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Von Natur aus gut verpackt
Obst in so genannten Knotentüten soll nach dem Willen der Supermarktkette Rewe bald der Vergangenheit angehören. In Testfilialen werden Mehrweg-Netze als Alternative angeboten. Foto: Marcel Kusch
Umweltschutz

Von Natur aus gut verpackt

Mit Flyern und Plakaten will Rewe den Verzicht auf Plastiktüten für Obst und Gemüse bewerben. Auch andere Händler suchen nach Alternativen.

04.11.2017
  • DPA

Ulm. Die „klassische“ Plastiktüte hat in deutschen Supermärkten inzwischen Seltenheitswert. Rewe, Aldi, Lidl und auch viele Edeka-Händler haben die umweltschädliche Tragehilfe aus ihren Läden verbannt. Dennoch werden in den Supermärkten zwischen Kiel und München Tag für Tag Millionen Plastiktüten verbraucht. Eine große Kette will das Problem nun angehen.

Es geht um die „Knotentüten“. So werden im Fachjargon die dünnen, durchsichtigen Plastiktütchen genannt, die Kunden unter anderem in den Obst- und Gemüseabteilungen nutzen, um Weintrauben, Äpfel oder Bananen zu verpacken. Nach Schätzungen der Umweltorganisation Nabu werden jährlich mehr als drei Milliarden dieser Beutel verbraucht, nicht nur für Obst und Gemüse, sondern auch für Wurst, Fleisch oder Käse an den Bedientheken.

Hier will die Supermarktkette Rewe ansetzen. „Rewe testet Verzicht auf Knotenbeutel“, kündigte der Handelsriese kürzlich lautstark an. Von einer Abschaffung der dünnen Plastiktütchen ist Rewe aber noch weit entfernt. Das Unternehmen testet lediglich in rund 120 seiner mehr als 3000 Märkte, ob Kunden mit Flyern und Plakaten dazu gebracht werden können, seltener zu Knotenbeuteln zu greifen.

Manches Obst und Gemüse wie etwa Bananen oder Orangen sei „von Natur aus gut verpackt“, wirbt der Händler um Zurückhaltung. Für die übrigen Produkte bietet Rewe in gut 100 der Testfilialen neben den Knotenbeuteln auch „Mehrweg-Frischenetze“ aus Polyester an, die die umweltschädlichen Plastiktütchen ersetzen sollen.

Allerdings muss der Kunde die Netze kaufen. Das Doppelpack kostet 1,49 EUR. Sie können zwar mehrfach verwendet werden, müssen aber möglicherweise zwischendurch gewaschen werden. Wie viele Verbraucher im Interesse der Umwelt wirklich dazu bereit sind, bleibt offen.

Tatsächlich ist es in der Praxis für die Lebensmittelhändler deutlich schwieriger, auf die dünnen Plastikbeutelchen in den Gemüseabteilungen zu verzichten, als auf die großen Plastiktüten an den Kassen. „Die Knotenbeutel dienen ja nicht nur als Tragehilfe, sie dienen auch dem Produkt- und Hygieneschutz“, erklärt ein Rewe-Sprecher das Problem.

Hinzu kommt: Im Vergleich zu vorverpackter Ware sind die Knotenbeutel bei zurückhaltender Nutzung ökologisch unbedenklicher als viele Alternativen. Für 500 Gramm Trauben in einer Verkaufsschale mit Deckel würden fast acht Mal so viel Kunststoff verbraucht, wie für einen Knotenbeutel, hat der Nabu schon 2014 errechnet.

Viele Händler tun sich mit der Suche nach einer Alternativlösung bislang schwer. Der Discounter Lidl etwa teilt mit, er arbeite daran: „Jedoch entsprechen die derzeit am Markt angebotenen Alternativen noch nicht unseren ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Ansprüchen.“ Auch Aldi und Edeka sind nach eigenen Angaben auf der Suche nach Auswegen aus dem Knotenbeutel-Dilemma – ohne jedoch bisher die Plastiktütchen aus den Geschäften verbannt zu haben. Die Supermarktkette Real bietet in einem Testmarkt in Krefeld in der Obst- und Gemüseabteilung nur noch braune Papiertüten an. Die Resonanz sei „sehr gut“.

Tatsächlich sind wohl viele kleine Schritte nötig, um den Plastikverbrauch in den Supermärkten weiter zu reduzieren. So bietet Rewe in Kürze bundesweit in seinen mehr als 3300 Märkten keine Bananen mehr in Plastikfolie an. Die Produktinformationen – Bio oder nicht, Chiquita oder Eigenmarke – stehen auf Klebeetiketten oder Banderolen.

Auch bei anderen Obstsorten versucht der Kölner Händler auf Kunststoffverpackungen zu verzichten – teilweise mit durchaus ungewöhnlichen Methoden: Bio-Avocados und Bio-Süßkartoffeln etwa werden nun mittels eines Lasers mit Logos und Informationen versehen, die in die äußerste Schalenschicht eingebrannt werden. Diese „natürliche“ Kennzeichnung habe keinen Einfluss auf Geschmack, Qualität oder Haltbarkeit, betont Rewe.

Erich Reimann, dpa

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04.11.2017, 06:00 Uhr
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