Tübingen

Wärmender Mantel

Von Gertrud Scheuberth, Tübingen

Die katholische Dom- und die Morizgemeinde in Rottenburg lassen Trauerfeiern ohne Priester in der Sülchen- und Klausenkapelle nicht mehr zu („Unreligiöse Trauerfeiern nicht möglich“, 23. November; „Kein Ort für Trauerredner“, 25. November; Kommentar „Wo liegt das Problem?“, 27. November; „Die einen sind empört, die anderen wollen nicht sprechen“, 30. November).

Vor längerer Zeit hielt der Theologe Fulbert Steffensky in Tübingen einen Vortrag zum Thema Tod und Sterben. Seine Haltung zu „nichtchristlichen Trauerfeiern“ beschrieb er darin mit einem schönen Bild: Er halte den Menschen seinen Glauben hin wie einen wärmenden Mantel, als ein Angebot. Sie können ihn sich für eine gewisse Zeit über die Schultern legen, und am Ende entscheiden sie selber, ob und wann sie ihn wieder ablegen wollen.

Könnte nicht auch ein Kirchenraum als eine erweiterte Form eines solchen „wärmenden Mantels des Glaubens“ verstanden werden? Es müsste ja nur jemand am Anfang und am Ende der Trauerfeier einen solchen Satz sprechen, als Information für die Versammelten, und das muss kein Pfarrer sein!


Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

(c) Alle Artikel und sonstigen Inhalte der Website sind urheberrechtlich geschützt. Eine Weiterverbreitung ist nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Verlags Schwäbisches Tagblatt gestattet.


02.12.2017 - 01:00 Uhr