Über die B297, die gar nicht in Tübingen beginnt

Von der Straße, die es (so) gar nicht gibt

Von Lorenzo Zimmer

Dieser Text muss mit einem Geständnis beginnen. Denn sein Titel könnte in die Irre führen. Er handelt gar nicht von einer Straße, die es nicht gibt. Vielmehr geht es um eine Straße, die es dort nicht gibt, wo sie verzeichnet ist.

Der Reihe nach. Die Straße, die Tübingen im Osten der Stadt als Stuttgarter Straße verlässt und an Kirchentellinsfurt vorbei gen Stuttgart führt, ist bekanntermaßen die B27. Kurz hinter besagtem Kirchentellinsfurt teilt sich die Bundesstraße noch einmal – der Abzweig führt als B297 über Pliezhausen, Neckartenzlingen und Neckartailfingen nach Nürtingen.

Vor geraumer Zeit wandte sich ein Leser ans TAGBLATT. Er beklagte, dass die beschriebene Straße beim größten Kartenanbieter im Internet, in „Google Maps“, nicht als B27 markiert sei. Stattdessen beginnt auf den Karten des Internetriesen die B297 fälschlicherweise bereits in Tübingen, erst ab einer gewissen Vergrößerungsstufe werden beide Straßenbezeichnungen angezeigt.

Einen Anruf beim Regierungspräsidium (RP) später ist klar, dass der Fehler auf Seiten von Google liegen muss. Die Straße heiße in ihrem Abschnitt bis zum Abzweig nach Nürtingen ausschließlich B27. Das RP melde als zuständiges Amt für Straßenbau den Stand der Straßenbezeichnungen an verschiedene Kartenanbieter, sagt der Pressesprecher. „Ich sehe auch, dass da bei denen was nicht stimmt, aber von wann deren Daten sind, weiß ich leider auch nicht.“

Eine Anfrage an Google muss her. Deren deutsche Presseanfragen bearbeitet eine in Berlin ansässige Agentur. Die lässt am Telefon wissen: „Sie sind mit jedem Anliegen bei uns richtig.“ Das nenne ich Service. Es folgt der Satz: „Anfragen bitte nur schriftlich.“

Also schriftlich: Woher hat Google die Infos? Wieso beginnt die B297 schon in Tübingen und was muss man tun, um das zu ändern? Die Antwort der Agentur ließ nicht lange auf sich warten: „Unser Anspruch ist es, dass Google Maps die genauesten, aktuellsten und relevantesten Informationen liefert. Wir beziehen unsere Karten-Daten von Drittanbietern. Falls Nutzer Fehler in Google Maps-Karten bemerken, können sie mithilfe der Funktion ‚Ein Problem melden‘ direkt mit uns in Kontakt treten und uns über mögliche Änderungen und Aktualisierungen, die vorgenommen werden müssen, in Kenntnis setzen.“

Das Ausbleiben einer Antwort wäre genauso viel wert gewesen. Wenn ich das Statement zitieren will, so die Agentur, solle ich das im Namen von Google-Pressesprecher Robert Lehmann tun. Dass ich mit dem nie gesprochen habe, scheint nebensächlich. Auf den Hinweis, dass meine Fragen damit nicht beantwortet seien, bekam ich eine Anleitung für Dummies. „Fehler melden in Google Maps: 1. Öffnen Sie Google Maps. Vergewissern Sie sich, dass Sie angemeldet sind. 2. Klicken Sie oben links auf das Menü ,Menü‘ und dann ,Feedback geben‘ und dann ,Karte bearbeiten‘. 3. Folgen Sie der Anleitung. 4. Klicken Sie auf ,Senden‘.“

Fehlt nur noch, dass dort steht: Achten sie darauf, dass ihr Computer am Stromnetz angeschlossen und der Bildschirm eingeschaltet ist. Wie die B297 jedoch nach Tübingen kommt, ließ sich auf diesem Wege nicht klären. Aber wenn sich genug Leute bei Pressesprecher Lehmann melden, steht vielleicht irgendwann die richtige Bezeichnung auf Google Maps.


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09.11.2017 - 01:00 Uhr