Unwetter in der Region: Starkregen und golfballgroße Hagelkörner

Vollgelaufene Keller, durchschlagene Dachfenster, überflutete Straßen

Von tol/dpa

Das Unwetter am Freitagabend hat in der Region schwere Schäden hinterlassen. In Pfullingen und Reutlingen waren nach dem Starkregen ganze Straßenzüge überflutet. Mehrere Menschen wurden aus ihren vom Wasser eingeschlossenen Häusern gerettet. Auch im Kreis Tübingen musste die Feuerwehr Dutzende Male ausrücken. Verletzt wurde nach derzeitigem Stand niemand.

Vollgelaufene Keller, durchschlagene Dachfenster, überflutete Straßen

Symbolbild: Metz

Nach einem knalleheißen Tag ist es am späten Freitagabend in den Kreisen Tübingen und Reutlingen zu schweren Unwettern gekommen. Der Deutsche Wetterdienst hatte die höchste Warnstufe ausgegeben. Zu Recht, wie sich zeigen sollte.

Die Gewitterfront zog zunächst über Horb, wo gegen 20.15 Uhr Starkregen und Hagel niederprasselte. Zudem gab es Sturmböen.

In Starzach, allen voran Wachendorf, in Rottenburg und den Stadtteilen Hemmendorf und Dettingen mussten Keller leergepumpt werden, die der Starkregen hatte vollaufen lassen. In Hemmendorf sicherte die Feuerwehr mehrere Dachfenster, nachdem golfballgroße Hagelkörner deren Glas zerschlagen hatten.

In Wachendorf musste die Beachparty des MV Bieringen abgesagt werden. „Der Boden des Festplatzes war ungefähr 20 Zentimeter hoch mit Hagel bedeckt“, berichtet Vereinsvorstand Edgar Ruggaber. „Natürlich stand danach alles unter Wasser.“ Im Steinlachtal waren Dußlingen, Nehren und Gomaringen betroffen. Auch hier musste die Feuerwehr anrücken, weil Keller mit Wasser vollgelaufen waren. Insgesamt zählte die Feuerwehrleitstelle Tübingen bis 23.30 Uhr 28 Unwetter-Einsätze. Danach hatte sich das Wetter im Kreis Tübingen beruhigt.

Derweil tobten sich die Gewitter über Reutlingen und Umgebung aus. Dorthin wurde die Feuerwehr Tübingen zur Unterstützung gerufen, nachdem die eigenen Einsätze beendet waren. Am schlimmsten traf es Pfullingen. Dort traten zwei Bäche über die Ufer und fluteten Straßen und Keller. Mehrere Autos wurden von den Wassermassen mitgerissen. Zeitweise saßen  Menschen in überfluteten Tiefgaragen fest und konnten nicht heraus. „Eigentlich sind das ruhige Bäche, dann war das Wasser schlagartig zwei Meter höher als normal“, berichtete ein Sprecher der Feuerwehr. Fast im Minutentakt seien Notrufe eingegangen.

„Es sieht verheerend aus im Stadtgebiet“, sagte Pfullingens Bürgermeister Michael Schrenk am frühen Morgen. Besonders öffentliche Gebäude wie Sporthallen und ein Museum seien betroffen. „Es sind großflächig große Schäden entstanden.“ Hinweise auf Verletzte gab es zunächst nicht.

Im Reutlinger Stadtgebiet schwoll die Echaz an vielen Stellen  in kürzester Zeit an und trat über die Ufer. Besonders betroffen war Betzingen. In der Ortsmitte stand das Wasser bis zu einem halben Meter hoch. Zahlreiche Keller und Tiefgaragen wurden überflutet. Auch das Feuerwehrhaus stand unter Wasser. Das Seniorenzentrum der Bruderhaus-Diakonie war komplett von der Echaz umspült. Sicherheitshalber wurden die Senioren ins Obergeschoss der Einrichtung verlegt.

In der Reutlinger Innenstadt trat die Echaz entlang der Lederstraße über die Ufer. Durch die heftigen und schnellen Niederschläge wurde ein Haus vom Hochwasser so schnell umschlossen, dass die Bewohner das Gebäude nicht mehr rechtzeitig verlassen konnten. Die Feuerwehr rettete sieben Personen über eine Drehleiter.

In Unterensingen im Kreis Esslingen schlug gegen 0.45 Uhr der Blitz in ein Einfamilienhaus ein. Bei dem anschließenden Brand wurde das Gebäude komplett zerstört. Zwei Frauen, die sich in dem Haus aufgehalten hatten, erlitten leichte Verletzungen. Den Schaden schätzt die Polizei auf 600000 Euro.

Am Stuttgarter Flughafen wurde die Vorfeldabfertigung infolge des  Gewitters zwischen 21.52 Uhr und 1.20 Uhr eingestellt. Es kam zu Verspätungen, mehrere Flüge wurden annulliert.

Mittlerweile hat sich die Lage in der Region entspannt. Teilweise sind noch Nebenstraßen wegen Überflutung gesperrt (Stand: 12.30 Uhr). Die Feuerwehren sind nach wie vor im Einsatz. Allerdings sollen laut Deutschem Wetterdienst vom frühen Samstagnachmittag an weitere Gewitter mit „starkem Unwetterpotenzial“ aufziehen. 

Betrübliche Folgen hatte das Unwetter auch für zehntausende Besucher des Southside-Festivals im Kreis Tuttlingen. Das dreitägige Event ist am Samstagmorgen komplett abgesagt worden. Die Sicherheit auf dem Gelände könne nicht mehr gewährleistet werden, teilten die Veranstalter mit. Die Besucher wurden aufgefordert, die Heimreise anzutreten. Am Freitag waren während des Gewitters mehrere Festivalbesucher verletzt worden, fünf von ihnen kamen ins Krankenhaus.


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25.06.2016 - 00:57 Uhr