Fahrradpuzzeln mit der Polizei

Vorweihnachtliche Bescherung: 21 Radler bekamen ihre gestohlenen Fahrräder zurück

Von Hans-Jörg Schweizer

Fast wie Weihnachten!“ Nicht alle 21 Bestohlenen, die am Montag im Loretto ihre Fahrräder wiederbekamen, waren so euphorisch wie Martina Monninger. Die meisten trugen aber schon ein Grinsen im Gesicht. Und auch bei den Polizisten herrschte Bescherungsstimmung, trotz Kälte in der Fahrradgarage.

Vorweihnachtliche Bescherung: 21 Radler bekamen ihre gestohlenen Fahrräder zurück

Ist das wirklich meine Felge? Nils Nüßle schraubte mit Hilfe des Fahrradspezialisten Frank Weissler von der Polizei am Montag Einzelteile zu dem Fahrrad zusammen, das ihm Anfang September vor der Haustür in Lustnau geklaut worden war. Bild: Metz

Im Spätsommer hatte es in Tübingen einen sprunghaften Anstieg bei den Fahrraddiebstählen gegeben: 300 mehr als üblich binnen weniger Wochen. Während die Polizei mühsam Hinweise auf die Diebe sammelte, schnappten die bayerischen Kollegen zwei junge Bosnier in einem Kleintransporter, bis unters Dach voller Fahrräder aus dem Kreis Tübingen. Die Ermittlungen ergaben, dass die teuren Mountainbikes und Trekkingräder – wie viele zuvor – unterwegs nach Tuzla waren, wo Verwandte der Diebe sie verkaufen sollten.

Das Mountainbike, das Martina Monninger abholte, war ihrem Sohn am Mössinger Freibad geklaut worden. Als sie den Diebstahl meldete, hatte sie Fahrradpass und Rechnung zur Hand. So war es für die Kripo ein Leichtes, das Rad zuzuordnen. Nils Nüßle hatte sich die Rahmennummer seines in Lustnau gestohlenen Rades beim Händler raussuchen lassen. Über die eingestanzte Zeichenfolge war zumindest der Rahmen identifizierbar.

Schwieriger war das schon mit angeschraubten Teilen von Felge bis Pedal: Die Diebesbande, die im Sommer rund um Tübingen ihr Unwesen trieb, hatte die Beute nämlich platzsparend zerlegt, damit die 48 Fahrräder in den Fiat Ducato passten. „Ich habe einen ganzen Sattelzug gechartert, um alles aus Bayern abzuholen“, erzählt Thomas Wurster von der Polizei. So musste Nüßle eine Weile in der Polizei-Garage kramen, um schließlich doch nur eins seiner beiden Pedale wiederzufinden.

Außer den Fahrrädern hatte die Polizei im Anhänger des Transporters auch Dutzende Maschinen gefunden. Als die Ermittler im November zuschlugen, sieben Verdächtige festnahmen, Wohnungen und Schrotthandlungen durchsuchten, fanden die Beamten noch mehr Bau- und Gartengeräte, vermutlich aus Schuppeneinbrüchen im Steinlachtal, im Ammertal und bei Rottenburg. „Wir telefonieren jetzt die Geschädigten ab“, erklärt Wurster. Dabei ist es allerdings schwieriger, den richtigen Besitzer zu finden, weil handelsübliche Kettensägen seltener besondere Kennzeichen haben als Fahrräder.

„Auch in Bosnien sind wir dran“, sagt Ralf Roming von der noch fünfköpfigen Ermittlungsgruppe „Ducato“. Dort wurden Waren im Wert von 200000 Euro beschlagnahmt. „Die Mühlen mahlen aber langsam außerhalb der EU“, drum hält es Roming für unsicher, ob noch weitere in Tübingen gestohlenen Fahrräder oder Geräte nach Deutschland zurück kommen.

„Mit allen technischen Mitteln, die der Polizei zur Verfügung stehen“ (Wurster) hat die Kripo ein Mitglied der Diebesbande zudem als mutmaßlichen Brandstifter enttarnt. Der 20-Jährige soll bei Hagelloch eine Lagerhalle angezündet haben, um Einbruchspuren zu verwischen. Über die laufenden Ermittlungen war gestern nichts zu erfahren. Heute ist aber nochmal Bescherung: 15 der nicht zugeordneten Fahrräder warten darauf, von ihren rechtmäßigen Eigentümern wiedererkannt und zusammengepuzzelt zu werden.


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20.12.2016 - 01:00 Uhr