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Siegel für gentechnikfreie Produkte

Was Alexander Bonde 2012 bewegen will

2012 leitet Baden-Württembergs Minister für den ländlichen Raum, Alexander Bonde, die Agrarministerkonferenz der Länder. Ein Gespräch mit dem Grünen über Ökolandbau, Gentechnik und Agrarförderung.

02.01.2012
  • von ROLAND MUSCHEL

Herr Bonde, was wollen Sie 2012 in der Agrarpolitik im Land bewegen?

ALEXANDER BONDE: Landespolitisch will ich die gentechnikfreie Lebensmittelproduktion weiter absichern. Und ich will dazu beitragen, dass der Nachfrageboom nach Biowaren stärker mit heimischen Produkten befriedigt werden kann.

Bleiben wir zunächst beim Thema Gentechnikfreiheit. Was planen Sie?

BONDE: Wir werden 2012 die Voraussetzungen dafür schaffen, das "Qualitätszeichen Baden-Württemberg" umzustellen. Die Gentechnikfreiheit wird künftig ein Bestandteil sein: Wer ein Produkt kauft, das das "Qualitätszeichen Baden-Württemberg" trägt, soll die Garantie haben, dass es gentechnikfrei ist.

Sie leiten dieses Jahr die Agrarministerkonferenz der Länder. Forcieren Sie das Thema auch dort?

BONDE: Die Bürger wollen zu Recht keine Gentechnik auf dem Teller. Die Politik hat daher die Pflicht, Strukturen zu schaffen, um das sicherzustellen. Die Bundesländer haben in diesem Bereich aber bislang leider keine gesetzgeberischen Möglichkeiten. Als Vorsitzender der Agrarministerkonferenz werde ich mich im Bund dafür einsetzen, dass sich das ändert. Ich will den Wunsch unserer Bevölkerung nach gentechnikfreier Landwirtschaft gesetzgeberisch absichern.

Der Ökolandbau hat im Südwesten bei Flächen und Betrieben einen Anteil von sieben Prozent. Was streben Sie bis 2016 an?

BONDE: Ich bin kein Fan davon, in einem Markt Zielmargen vorzugeben. Am Ende sind das betriebswirtschaftliche Entscheidungen von Unternehmern. Mir geht es darum, dass jeder Landwirt eine faire Chance hat, auf Bioanbau umzustellen. Und ich hoffe, dass möglichst viele die Chance ergreifen.

Ist Biolandwirtschaft die Zukunft?

BONDE: Bio ist ein wachsender Markt. Die Nachfrage der Verbraucher steigt deutlich stärker als das Angebot unserer Landwirte. Dabei wollen die Baden-Württemberger am liebsten Biowaren aus der Region. Es muss ja nicht sein, dass das riesige Interesse an biologisch produzierten Lebensmitteln bei uns im Land ein Konjunkturprogramm für österreichische Landwirte ist.

Was können Sie tun?

BONDE: Der erste Schritt war, die von der alten schwarz-gelben Regierung gekappten Hilfen für die Umstellung von konventionellem auf ökologischen Anbau wieder aufzulegen. Der nächste Schritt wird sein, das Beratungsangebot zu verbessern. Wir wollen alle, die im Ökolandbau eine Chance sehen, ermutigen, sie zu ergreifen. Und wir reden mit Handel und Branchenverbänden, damit regional erzeugte Bioprodukte eine bessere Chance erhalten, in den Regalen präsent zu sein.

Der EU-Agraretat umfasst etwa 55 Milliarden Euro pro Jahr. Derzeit werden in Brüssel die Weichen für die neue Förderperiode 2014 bis 2020 gestellt. Was fordern Sie?

BONDE: Entscheidend ist, dass wir in der Agrarpolitik handlungsfähig bleiben. Wir stehen da unter einem enormen Druck. Viele sehen es inzwischen sehr kritisch, dass in Europa die Agrarproduktion in signifikantem Umfang durch öffentliche Mittel gefördert wird.

Sie waren haushaltspolitischer Sprecher der Grünen im Bundestag. Wie sehen Sie es?

BONDE: Ich habe mich auch als haushaltspolitischer Sprecher für eine kluge Agrarförderung eingesetzt. Was die Landwirte an Leistung erbringen, könnte die Gesellschaft anders organisiert gar nicht bezahlen. Ich rede nicht allein von der Nahrungsmittelproduktion. Ich rede von ökologischen Leistungen für Böden und Wasser, von Landschaftspflege, von Kulturerhalt. Ohne die Arbeit der Landwirte würden wir unser schönes Bundesland nicht wiedererkennen. Und wir würden vielen Wertschöpfungsbereichen den Boden entziehen.

Haben Sie ein Beispiel?

BONDE: Nehmen Sie die Energiewende: Die werden wir ohne die Landwirte nicht hinbekommen. Oder den beschäftigungsintensiven Tourismus: Der hat im Südwesten 2011 sein bisher bestes Jahr erlebt. Das wäre ohne die Leistungen der Landwirte für die Landschaft nicht vorstellbar. Sie sind es, die etwa die Hänge im viel bereisten Schwarzwald offen halten.

Was heißt das alles für die europäische Agrarförderung?

BONDE: Wir brauchen in Europa eine Reform, die die Leistungen der Landwirte für die Gesellschaft ins Zentrum rückt. Jeder versteht, dass das honoriert werden muss. Ich halte es daher für einen guten Ansatz, dass der rumänische EU-Agrarkommissar Dacian Ciolos - übrigens ein Konservativer - Direktzahlungen an Landwirte künftig an Umweltleistungen knüpfen will. Das nützt dem Landschaftsschutz - und stärkt die Akzeptanz der EU-Agrarpolitik.

Wie kommen Sie mit den Bauernverbänden zurecht? Ihr Verbot, Grünland in Äcker umzuwandeln, ist ja nicht nur auf Begeisterung gestoßen.

BONDE: Das Umbruchverbot, das wir erlassen mussten, um massive Verluste von Grünland zu verhindern, ist nicht überall populär. Aber was beim Klimaschutz für Brasilien der Regenwald ist, ist für uns in Baden-Württemberg das Grünland. Deshalb haben wir gehandelt.

Und belastet nun das Verhältnis zu den Verbänden?

BONDE: Ich bin mit allen Bauernverbänden, ob konventionell oder bio, im Gespräch. Und ich glaube, dass wir gemeinsam viel erreichen können - nicht zuletzt die gesellschaftliche Vermittlung der Bedeutung der Landwirtschaft. Ich bin überzeugt: Grüne Politik ist ein gutes Angebot für die Landwirte. Aber natürlich gibt es da noch sehr unterschiedliche Vorstellungen.

Wie sehen die aus?

BONDE: Es gibt Verbände, die glauben, man könne die Agrarförderung in der bisherigen Struktur erhalten. Aber ich bin überzeugt: Wenn man die Förderung erhalten will, muss man sie ändern und ökologischer ausrichten.

Haben die Grünen bei den Landwirten eigentlich eine nennenswerte Wählerschaft?

BONDE: Wir sind als Landesregierung für das Wohl des ganzes Landes zuständig. Die Stärke des ländlichen Raums ist ein Faktor, warum es Baden-Württemberg so gut geht. Darum kümmern wir uns, völlig jenseits der Frage des Wähleranteils.

Was Alexander Bonde 2012 bewegen will
Agrarminister Alexander Bonde: "Grüne Politik ist ein gutes Angebot für Landwirte. Gemeinsam können wir viel erreichen." Foto: Lars Schwerdtfeger

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02.01.2012, 12:00 Uhr
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