, darunter auch zwei Mitglieder der Bürgerinitiative Au-Brunnen, viel besser informiert. 16 von den 20 waren sehr gut mit der Thematik vertraut. Unaufgefordert gaben viele von ihnen ihre Meinung zu der Debatte ab. „Wenn Trinkwasser irgendwo enthalten ist, sollte man es definitiv erhalten“, sagte eine 63-Jährige.

Auf die Frage, ob sie an einer Bürgerbefragung teilnehmen würden, antworteten fast alle Befragten mit „Ja“. Auch die, die wenig oder gar nicht informiert waren. „Wenn es eine Bürgerbefragung geben würde, dann würde ich mich mit dem Thema beschäftigen“, sagte eine Passantin.

Allerdings sahen zwei Personen die Bürgerbefragung sehr kritisch: „Ich finde, diese Bürgerbefragung ist ein Fake“, schimpfte eine 60-Jährige. Ihrer Meinung nach sei es keine echte Bürgerbefragung, wenn man sich zwischen zwei Bebauungen entscheiden müsse. Bei der Befragung durch die Stadt soll es darum gehen, ob in der Au oder im Schelmen ein Gewerbegebiet ausgewiesen werden soll. Eine weitere Befragte sah die Bürgerbefragung auch kritisch, allerdings mit einer anderen Begründung: „Die Bürger sind zu wenig informiert. Es wäre eine rein emotionale Entscheidung bei den meisten.“

Der letzte Befragte wusste besonders gut über das Thema Au-Brunnen Bescheid. In der Vergangenheit schrieb er für die Stadtwerke Tübingen über die Auslastung der Trinkwasserzugänge. Für ihn ist die Erschließung von neuen Gewerbeflächen ein grundsätzliches Problem: „Täglich gehen in Deutschland 90 Hektar Land für Gewerbe- und Wohnflächen verloren. Man kann auf die Au verzichten, aber diese Hektar helfen nicht lange.“ Es sei eine Gefühlsentscheidung, was mit dem Au-Brunnen passiert.


Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

(c) Alle Artikel und sonstigen Inhalte der Website sind urheberrechtlich geschützt. Eine Weiterverbreitung ist nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Verlags Schwäbisches Tagblatt gestattet.


07.07.2017 - 18:00 Uhr