Tübingen

Was bei der Fahndung hilft

Von Gernot Stegert

Dumm gelaufen ist es für uns diese Woche bei der Polizeimeldung über drei Männer, die im Club „Schwarzes Schaf“ eine Frau begrapscht haben. Die Polizei hatte in ihrer Mitteilung geschrieben, ein Angreifer habe ein „arabisches Erscheinungsbild“. Doch was heißt das? Das TAGBLATT fragte nach und erhielt die Auskunft: Der Mann habe eine „helle Haut“. Wie passt das zusammen? Es gibt durchaus Araber mit heller Haut. Aber vielleicht war es ja auch gar kein Araber.

Da die Polizeimitteilung auch auf deren Internetseite stand, fiel der Unterschied einigen Lesern auf. Manche unkten deshalb oder machten uns den Vorwurf: Das TAGBLATT vertuscht die Herkunft des Täters, aus Gründen der politischen Korrektheit. Schon standen das Misstrauen gegen Medien und die „Lügenpresse“-Kritik im Raum. Deshalb ist uns wichtig, ein paar Dinge zu unserer Arbeit zu erklären:

1. Die belästigte Frau kann und darf den Täter als arabisch wahrnehmen. Vielleicht hätten wir ihre Bezeichnung stehen lassen und lediglich ergänzen sollen. Doch wollten wir es möglichst genau wissen und haben daher bei der Polizei nachgefragt. Die nannte daraufhin das „hellhäutig“. Wir haben den Ausdruck also nicht hineinmanipuliert.

2. Wir haben wie alle das Interesse, dass der Angreifer möglichst schnell gefasst wird. Seine Religion, seine Herkunft, sein Status (Flüchtling oder nicht) – all das ist uns dabei egal. Um den Mann aber rasch zu schnappen, müssen die Angaben in der Fahndung genau sein. Aufgabe der Polizei ist es, aus der subjektiven Wahrnehmung des Opfers die objektiven Merkmale des Täters zu filtern. „Arabisch“ ist da recht vage, fast so nichtssagend wie „südländisch“. Schließlich gibt es auch viele Schwaben und sogar Norddeutsche mit braunen Augen und Haaren sowie keineswegs bleicher Haut. Die Reutlinger Polizeidirektion hat das mittlerweile selbst gesagt und will entsprechende Worte künftig vermeiden. Denn nicht schwammige Oberbegriffe wie „Araber“ helfen zur Ergreifung, sondern die einzelnen Merkmale.

Wir haben das in der Freitag-Ausgabe geschrieben und vorgestellt, wie die Polizei bei Täterbeschreibungen arbeitet. Solche Aufklärung ist unser Job und desto wichtiger, je aufgeregter die Stimmungslage ist.

Das gilt auch für den darüber stehenden Bericht über die Ermittlungen wegen der gehäuften sexuellen Übergriffe auf Frauen in Tübingen. Denn auch da geraten Flüchtlinge in Verdacht. Ergebnis der Nachfrage bei der Polizei: Es gibt offensichtlich viele verschiedene Täter sehr unterschiedlichen Aussehens. Wenn da ein Araber dabei sein sollte, dann ist das so. Wenn nicht, aber auch. Wir verbreiten keine Spekulationen, sondern Fakten.


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18.02.2017 - 01:00 Uhr