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Er hat sein Ding gemacht, ich mach mein Ding

Was Lindenberg im Antiquariat Heckenhauer alles erzählte

Bei der Wiedergabe des eigentümlichen Udo Lindenberg-Sounds hat das Printmedium schlechte Karten. Um dies ein kleines bisschen wettzumachen, haben wir uns entschlossen, die Sequenzen aus dem Gespräch im Heckenhauerschen Antiquariat völlig ungeglättet wiederzugeben.

27.07.2010

Udo Lindenberg über seine Beziehung zu Hermann Hesse:

Hermann is ja gestorben 1962, während meiner Felix Krullschen Kellnerlehre, nä, ich hab an dem Tag wirklich gedacht: Den hätt ich gerne kennengelernt, gerne getroffen. Aber leider, kuck, da war ich 15 Jahre alt, ging irgendwie nich mehr. Wir ham uns dann ja später, nä, diese Begegnung der anderen Art, so dass man sich trotzdem, ja, aufspürt, nä, man muss ja nich immer hallo sagen, man kann das auch über Sphären und sonstige Connections machen.

Ja. Seelenverwandtschaft. Er hat sein Ding gemacht. Ich mach mein Ding. Unterwegs sein. Ich bin ja grad viel mit dem Rockliner unterwegs, auf den Ozeanen dieser Welt. Hermann war ja auch viel unterwegs. Und die Erfahrung mit Drogen. Dann Steppenwolfs Hermine, das is der Hammer, meine Mutter heißt auch Hermine. Dann Siddharta, Buddhismus, Verwandtschaft der Kulturen dieser Welt, Welt ohne Kriege und Stress und ohne Völkermord, Pazifismus und so, weißt du, dass wir den anderen tolerieren, ja.

Und da gibt’s eben Parallelen zu Hermann. Mich hätten sie auch fast in die Klapse gesteckt, als ich erzählt hab, ich werd n Popstar. Mit 14, 15 in der Schule, in Gronau, das is ne Kleinstadt, zwar nicht pietistisch aber eben katholisch, auch viel Stress und Beengtheit und das macht man nich, und nich über den Rand schreiben, und den ganzen Quatsch. Ich hab gesagt, ich werd einer der größten Trommler der Welt,, die ham gesagt ,der hat’n Schatten, der Junge, ja, der hat’n Riesenrad ab und so, und eigentlich is die Klapse für den doch genau das Richtige, nä, und so. Wahnsinn und Genie eben und immer wieder auch Diffamierung und Diskreditierung und so, er hat sie nich alle. Das is oft n sehr gutes Zeichen.

Über die durch den Panikpreis geförderten Nachwuchsbands:

Es is so, dass wir im Rahmen der Stiftung auch Nachwuchs unterstützen können, Bands, die nen Schwerpunkt legen auf Texte, eigenwillige Texte, die nich Rücksicht nehmen darauf, was im Radio gespielt wird, Scheißformatradio und so, Texte, die bisschen auf Provokation setzen. Und das können dann echt die Stars werden, das fänden wir auch toll und das streben wir auch an, dass die Hesse-Stiftung auch wirklich Stars hervorbringt, grad mit diesen Texten, dass sie zeigen, es geht eben doch, ja, es is hier n Land der Denker, Provokateure, Erfinder, nä, Daniel Düsentrieb, n Freund von mir, und so, nä, ja. Und das wolln wir featuren und so und solche werden denn auch Stars, und nich solche die sagen „Spielen die das auch im Radio? Is das zu provokant, eckt das an?“

Ja. So. Und die können dann da so Sachen gewinnen. Zum Beispiel ein Stipendium bei der Popakademie in Mannheim oder nen so genannten Crashkursus in Panikrock, ja, da gehn wir am Wochenende in die Studios in Hamburg, suchen da die Top-Produzenten, die geben den ein oder andern Tipp, und dann ziehen wir über die Reeperbahn und in die Clubs und ins Hotel und da erzähl ich denen dann über das Leben als Popstar und wie das so is, nä, und wie man das vielleicht wird, ja, also in meinem Fall jedenfalls, nä. Ja.

Über eine bei Unirektor Bernd Engler hinterlegte Nuss:

Hier sind wir ja im Land der Erfinder, nä, hier in der Stadt Tübingen, auch an der Uni, wo manche harte Nuss naturwissenschaftlicher Art geknackt werden muss, ja, ich hab übrigens ne Nuss hinterlassen bei meinem ersten Besuch hier in Tübingen und so. Professor Engler hat gesagt, wir müssen kucken, dass die Universität Tübingen wieder richtig schön nach vorne kommt, ja. Is ja alles bisschen angestaubt und so, ich glaub, die Juristerei steht sehr, sehr gut da, aber Naturwissenschaft und so. Ich hab gesagt, ihr müsst die Erdanziehungskraft, das is ja ne Energie, mit der wir ständig zu tun haben, wenn ich meinen Arm hochhebe und die Zigarre zum Mund führe, ja, das kostet ja schon Energie, mit anderen Worten, die Energie, die is ja da, die können wir ja umwandeln in Energie, die wir für uns nutzen, statt Benzin, ja, statt fossile Brennstoffe und so weiter, ja, nä, Autos ohne Benzin fahren, Raketen ohne Sprit fliegen und so weiter. Und diese Nuss, ja, die hab ich dem Professor Engler auf den Tisch gestellt und gesagt: „Macht ihr das doch mal!“

Über Tübingen und die Region:

Tübingen würd ich gerne kennenlernen, gerne, Zeit nehmen, ja, und hier mal kucken, da mal kucken, was alles so gibt. Ich bin überhaupt sehr gern in der Region, in Calw und viel im Schwarzwald, nehm da Jodlunterricht bei ner Dame, die große Apfelsinen auf’m Kopf hat. Und Kuckucksuhren und so. Is ja sehr bergig und bisschen karg hier und so, aber Baden is ja auch wunderschön mit der französischen Nähe und den Weinen. Ich bin total gerne hier, dann bin ich bisschen Testfahrer für ne Autofirma hier in der Gegend, nä, in Zuffenhausen, Porsche und so, ja. Neulich war ich beim Titkakasee, auch sehr schön. Ja, schön bei euch. Auch die Halle, alles bisschen Pink Panther und so, ja, hätt beinah auch mein pinky Täschchen mitgebracht.

Ob die Lindenberg-Stiftung das Projekt Hesse-Museum fördern wird und ob er selbst dereinst zur Eröffnung kommen werde:

Wenn ihr denkt, ja. Das muss ja, das muss man ja erhalten, so ein historischer Ort muss erhalten werden, in dem er ja auch seinen Entschluss gefasst hat, Schriftsteller zu werden, vorgefasst in Calw, ja, aber dann hier richtig den Entschluss gefasst, nach meinen Informationen. Ja, und der Welt das geschenkt hat, ja. Wir denken nach, wir denken vor und sind am Thema dran. Ja. Wir wollen das auf jeden Fall machen, wir machen das dann über meinen Freund Jürgen Teufel, den alten Tübinger, und die Kreissparkasse Pforzheim. Ich muss noch bisschen genauer wissen, wann hier was wo, nä, ja, ob die Stiftung über Mittel verfügt, ihr wisst ja, dass wir auch sehr viel Kohle nach Afrika tun, nach Tansania, ja, für Schulen und so weiter, dass die Afrika-Hilfe total wichtig ist.

Über deutsche Sprache in der Popmusik:

Ich finde, die deutsche Sprache is eine wunderbare Sprache, bunte Sprache, mit der man sehr viel machen kann, mit der du zaubern kannst, die du kneten kannst, und, ja, ich mein, wunderbar spielen, ja, nä, eine Sprache, die sehr, sehr facettenreich ist, sehr, sehr ausdrucksstark ist, die auch total gut klingt, ja, wenn man dann mal rausgefunden hat, wie das ist mit dem Gesang und so. Wußt ich am Anfang ja auch nich, ich hab ja auch erst auf Englisch gesungen weil ich ja nich wusste, wie das geht deutsch, und so. Bin da auch inspiriert worden, auch durch Rio Reiser, und Ihre Kinder, und so, solche Bands.

Heute singt ja praktisch jede Band deutsch, nä, und jede Band hat so ihre eigene Sprache. Is prima, nä. Und grade hier im Land der deutschen Dichter Denker, Erfinder, der Komposition, der Identität, ja. Wenn ich jetzt natürlich auch denke an die Zwanziger, an die, die in die Emigration gehen mussten, ja, Flucht vor dem Naziterror, ja, das is auch ein Vermächtnis, die Sprache nicht einfach weg zu tun, sondern sie wiederzuentdecken und mit ihr zu spielen. Das is toll, das macht mir große Freude.

Aufzeichnung, Auswahl und Transkription: Peter Ertle

Was Lindenberg im Antiquariat Heckenhauer alles erzählte
Udo Lindenberg beim Pressegespräch im Antiquariat Heckenhauer. Bild: Sommer

Der Greis ist heiß: Udo Lindenberg in Tübingen

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Der Greis ist heiß: Udo Lindenberg in Tübingen --

03:41 min

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27.07.2010, 12:00 Uhr
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