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Flucht aus dem Roboterleben

Warum Türken Deutschland den Rücken kehren

Die Rottenburgerin Nevnur Cetinkaya hat einen Dokumentarfilm über den Exodus türkischstämmiger Deutscher nach Istanbul gedreht. Heute Abend um 20 Uhr wird „Wir Rückkehrer“ im Waldhorn-Kino gezeigt.

07.03.2013
  • Klaus-Peter Eichele

Rottenburg. Alle reden von den „neuen Gastarbeitern“, den jungen Leuten aus südeuropäischen Krisenländern, die massenhaft in Deutschland ihr Glück suchen. Doch es gibt auch einen gegenläufigen Trend. Als die Studentin Nevnur Cetinkaya vor zwei Jahren für ein Auslandssemester in Istanbul weilte, war sie verblüfft, wie viele Menschen türkischer Herkunft, die in Deutschland geboren oder aufgewachsen waren, sich dort niedergelassen hatten. Die offiziellen Zahlen bestätigen den Augenschein: 36000 Menschen sind 2010 von Deutschland in die Türkei ausgewandert, nur 30000 gingen den umgekehrten Weg.

Die meisten der „Rückkehrer“ sind nicht etwa Rentner, die ihren Lebensabend in der alten Heimat verbringen wollen, sondern bestens integrierte, oft akademisch ausgebildete junge Leute. Die in Reutlingen als Tochter anatolischer Arbeitsmigranten geborene Cetinkaya beschloss, dem Phänomen mit einem Dokumentarfilm, ihrer Bachelor-Arbeit im Fach Medienwissenschaften an der Uni Tübingen, auf den Grund zu gehen.

Mit einer Freundin als Kameraassistentin fuhr sie noch einmal an den Bosporus, um die Auswanderer nach ihren Motiven zu befragen. Ein einheitliches Bild ergab die Recherche nur im Hinblick auf den Fluchtort: Für alle Gesprächspartner kam nur die schillernde, westlich orientierte Metropole Istanbul als neue Heimat in Frage.

Die Gründe, Deutschland den Rücken zu kehren, sind dagegen vielfältig. Für einige Protagonisten waren die besseren Karrierechancen in Istanbul ausschlaggebend; einer floh vor dem durchgeregelten „Roboterleben“ in Deutschland. Andere hatten von der fremdenfeindlichen Stimmung die Nase voll.

„Ich wurde nie wie eine Deutsche behandelt“, berichtet eine in Deutschland geborene Frau im Film. Eine andere: „In der Schule war noch alles okay. Bei der Jobsuche habe ich dann gemerkt, dass es doch noch Rassismus gibt.“ Verallgemeinern will Cetinkaya solche Aussagen nicht. Sie selbst, sagt die 24-Jährige im Gespräch mit dem TAGBLATT, habe bisher keine gravierende Diskriminierung erfahren, wohl aber einige Bekannte. Oft sei ein türkischer Name im Berufsleben noch immer eine Barriere.

Letztlich läuft der Film auf die Frage hinaus, was in Deutschland schief läuft mit der so genannten Integration – und was sich ändern muss. Für die Antwort sieht die Regisseurin auch das Publikum in der Pflicht : „Wenn sich die Zuschauer nach dem Film Gedanken machen, warum Menschen, die hier geboren wurden, massenhaft das Land verlassen, dann habe ich mein Ziel erreicht“.

Warum Türken Deutschland den Rücken kehren
Das ist Istanbul: Panoramablick auf die Stadt am Bosporus in Nevnur Cetincayas Film, der heute Abend in Rottenburg zu sehen ist.

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07.03.2013, 12:00 Uhr
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