Betriebsübergang

Von Beginn an sehr gut geregelt

Von Manfred Hantke

Firmengründer Uwe Schüschke hat sich aus dem Tages-Geschäft verabschiedet. Seine Nachfolger merken’s kaum. Das muss nicht schlecht sein.

Von Beginn an sehr gut geregelt

Uta Peter

Seit Juli ist Uwe Schüschke vollends aus dem täglichen Geschäft seines Unternehmens ausgeschieden. „Es ist ein Einschnitt, aber wir merken’s kaum“, sagt Thomas Mauthe, seit August vergangenen Jahres Geschäftsführer des Unternehmens, das sein Geld mit Waschtischen, insbesondere für Airbus verdient. Das ist durchaus respektvoll und anerkennend gemeint, ein Zeichen dafür, dass der Übergang geklappt hat. Denn auch mit Firmenverkäufen und Betriebsübergängen muss man Glück haben. Nicht immer laufen die reibungslos ab.

Als Uwe Schüschke im Januar 2016 seiner Belegschaft mitgeteilt hatte, dass er sein Unternehmen verkauft hat, war diese Nachricht für nicht wenige „ein Schock“. Nichts deutete zuvor auf einen Verkauf hin. Doch nach rund 30 Jahren Unternehmerdasein war für Schüschke Schluss. Familiär konnte er die Nachfolge nicht regeln. So machte er sich auf die Suche und fand in den „Silver Investment Partners“ (SIP) aus Königstein im Taunus einen Investor.

Ein beinharter Wettbewerb

SIP kaufte 87 Prozent, Schüschke hält bis heute noch 13 Prozent. Für SIP entschied sich der Firmenchef, weil er den Standort Kirchentellinsfurt langfristig sichern wollte, der Investor alle bis dahin gekauften Firmen behalten oder gar ausgebaut habe. Eineinhalb Jahre lang wollte Schüschke noch Geschäftsführer bleiben, die sind nun vorbei.

Mauthe, ausgewiesener Experte in der zivilen Luftfahrt-Industrie, kam für Schüschke wie gerufen. „Die Zusammenarbeit war von Beginn an sehr gut geregelt“, sagt Mauthe. Schüschke und er saßen in einem Büro, getrennt nur durch eine eingezogene Wand. Sie setzten sich zusammen, verteilten Aufgabengebiete, stimmten sich täglich ab, organisierten den Wissenstransfer. „Eine sehr offene und professionelle Art“, blickt Mauthe zurück. Ihn beeindruckt noch immer, mit welchem Spirit und Engagement Schüschke an den Übergang herangegangen ist. Beim Sommerfest für alle Mitarbeiter nahm Schüschke Ende Juni seinen Abschied. Mauthe: „Die Mannschaft hat’s sehr gut akzeptiert.“ Dann ging der Ex-Chef erst einmal auf Radtour durch Irland. Jetzt ist Uwe Schüschke noch im Beirat tätig, der tagt drei bis viermal pro Jahr.

An Schüschkes Geschäftsführerstelle ist Uta Peter gerückt. Seit 1. Juli ist sie Mit-Geschäftsführerin. Sie und Mauthe sind gleichberechtigt. Während Mauthe für den strategischen und operativen Bereich zuständig ist, kümmert sich Peter um Finanzen, Controlling, Rechnungswesen, Personal und Recht. Es sind dieselben Bereiche, die sie schon seit 2004 bei Schüschke beackert. Doch für die Diplom-Betriebswirtin ist es „vom Rucksäckle her“ schon ein Unterschied, obsie „nur“ die kaufmännische Leitung innehat oder Mit-Geschäftsführerin ist.

Thomas Mauthe hat sich in Kirchentellinsfurt längst eingelebt. Geboren in Geisingen bei Villingen-Schwenningen hat er dazu gar „nicht lange gebraucht“, wie er sagt. Als Geschäftsführer, etwa bei B/E Aerospace Systems, war er zwar größere Firmen gewohnt, ihn hätten jedoch das Produkt, die Firmenkonstellation und die langfristige Perspektive gereizt. Die Zusammenarbeit mit SIP sei gut, so Mauthe. Mit Varicor, dem Hersteller des Mineralwerkstoffs, aus dem die Schüschke-Waschtische gefertigt werden, sei eine gemeinsame Plattform gegeben. Denn Varicor gehört seit Beginn 2016 ebenfalls mehrheitlich SIP. „Eine sehr gute Konstellation“, so Mauthe, jetzt könne „schneller und effektiver“ gearbeitet werden. Und: „Ganz wichtig: die Materialversorgung ist sichergestellt.“ Da SIP ein „entsprechendes Netzwerk mitgebracht“, er aus seinen 16 Airbus-Jahren ebenfalls eines hat, scheinen die Voraussetzungen optimal.

Doch nichts ist so gut, dass es nicht noch besser werden könnte. „Die Konkurrenz schläft nicht“, weiß auch Mauthe. Und: „Ausruhen ist zurückfallen“. Im „weltweit beinharten Wettbewerb“ mit Regionen, die – wie die USA – robuster seien, müsse Schüschke „einen Tick schneller sein“. So entwickelt die Firma „mit Vehemenz weitere Projekte“ – mit Airbus und anderen Flugzeugherstellern, arbeitet mit Varicor an den Materialeigenschaften. Aber auch die eigenen Prozesse werden hinterfragt und „Optimierungspotenziale“ in den Abläufen geprüft. Denn „die Anforderungen steigen“, darauf will Mauthe „professionell reagieren“. Ein Anbau der Produktionshalle im Mahden steht derzeit nicht zur Debatte, das Wachstum soll „in der vorhandenen Hülle“ bewerkstelligt werden.

Den Schiffsbau im Visier

Was bis 2020 von Airbus auf die Firma zukommt, weiß Mauthe. Doch Airbus wächst, der Flugzeugbauer mache derzeit ein Upgrade von laufenden Flugzeugfamilien. Das könne sich auch auf die Stückzahl der Waschtische und auf die Variantenvielfalt auswirken. Mauthe denkt aber auch an eine Ausweitung des Produktportfolios. Möglich sei der Schiffsbau, „die Gespräche laufen“. Aus Wettbewerbsgründen will sich Mauthe aber darüber nicht näher auslassen. Bilder: Hantke


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22.09.2017 - 21:48 Uhr